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Die Geschichte von Marie und Julien

Rätselhafte, erotisch aufgeladene Love-Story, in der die Grenzen zwischen Lebenden und Toten verschwimmen.


Die Geschichte von Marie und Julien

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Erhältlich seit:
23.02.2008

Originaltitel: Histoire de Marie et Julien

Drama

Frankreich 2003
Laufzeit: 145 Min.
FSK: ab 12

Emmanuelle Béart
Jerzy Radziwilowicz
Anne Brochet

Regie: Jacques Rivette
Süddeutsche Zeitung

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Rätselhafte, erotisch aufgeladene Love-Story, in der die Grenzen zwischen Lebenden und Toten verschwimmen.

Marie und Julien pflegen eine leidenschaftliche Beziehung (Foto: flax film) Großansicht

Marie und Julien pflegen eine leidenschaftliche Beziehung (Foto: flax film)

Uhrmacher Julien (Jerzy Radziwilowicz) lebt mit seiner Katze, die seine einzige Gesprächspartnerin darstellt, in einer verwunschenen Villa in Paris. Nebenbei erpresst er Madame X (Anne Brochet), eine Antiquitätenhändlerin, die Fälschungen verkauft.

Doch die "amour fou" zur wunderschönen Marie (Emmanuelle Béart) stellt seine Existenz völlig auf den Kopf. Nach einer heißen Liebesnacht bittet er sie, bei ihm einzuziehen. Nach fiebriger Lust gibt sich Marie jedoch kühl und distanziert. Sie schließt sich in ihr Dachzimmer ein und kapselt sich in eine andere Welt ab.

Im Dachzimmer findet Marie ruhe (Foto: flax film) Großansicht

Im Dachzimmer findet Marie ruhe (Foto: flax film)

Traum und Wirklichkeit

Die dramatische, von symbolischer Zeitlosigkeit geprägte Love-Story zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Traum und Wirklichkeit inszenierte Jacques Rivette als letzten Teil einer in den 70er Jahren begonnenen Tetralogie. Herausgekommen ist ein flirrendes, erotisch aufgeladenes Spiel von Liebe, Tod und Utopie, das für den Zuschauer Überraschungen bereithält.

Die Geschichte von Marie und Julien

Manchmal dauert es eben etwas länger, ein Filmprojekt durchzuziehen - bei Jacques Rivette knapp 30 Jahre. Der heute 76Jährige plante in den 70ern eine Tetralogie mit dem Arbeitstitel "Töchter des Feuers" und drehte auch den zweiten und dritten Teil "Unsterbliches Duell" als Fantasy-Thriller und den Western "Nordwestwind". Die Liebesgeschichte "Marie et Julien" mit Leslie Caron und Albert Finney kam dagegen nicht zustande, der Regisseur erschien einfach am dritten Drehtag nicht mehr am Set und verschwand für zwei Jahre. Das Ergebnis drei Dekaden später ist sinnliches und übersinnliches Kino, ein Triumph der Liebe über den Tod.

Statt Leslie Caron und Albert Finney spielen jetzt Emmanuelle Béart und Jerzy Radziwilowicz das Liebespaar, die "Belle Noiseuse" und die undurchschaubare Figur des Walser aus "Geheimsache". Julien, ein ungefähr 40jähriger Uhrmacher, lebt mit seiner Katze, einzige Gefährtin und Gesprächspartnerin in einer verwunschenen Villa mitten in Paris. Ganz nebenbei erpresst er Madame X, eine Antiquitätenhändlerin, die Fälschungen verkauft. Die "amour fou" zur wunderschönen Marie stellt seine Existenz auf den Kopf. Nach einer heißen Liebesnacht bittet er sie, bei ihm einzuziehen. Julien braucht Marie zum Leben, Marie braucht ihn zum Überleben. In Momenten animalischer Leidenschaft fühlen sie sich füreinander bestimmt, genießen ihre exzessiven Fantasien, gerinnen Momente sexueller Obsession zu kleinen Ewigkeiten. Doch nach fiebriger Lust gibt sich Marie kühl und distanziert, schließt sich in ihr Dachzimmer ein und kapselt sich in einer anderen Welt ab. Ein Brief von Madame X bringt den Mann auf eine seltsame Spur. Aber was hat deren tote Schwester, die sie des Mordes anklagt, mit seiner großen Liebe zu tun? Bei der Suche nach Maries Vergangenheit entdeckt Julien ein schreckliches Geheimnis.

Auf den ersten Blick erinnert die Geschichte an "The Sixth Sense" oder "Die Anderen", denn auch bei Rivettes Ausflug ins Reich der Untoten verschwimmen die Grenzen zwischen Lebenden und Toten. Aber für diese "Szenen aus dem parallelen Leben" wie er 1975 die Tetralogie beschrieb, standen wohl eher Baudelaire und "Die Blumen des Bösen" oder Gérard Nervals schwer zu deutende Sonetten "Chimères" Pate. Sie sind exquisiter, funkelnder, rätselhafter und vor allem von einer dunklen und aufregenden Erotik. Nach den ersten Sex-Szenen ohne Worte beginnt das Paar, sich erotische Märchen zu erzählen. Keine Gute-Nacht-Geschichten, sondern mit Schreckgestalten erfüllte Fabeln, in denen Julien auch schon mal den Part als Blaubart übernimmt. Sukzessive wagen sie sich immer einen Schritt weiter, auch wenn der Grund, auf dem sie wandeln, Risse zeigt. Die dramatische, von symbolischer Zeitlosigkeit geprägte Love-Story gleitet wie ein Geisterschiff in der Nacht zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Traum und Wirklichkeit. Dabei tastet sich der Zuschauer vorsichtig zur überraschenden Lösung vor. Wer sich auf das flirrende Spiel von Liebe, Tod und Utopie einlässt, sollte 150 spannende Minuten genießen. mk.

Die Geschichte von Marie und Julien

Der geheimnisvolle Reigen erzählt in unverwechselbarer Handschrift, wieder mit Emmanuelle Béart und erstmals mit Erotikszenen, von einer übersinnlichen Liebe zwischen einem Turmuhrmacher und einer rätselhaften Schönen.

Golden Seashell-Nominierung für Jacques Rivette (San Sebastián International Film Festival, 2003)

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Darsteller:  Emmanuelle Béart   als Marie
  Jerzy Radziwilowicz   als Julien
  Anne Brochet   als Madame X
  Bettina Kee   als Adrienne
  Olivier Cruveiller   als Verleger
  Mathias Jung   als Concierge
  Nicole Garcia   als Freundin
 
Regie:  Jacques Rivette  
Buch:  Jacques Rivette  
  Pascal Bonitzer  
  Christine Laurent  
Kamera:  William Lubtchansky  
Produzent:  Martine Marignac  
 

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