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Die innere Sicherheit

Bewegendes, mit vorzüglichen, kühlen Bildern gestaltetes Drama um ein Terroristenpaar auf der Flucht aus der Sicht der Tochter.


Die innere Sicherheit

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Erhältlich seit:
08.02.2010

Originaltitel: Die innere Sicherheit

Drama

Deutschland 2000
Laufzeit: 102 Min.
FSK: ab 12

Julia Hummer
Barbara Auer
Richy Müller

Regie: Christian Petzold
AL!VE Vertriebs- und Marketing AG

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Die innere Sicherheit

Die ehemaligen RAF-Mitglieder Clara und Hans mühen sich, als Touristen getarnt, in Portugal ein halbwegs "normales" Leben zu führen. Darunter leidet vor allem die 15-jährige Tochter Jeanne, der es an Freunden und sozialen Kontakten fehlt. Nun soll aber alles besser werden, steht doch die Übersiedlung nach Brasilien, neue Identitäten inklusive, kurz bevor. Da wird in ihre Wohnung eingebrochen, Geld nebst allen Papieren gestohlen. Wieder ist die Familie auf der Flucht - diesmal zurück nach Deutschland, wo sie auf die Hilfe alter Freunde hofft...

Christian Petzolds Gewinner des Deutschen Filmpreises 2001 ist weder platte Polit-Story noch Action-reicher Thriller, das Werk dreht sich vielmehr um Menschen, die von den Geistern der Vergangenheit gejagt werden. Entstanden ist so ein bewegendes, mit vorzüglichen Bildern gestaltetes Drama um Schuld und Sühne, das nur vordergründig über "typische" Terroristen-Schicksale reflektiert, hintergründig aber von den Auswirkungen der Protestbewegung der 60er und 70er Jahre erzählt. Ein Muss für Cineasten sowie politisch Interessierte.

Die innere Sicherheit

War der diesjährige Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig eher von mittelmäßiger Qualität, gab es in den diversen Nebenreihen doch einige Entdeckungen zu machen. So zum Beispiel zwei deutsche Produktionen, die zur allgemeinen Verwunderung nicht in den concorso aufgenommen worden waren: Tom Tykwers "Der Krieger und die Kaiserin" und Christian Petzolds Terroristen-Drama, das in der Sektion "Kino der Gegenwart" lief und bei Publikum wie Fachbesuchern gleichermaßen auf positives Echo stieß.

Regisseur Christian Petzold, 1960 in Hilden geboren, aufgewachsen in Haan/Rheinland und Absolvent der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb), interessiert sich bei seinem Kino-Erstling weniger für das Phänomen bzw. die Ursprünge des Terrorismus, wie etwa Margarethe von Trotta in "Die bleierne Zeit" (1981 mit dem "Goldenen Löwen" der Biennale ausgezeichnet), sondern für die Zeit "danach". Nicht um Vergangenheitsbewältigung geht es ihm und seinem Kodrehbuch-Autor Harun Farocki ("Was man sieht"), sondern um die Schilderung der versuchten Rückkehr seiner "Helden" in die Normalität, um deren Innenleben, Hoffungen und Träume zu Zeiten der grauen Kohl-Ära. Terror und Revolution spielen keine Rolle mehr, ebenso wenig wie der ehemals erbittert geführte Kampf gegen den militärisch-industriellen Komplex. Den Regisseur hat, nach eigenen Angaben, unter anderem ein taz-Artikel über Wolfgang Grams zu diesem Film inspiriert. In dem stand zu lesen, dass der steckbrieflich gesuchte Staatsfeind Marmelade einkochte und Liebesgedichte an "Kollegin" Birgit Hogefeld schrieb - nicht der Mythos hat Petzolds Neugier erregt, sondern der Mensch.

Vergleichbar mit Sidney Lumets Protagonisten in "Die Flucht ins Ungewisse" (1987) leben die ehemaligen RAF-Mitglieder Clara und Hans seit Jahren im Untergrund. In Portugal mühen sie sich, als Touristen getarnt, ein halbwegs "normales" Leben zu führen. Darunter leidet vor allem die 15-jährige Tochter Jeanne, der es an Freunden und sozialen Kontakten fehlt. Doch bald soll, so versichern die Eltern, alles besser werden, denn die Übersiedlung nach Brasilien, neue Identitäten inklusive, steht kurz bevor. Da wird in ihrer Wohnung eingebrochen, ihr Geld nebst allen Papieren gestohlen. Und wieder ist die Familie auf der Flucht - diesmal zurück nach Deutschland, wo sie auf Unterstützung und Hilfe alter Freunde hofft...

Petzold inszeniert "Die innere Sicherheit" weder als platte Polit-Story noch als Action-reichen Thriller, sondern rückt Menschen, die von den Geistern der Vergangenheit gejagt werden, ins Zentrum des Interesses. Ihre persönliche Verantwortung, ihre Gedanken, ihre Gefühle treiben die Handlung voran. Clara und Hans, von Barbara Auer und Richy Müller ein wenig blass gespielt, sind Gefangene ihrer selbst und müssen scheinbar bis in alle Ewigkeit für frühere Straftaten büßen. Und mit ihnen auch Jeanne (eindringlich: Julia Hummer), die, als sie sich erstmals "materialisiert", Kontakte knüpft und sich in den jungen Surfer Heinrich (authentisch: Bilge Bingül) verliebt, die Sicherheit der Familie gefährdet und letztendlich daran Schuld trägt, dass die Polizei ihnen auf die Spur kommt. So ist ein bewegendes, von Kameramann Hans Fromm mit vorzüglichen, eiskalten Bildern gestaltetes Drama um Schuld und Sühne entstanden, das vordergründig über "typische" Terroristen-Schicksale reflektiert, hintergründig aber durchaus auch von den Auswirkungen der Protestbewegung der sechziger und siebziger Jahre erzählt. Eine ideale Ergänzung zu Schlöndorffs ähnlich gelagertem "Stille nach dem Schuss", die ob des heiklen, etwas sperrigen Themas vom Verleih viel Fingerspitzengefühl in puncto Werbung und Vermietung voraussetzt. GeH.

Die innere Sicherheit

Vater, Mutter, Kind - eine Familie auf der Flucht, die Tochter ist die Geisel. Jeanne (Julia Hummer) lernt in Portugal einen Jungen kennen, aber die Eltern drängen schon wieder zur Eile: "Wir müssen hier weg." Als Ausweg bleibt nur die Fahrt zurück nach Hause, nach Deutschland. Christian Petzold erzählt in "Die innere Sicherheit" von der letzten Generation des linken Terrorismus, von einer RAF, von der nicht einmal der Name geblieben ist. Das Mädchen Jeanne steht für die erste Generation der Freiheit, aber der Ausstieg kann nur dramatisch gelingen. "Die innere Sicherheit" ist politisches Kino auf höchstem Niveau, jede Abstraktion ist in ein erzählerisches Detail verarbeitet, mythische Struktur und Aufklärung sind ineinander verschränkt.

Quelle: AL!VE

- Filmgespräch: Interview zum Film mit einem Redakteur
der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
- Ausführliches Booklet mit zahlreichen Informationen und
unterhaltsamen Hintergrundgeschichten

Quelle: AL!VE

Darsteller:  Julia Hummer   als Jeanne
  Barbara Auer   als Clara
  Richy Müller   als Hans
  Bilge Bingül   als Heinrich
  Günther Maria Halmer   als Klaus
  Katharina Schüttler   als Paulina
  Rogério Jaques   als Mann in der Strandbar
  Maria Joao   als Concierge
  Vasco Machado   als Polizist
  Noberto Paula   als Mann im Bahnhof
  Bernd Tauber   als Achim
  Inka Löwendorf   als Mädchen in der Schule
  Manfred Möck   als Lehrer
  Marc Sönnichsen   als Heinrichs Freund
  Ingrit Dohse   als Restaurant-Managerin
  Henriette Heinze   als Anhalterin
 
Regie:  Christian Petzold  
Buch:  Christian Petzold  
  Harun Farocki  
Musik:  Stefan Will  
Kamera:  Hans Fromm  
Produzent:  Florian Koerner von Gustorf  
  Michael Weber  
 

Die innere Sicherheit in der Fotoshow

 

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Features

 

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Julia Hummer

Sie mauserte sich vom Jungstar in Kinderrollen zur Charakterdarstellerin und stellte nach einigen Jahren die Filmarbeit zu Gunsten der Musik...

 

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Barbara Auer

Barbara Auer gehört zu den meistbeschäftigten deutschen Film- und Fernsehschauspielerinnen. Seit ihrem Durchbruch als Kranführerin in Vivian...