
Mit seinem zweiten Spielfilm verbindet Regisseur Matthias Keilich auf tragikomische Weise das eigentlich verstaubte Genre Heimatfilm mit dem engagierten Sozialdrama.
Dass "Hartz IV" mit dem deutschen Mittelgebirge "Harz" zu tun hat, wird spätestens nach diesem Film klar, der in einer Region spielt, in der Ortschaften mit Namen wie "Elend" oder "Sorge" vorkommen. Der Nachbarort heißt ein wenig tröstlicher "Tanne", und genau dorthin verschlägt es nach langer Abwesenheit den Herumtreiber Krischan (Bjarne Mädel). Mit ruppigem Optimismus versucht der ungeliebte Tunichtgut bald, seine als Langzeitarbeitslose dahinvegetierenden Ex-Holzfällerkollegen Ronnie (Frank Auerbach) und Bert (Steven Merting) aus alten DDR-Tagen für die Ausrichtung der "1. Harzer Waldmeisterschaft" zu begeistern, an der sinnigerweise nur Arbeitslose teilnahmeberechtigt sind. Neben allerlei Häme und Stolpersteinen seitens der Dorfbevölkerung muss sich der Wiederkehrer jedoch auch mit der Tatsache anfreunden, plötzlich Vater eines schulpflichtigen Sohnes zu sein. Und dann ist da noch die Sache mit den imaginären 20.000 Euro Preisgeld, die sich nur elegant umschiffen lässt, wenn sich die drei "Lumber Kings" auch wirklich als die besten Nutzholzbearbeiter entpuppen.
Mit leichter Hand und einer gehörigen Portion Situationskomik ist Regisseur und Ko-Autor Matthias Keilich ein warmherziger (ost-)deutscher Heimatfilm gelungen, der die tristen sozialen Realitäten keinesfalls verharmlost. So sind denn manchmal Tränen und Jammer dramaturgisch vonnöten, damit gleich darauf herrlich verfremdet ein prächtiger Hirsch vor einem riesigen Mond durch den Tannenwald stapfen kann. Wer sich dabei an britische Vorbilder wie "Ganz oder gar nicht" oder an die lakonische ostdeutsche "Boxerin" erinnert fühlt, liegt zwar nicht falsch. Aber die Idee, eine an sich uramerikanische Holzfäller-Olympiade in ostdeutsche Befindlichkeiten einzubauen, ist originell. Hinzu kommen tolle Darstellerleistungen (nicht zu vergessen: Peter Sodann), allen voran die starken Frauenrollen! aw.