
Die 1911 geborene deutsche Schauspielerin Marianne Hoppe hat Film- und TV-Rollen gespielt, ist aber vor allem eine Grande Dame des Theaters, die es sich leisten konnte, seit 1955 nicht mehr an ein Ensemble gebunden zu sein. Der faszinierenden Frau auf dem Weg zur Kultgestalt widmet Werner Schroeter weniger einen Dokumentarfilm auch kein Porträt, sondern eine kunstvolle Collage aus Begegnungen mit Kollegen, Filmausschnitten ihrer Arbeit, Lesungen und Werkzitaten. Das Ganze ergibt einen inneren Monolog und eine im Wortsinn Erinnerungsarbeit, die sich überraschend schwierig gestaltet.
Denn Marianne Hoppe lebt einzig für die Kunst, sie verweigert sich biografischen Annäherungen, und Schroeter lockt nichts aus ihr heraus, nicht über die Jahre 1933-45, in denen sie mit Ehemann Gustaf Gründgens im Berliner Staatsschauspiel "eine Art Insel" schuf (so die vitale Kollegin Lola Müthel, geboren 1919), und nichts über die Dreharbeiten zur "Effi-Briest"-Verfilmung "Der Schritt vom Wege" in Zeesen am See (1939), denn angesichts des Verfalls dort will die Hoppe nichts wie weg. Fotoalben durchblättert sie schnell, hoheitsvoll und ohne großen Kommentar. Die Vergangenheit ist für sie vorbei, vergessen, Hoppe steht darüber, lebt für den Mythos.
Also unterlegt Schroeter die Lesungen, Gespräche und Proben mit Musik von Mozart bis Richard Strauß und lässt die Kollegen für sie sprechen: meist Müthel, Regisseur Robert Wilson, Evelyn Künneke, die zwei Lieder für Hoppe singt, "Sparringpartner" Martin Wuttke. Interessant bleibt, dass man über Hoppes Einstellung zu den Nazis am meisten in den beiden Ausschnitten aus Helmut Dietls "Kir Royal: Adieu Claire" erfährt, wo sie auf das Regime spuckt. Eine sehr indirekte Annäherung, die Kenntnisse über die große Schauspielerin voraussetzt. Dann wird es spannend zwischen Gedächtnis, Erinnerung und Verweigerung in einem ausnehmend ausdrucksvollen Gesicht. ger.