
Lang erwartete Verfilmung des romantischen Meisterwerks von Literatur-Nobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez, ambitioniert vom britischen Regisseur Mike Newell inszeniert.
Umfangreiche Buchstoffe sind für Newell keine Neuheit, zuletzt hatte er den dicken Wälzer "Harry Potter und der Feuerkelch" auf die Leinwand gebracht. Rigorose Kürzung war auch bei der Adaption des weitschweifenden Romans einer einzigartigen Liebe, die sich über einen Zeitraum von über 50 Jahren in Kolumbien zuträgt, angebracht. Diese komplexe Aufgabe fiel Drehbuchautor Ronald Harwood (Oscar für "Der Pianist") zu. Er hält sich nahe an die sprachgewaltige Vorlage, übernimmt diverse Szenen und Dialogzeilen und erhält die Rückblendenstruktur aufrecht. Stark in den Hintergrund treten dafür die vielschichtigen historischen und kulturellen Details der Vorlage.
Wie das Buch beginnt auch der Film mit dem Tod des gealterten Arztes Juvenal Urbino (Benjamin Bratt), woraufhin der 72-jährige Florentino Arizo (Javier Bardem) umgehend bei dessen Witwe Fermina (Giovanna Mezzogiorno) vorspricht und ihr erklärt, "51 Jahre, 9 Monate und 4 Tage" auf diesen Moment gewartet zu haben. Doch ihre Reaktion ist abweisend, und im Rückblick wird mit ihrer ersten Begegnung angeknüpft. Als junger Telegrammbote (zunächst von Unax Ugalde gespielt) verliebt sich Florentino auf den ersten Blick in die schöne Fermina aus (neu)reichem Haus. Zunächst erwidert sie seine Gefühle, doch als sie nach einjährigem Zwangsurlaub (ihr von John Leguizamo dargestellter Vater hat standesgemäßere Pläne für sein töchterliches Kronjuwel) zurückkehrt, hält sie ihre Liebe für eine jugendliche Illusion. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt Bardem die Rolle, ein etwas abrupter Austausch, der zunächst etwas störend wirkt, nicht zuletzt weil alle anderen Figuren von den jeweiligen Schauspielern durch die Jahre mit Alters-Makeup gespielt werden. Parallel entfaltet sich nun das Schicksal der beiden. Fermina heiratet den angesehen Arzt Urbino und führt wenngleich keine überglückliche, so doch eine stabile Ehe. Florentino hingegen, der sich in der Schifffahrtsgesellschaft seines Onkels hocharbeitet, liebt im Verlauf der Jahre über 600 Frauen. In seiner Seele ist er für Fermina jedoch ein Jungmann geblieben, wie er ihr als alter Mann beteuert, als sie sich beim malerisch schönen Finale auf einem Flussboot letztlich doch in die Arme schließen.
Schade ist, dass die Gefühlswallungen erst dann so richtig beim Publikum überschwappen. Das liegt u.a. an der (Fehl)Besetzung von Mezzogiorno, die als leidenschaftlich angebetete Liebesgöttin zu spröde wirkt und als reife Frau nicht überzeugen kann. Wesentlich mehr funkelnd-feuriges Charisma strahlt dagegen Catalina Sandino Moreno ("Maria voll der Gnade") in ihrem kleinen Part als Cousine aus. Durchweg klasse sind die Produktionswerte, von der ästhetischen Kameraarbeit, dem opulenten Design sowie dem stimmungsvollen Soundtrack mit lateinamerikanischen Klängen (Popstar Shakira steuerte auf Wunsch von Autor Marquez drei Songs bei). Insgesamt zwar keine makellose Adaption, dennoch bewegendes Gefühlskino um große Sehnsucht und zeitlose Liebe. ara.