
An Hand des historischen Prozesses hält Robert Redford in seinem sorgfältig gehandhabten Gerichtsfilm ein aufrüttelndes Plädoyer auf die US-Verfassung.
Er ist der letzte Aufrechte des amerikanischen (Independent-)Kinos, das ewige Sundance Kid, der unbeirrbare Streiter für Gerechtigkeit: Robert Redford. "Von Löwen und Lämmern", vom Krieg in Afghanistan und an der Heimatfront hat er zuletzt erzählt und nun ist er noch weiter in die US-Geschichte zurück gegangen. Um die "Lincoln Verschwörung" geht es ihm diesmal, um die Folgen des tödlichen Attentats auf den charismatischen 16. Präsidenten der USA, der die Sklaven befreite, sein Land vom Bürgerkrieg in die Neuzeit führte.
Auf einem Schlachtfeld lernt man den verwundeten Hauptmann Frederick Aiken (energisch: James McAvoy), einen überzeugten Nordstaatler, kennen. Es folgt die Ermordung des Staatsoberhaupts durch John Wilkes Booth und dann ist der Regisseur beim Thema: Dem auf Tatsachen basierenden Prozess gegen die drei Mitverschwörer und deren Wirtin Mary Surratt (stark: Robin Wright), die die Männer beherbergt und sich so zur Mittäterin gemacht hat. Aber hat sie vom Komplott gewusst? Aiken, im Zivilberuf Anwalt, übernimmt auf Drängen seines Mentors (wuchtig: Tom Wilkinson) widerwillig deren Verteidigung.
Ein Gerichtsfilm mit klassischen Parametern, basierend auf der Buchvorlage von James D. Solomon und Gregory Bernstein, ein Plädoyer auf die US-Verfassung, die sowohl in Zeiten des Kriegs und des Friedens Bestand haben sollte. Die Vergangenheit spiegelt die Moderne, im Subtext geht es natürlich um Abu Guhraib und Guantanamo, um das Recht des Stärkeren oder wie der Ankläger es auf den Punkt bringt: "Inter arma silent leges" - "Unter Waffen schweigen die Gesetze". Sorgfältig beleuchtet Redford die Standpunkte, Kläger und Beklagte kommen gleichermaßen zu Wort, den Gerichtssaal verlässt er immer wieder, um in Rückblicken die verschiedenen Aussagen zu bebildern, sie zu belegen oder ihnen zu widersprechen.
Wahrheitssucht ist eine komplexe Sache und auch Frage der Perspektive. Die einzelnen Figuren repräsentieren die verschiedenen Meinungen, die Schauspieler sind gut gewählt und agieren in Topform. Kevin Kline glänzt als fanatischer Kriegsminister, Evan Rachel Wood als Tochter der Angeklagten, Alexis Bledel als Frau an Aikens Seite. Funktional sind Kameraarbeit (Newton Thomas Sigel) und Soundtrack (Mark Isham), das eher karge Produktionsdesign ist dem 25-Millionen-Dollar-Budget geschuldet. Ein Film über Mutterliebe - ihr Sohn ist der einzige flüchtige Komplize -, Soldatenehre und den Durst einer Nation nach Rache. Und als Mahnmal leuchtet im Hintergrund immer wieder die Kuppel des Kapitols, dem Sitz des Kongresses, der Legislative der Vereinigten Staaten von Amerika.
geh.