
Der effektereiche Mumien-Mummenschanz mit Brendan Fraser als charmantem Indy-Verschnitt erlebt seine nunmehr zweite Wiederauferstehung.
Fast zehn Jahre ist es her, dass die Original-"Mumie" als bandagierter Bösewicht durch das familentaugliche Actionabenteuer von Stephen Sommers stapfte. Fand das erste Sequel von 2001 ebenfalls vorrangig in Ägypten statt, wurde der Austragungsort nun der diesjährigen Olympischen Spiele entsprechend nach China verlegt. Darüber hinaus tritt Martial-Arts-Superstar Jet Li ("Hero") als der Drachenkaiser auf, dessen Aufstieg und grausige Untaten im Prolog aus dem Off geschildert werden. Rund 2000 Jahre später, anno 1946, wird seine Grabstätte von dem 20-jährigen Alex O'Connell (Luke Ford) entdeckt. Er ist der Sprössling des Abenteurer-Ehepaars Rick (Fraser) und Evelyn (Mario Bello aus "A History of Violence" ersetzt Oscar-Gewinnerin Rachel Weisz). Sie haben sich von todesmutigen Expeditionen zurückgezogen und sind nun tödlich gelangweilt. Das Angebot, ein historisches Artefakt zurück nach Shanghai zu bringen, ist ihnen daher hochwillkommen. Umgehend ist die gesamte O'Connell-Familie in ein neues aufreibendes Abenteuer verwickelt, bei dem sie sich mit einer mörderischen Mumienbestie und deren Riesenarmee von Terrakotta-Kriegern einen Kampf auf Leben und Tod liefern müssen.
Das Skript wurde vom "Herbie Fully Loaded"-Autorenteam Alfred Gough und Miles Millar beigesteuert, und auch als Regisseur wurde Sommers abgelöst. Die Inszenierung nahm jetzt der erklärte Asienliebhaber Rob Cohen ("The Fast and the Furious") vor, wobei er sich vorrangig auf atemlose, häufig hektisch geschnittene Actionszenen konzentriert. Dabei fühlt man sich wie gehabt unweigerlich an "Indiana Jones" erinnert, sei es die Erkundung der mit trickreichen Todesfallen versehenen unterirdischen Grabstätte des Kaiser, die rasante Kutschen- und Oldtimerjagd durch die nächtlichen Straßen Shanghais oder die Reise im klapprigen Propellerflugzeug zum Himalaja. Bodenständige Ballereien gegen menschliche Feinde (Hongkong-Star Anthony Wong Chan Sang aus "Infernal Affairs" als machthungriger Militärgeneral) und computergeneriertes Geistergesocks sind ebenfalls Programm. Damit wird auch das mystische Element abgedeckt, das zudem eine schöne Zauberin (Michelle Yeoh) und ihre holde Tochter (Isabella Leong fungiert als Love Interest für Alex), einen Besuch im fabelschönen Shangri-La und die magischen Kräfte des Drachenkaisers umfasst. Mit aufwändigem Effektezauber werden neben den Horden von kriegslustigen Untoten auch allerhand magische Kreaturen heraufbeschworen, wie imposante Schnee-Yetis und ein Feuer speiender, dreiköpfiger Drache (Cohens "Dragonheart" lässt grüßen). Bei all dem visuellen Spektakel tritt das menschliche Element noch mehr als zuvor in den Hintergrund, so dass die verbalen Volleys oft flach ausfallen und die Chemie zwischen Fraser und Bello nie das angestrebte Tracy-Hepburn-Flair erreicht. Störend wirkt vor allem auch, dass ihr Filmsohn viel zu alt aussieht, um auch nur halbwegs glaubhaft zu sein. Dies erklärt sich damit, dass Ford angeblich la Shia LaBoeuf in einem womöglichen nächsten Teil die Franchise von seinem Filmvater übernehmen soll. Insgesamt wird zerstreuende Popcorn-Unterhaltung mit opulenten Schauwerten geboten, die gerade im asiatischen Großraum mächtig abräumen wird. ara.