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Die Päpstin

Historienthriller nach der Bestseller-Vorlage von Donna W. Cross mit einer starken Johanna Wokalek in der Titelrolle.


Die Päpstin
Start: 08.04.2010

Originaltitel: Die Päpstin

Historienfilm/ Drama

Deutschland/Italien/Spanien 2009
Laufzeit: 148 Min.
FSK: ab 12

Johanna Wokalek
David Wenham
John Goodman

Regie: Sönke Wortmann
Paramount

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Sönke Wortmanns Bestsellerverfilmung mit internationaler Starbesetzung und Johanna Wokalek als kraftvolle Frau in finstrer Männerwelt des Mittelalters. Dass dieses Historienepos nach allen Querelen und Stolpersteinen überhaupt zustande kam, ist schon ein kleines Wunder. Volker Schlöndorff versuchte über Jahre hinweg, die Literaturverfilmung zu realisieren, die schließlich federführend von Constantin produziert wurde, die richtige Adresse für die Großproduktion. Das öffentliche Lästern des renommierten Regisseurs über den "Amphibienfilm" führte zu seiner Kündigung, John Goodman wollte eigentlich auch nicht mehr, kehrte aber zurück, Johanna Wokalek ersetzte Franka Potente und Sönke Wortmann übernahm beherzt die Regie. Er nähert sich vorsichtig, manchmal vielleicht zu vorsichtig dem internationalen Bestseller von Donna Woolfolk Cross, wenn es tief hineingeht ins finstre und dreckige Mittelalter, ins Jahr 815 nach Christi. In ärmlichen Verhältnissen wird Johanna zur Welt gebracht, ein "gesundes und starkes" Mädchen. Gegen den Willen des Vaters, einem religiösen Frömmler, der der heidnischen Mutter den Teufel aus dem Leib prügelt, lernt sie heimlich Lesen, Schreiben und Latein, begeistert den reisenden Lehrer der Domschule durch ihre Klugheit. Sie verlässt die Familie und darf, nachdem sie sogar den ausschweifenden Bischof überzeugt, sich in der Schule weiterbilden. Trotz exzellenter Leistungen leidet sie unter Schikanen, Mädchen gelten als minderwertig und unfähig zur Logik. Wortmann legt den Schwerpunkt auf Kindheit und Jugend, zeigt Stationen eines Lebens auf - sie geht als Mann verkleidet ins Benediktinerkloster, erlangt Berühmtheit durch ihre Heilkunde, flieht aus Angst vor Entdeckung nach Rom, heilt dort den kranken Papst und steigt in der Hierarchie des Vatikans auf, wird nach dessen Tod durch Vergiftung ohne ihr Wissen zum neuen Pontifex gewählt. Gab es sie wirklich diese Frau, die als Papst Johannes Anglicus im 9. Jahrhundert die Geschicke der katholischen Kirche lenkt und Reformen einleitet? Und wenn es sie gab, warum wurde ihr Name aus den Geschichtsbüchern getilgt? Bei der Antwort verlässt sich Wortmann auf die Regeln konventionellen Filmemachens, alles geht solide und trotz aller Blutrünstigkeit etwas blutleer seinen Gang. An Ausstattung und technischem Aufwand wurde nicht gespart, die Kamera verbringt manchmal kleine Wunderwerke, entwirft Bilder wie Gemälde, aber man hätte sich ein letztes Quentchen Mut und Radikalität gewünscht bei dieser Ausnahmepersönlichkeit, von der noch Claudia Roth etwas lernen könnte. Dafür entschädigt bei 70 Sprechrollen ein brillantes Cast: Johanna Wokalek, die als Päpstin ironisch das Argument zerpflückt, bei lernfreudigen Frauen schrumpfe die Gebärmutter und männlichen Überheblichkeitswahn entlarvt, John Goodman sorgt als Papst und lebenslustiger Bonvivant für Lacher, ein nicht alternder David Wenham macht aus ihrem Liebhaber Graf Gerold eine ambivalente Männerfigur, das intrigante Vatikan-Patriarchat ist bis auf wenige Ausnahmen zutiefst verdorben. Ob es nun "Die Päpstin" gab oder nicht, ist egal, auch die Artus-Runde ist nicht verbürgt. Für die fünf Mio. Leser des Buches allein in Deutschland könnte die sich stark an die Vorlage anlehnende Verfilmung mit ihrem Schauwert trotz allem zum "Kinoereignis des Jahres" werden. mk.

Päpstin

Regie:  Sönke Wortmann  
Buch:  Sönke Wortmann  
  Heinrich Hadding  
Musik:  Marcel Barsotti  
Kamera:  Tom Fährmann  
Produzent:  Martin Moszkowicz  
  Oliver Berben  
 
Darsteller:  Johanna Wokalek   als Johanna von Ingelheim
  David Wenham   als Ritter Gerold
  John Goodman   als Papst Sergius
  Iain Glen   als Dorfpriester
  Edward Petherbridge   als Aesculapius
  Anatole Taubman   als Bischof Anastasius
  Lotte Flack   als Johanna (10-14 Jahre)
  Tigerlily Hutchinson   als Johanna (6-9 Jahre)
  Jördis Triebel   als Gudrun
  Alexander Held   als Kaiser Lothar
  Oliver Cotton   als Arsenius
  Nicholas Woodeson   als Arighis
  Claudia Michelsen   als Richild
  Oliver Nägele   als Bischof Fulgentius
  Christian Redl   als Abt von Fulda
  Marc Bischoff   als Odo
  Suzanne Bertish   als Bischof Arnaldo
  Tom Strauss   als Benjamin
  Ian Gelder   als Aio
  Jan-Hendrik Kiefer   als Johannes (13-19 Jahre)
  Sandro Lohmann   als Matthias (12 Jahre)

"Synchronsprecher werden gedemütigt!"

Synchronsprecher sind die großen Unbekannten der Branche. Dabei leisten sie wertvolle Arbeit für den Film.

Michael Lott spricht Mikael Blomkvist in der "Millennium-Trilogie"), Ben Grimm in den "Fantastic Four"-Filmen sowie den Oscar in der "Sesamstraße". Für die Synchro der Hauptrolle in "Willkommen bei den Sch'tis" (Philippe Abrams) ist er für den Synchronpreis nominiert. Großansicht

Michael Lott spricht Mikael Blomkvist in der "Millennium-Trilogie"), Ben Grimm in den "Fantastic Four"-Filmen sowie den Oscar in der "Sesamstraße". Für die Synchro der Hauptrolle in "Willkommen bei den Sch'tis" (Philippe Abrams) ist er für den Synchronpreis nominiert.

Man kennt Sie in erster Linie als Schauspieler. Seit wann sind Sie Synchronsprecher?
MICHAEL LOTT: Seit 20 Jahren. Ich habe früh damit angefangen, neben meinen Theaterengagements auch im Synchronstudio zu arbeiten, zumal sich rasch zeigte, dass ich eine gewisse Begabung dafür habe.

Warum?
Man kann die Technik außer Acht lassen und sich nur aufs Spiel konzentrieren.

Wie haben Sie Ihr Talent entdeckt?
Ich wollte als junger Mann die ganze Vielfalt des Berufs ausprobieren. Ein Kollege hat mich dann ins Studio mitgenommen. Der Synchronregisseur Werner Freitag hat mich gefördert und mir immer größere Rollen zugetraut.

Viele Synchronschauspieler klagen über sich verschlechternde Arbeitsbedingungen. Erleben Sie das auch so?
Ja, und deshalb habe ich für mich die Konsequenz gezogen, nur noch ausgesuchte Filme zu synchronisieren. Ich bin auf keinen Hollywoodstar abonniert und konzentriere mich seit einiger Zeit auf das Arthouse-Kino.

Was hat sich am stärksten verändert?
Der Faktor Zeit. Vielleicht wird es mit einem positiven Beispiel am deutlichsten: In Sönke Wortmanns Film "Die Päpstin" spielt der Australier David Wenham die Hauptrolle. Als ich ihn synchronisiert habe, wurde im Studio wie bei Filmaufnahmen "geangelt", also nicht mit festem Mikro gearbeitet.

Welchen Vorteil hat das?
Auf diese Weise hat man als Sprecher völlige Bewegungsfreiheit, man kann die Szenen nachspielen. Wenn die Figur im Bett liegt, lege ich mich auch hin, wenn sie aufsteht, stehe ich auch auf; das führt zu einer ganz anderen Qualität. Die Arbeit an der "Millenniums-Trilogie" nach Stieg Larsson, in der ich Michael Nyqvist spreche, war ähnlich aufwendig.

Wie war das bei "Willkommen bei den Sch'tis"?
Ähnlich gut. Die Synchronregisseurin Beate Klöckner hat "Willkommen bei den Sch'tis" sehr sorgfältig ins Deutsche übertragen und dabei unter anderem eine ganz eigene Sprache entwickelt.

Synchronisieren Sie deshalb keine Serien mehr?
Ja, weil unter dem vorgegebenen Tempo zwangsläufig die Qualität leidet. Das lehne ich mittlerweile grundsätzlich ab; da würde ich mich selbst nicht gern hören.

Wird die Arbeit der Synchronschauspieler ausreichend gewürdigt?
Im Gegenteil. Jeder Brötchenholer am Set kommt in den Abspann, aber die Menschen, die über Wochen mit der Synchronisation beschäftigt waren, tauchen nirgendwo auf. Das ist eine demütigende Herabwürdigung unserer Arbeit.

Glauben Sie, außer den Experten interessiert sich jemand für die Sprecher?
Ich bin sicher, viele Zuschauer würden gern wissen, wer die deutschen Stimmen der Schauspieler sind. Deshalb sollte die Synchronisation auch in den Kritiken eine viel größere Rolle spielen. Gern auch mit Hinweis auf eine schlechte Arbeit. Die Synchronfirmen sollen merken, dass es sehr wohl wahrgenommen wird, wenn die Qualität abnimmt.

 

Die Päpstin in der Fotoshow

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