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Leihvideo
Erhältlich seit:
13.11.2003
Originaltitel: The Rules of Attraction
USA 2002
Laufzeit: 106 Min.
FSK: ab 16
James van der Beek
Ian Somerhalder
Shannyn Sossamon
Regie: Roger Avary
EuroVideo Bildprogramm

Über zehn Jahre arbeitete Roger Avary ("Killing Zoe", ausgezeichnet mit einem Oscar als Koautor von Quentin Tarantinos "Pulp Fiction") an einer Rezeptur für die Adaption von Bret Easton Ellis' zweiten Roman. Ohne an Glaubwürdigkeit einzubüßen, verlegte Avary die in den achtziger Jahren angesiedelte nihilistische Betrachtung einer moralisch bankrotten und unter den selbst auferlegten Zwängen von Materialismus und Coolness leidenden Gesellschaft in eine zeitlose Gegenwart. Ironisch distanziert, handwerklich brillant und mit effektiven, erzählerischen Tricks findet der ambitionierte Regisseur eine der Vorlage adäquate filmische Sprache, die jedoch manchmal die nötige Prise Zynismus vermissen lässt.
Dank seiner spitzen Feder zählt Ellis seit den achtziger Jahren zu den kompromisslosesten und provozierendsten Chronisten aktueller gesellschaftlicher Zustände. Seine Bestseller halten den immer gleichen reichen und gelangweilten Charakteren die Treue: So machen wir in der aktuellen Verfilmung mit Sean Bekanntschaft, dem kleinen Bruder des monströsen "American Psycho" Patrick Bateman, dem Mary Harron 2000 mit Christian Bale in der Hauptrolle ein Denkmal setzte. Und in Avarys bereits geplanter Adaption von Ellis' bislang letztem Roman "Glamorama" wird Seans Freund Victor - hier noch in einer Nebenrolle - das Wort ergreifen.
Sowohl Victor (Kip Pardue) als auch Sean (James Van der Beek) gehören zur Generation äußerst überprivilegierter Studenten am äußerst renommierten Camden College in New England, wo Drogen und Sex billiger als umsonst oder auch für "Less Than Zero" zu haben sind und lediglich der Kompensation einer immensen emotionalen Leere dienen. Für den oberflächlichen, gewissenlosen Sean besteht das so von allen moralischen und sexuellen Regeln befreite Studentendasein aus nichts als Ficks und Manipulation; dem schwulen, hochintelligenten Zyniker Paul (Ian Somerhalder) liefert das ewige Verliebtsein in den Falschen derweil den alltäglichen Kick, und die zerbrechliche, jungfräuliche Lauren (Shannyn Sossamon), die eigentlich auf den Richtigen wartet, schliddert auf ihrem Skateboard mit Vorliebe an den Abgrund von Camdens sozialem Universum, das seinen Namen kaum verdient. Aus dem Zusammenprall der Drei ergeben sich wunderbare Möglichkeiten für sexuelle Misskommunikation, weiteren Drogenkonsum und ein Gefühlschaos von noch erheblicherem Ausmaß. Hinzu kommen unter anderem: pillenpoppende Mamas (Faye Dunaway und Swoosie Kurtz), eine nymphomane Mitbewohnerin (Jessica Biel), diverse ungehaltene Drogendealer und eine verschmähte Geliebte mit Selbstmörderinnen-Potential (Kate Bosworth), für die sich der Reigen von der "End of the World Party" über die "Pre-Saturday Night Party" bis zur "Dress to Get Screwed Party" und wieder zurück dreht.
Hierhin wie dorthin spult Avary das gefilmte Material, lässt das sinnentleerte, exzessive Campus-Leben auf der Stelle treten und seinen innovativen Ideen freien Lauf. Bei der ersten zufälligen Begegnung von Sean und Lauren wird die Leinwand gesplittet, in einer anderen nicht weniger charmanten Sequenz trifft ein digitales Videotagebuch von Victors Europa-Reise als Collage aus lautem Sound, Bild und Kommentar ziemlich genau Ellis' zugedröhnten Tonfall. Auf der inhaltlichen Ebene verzichtet Avary auf einige Subplots und Subtexte der Vorlage: Die wesentliche und von Ellis wunderbar zweideutig angelegten Liaisons Dangereuses zwischen Sean, Patrick und Lauren verschenkt das Drehbuch zu Gunsten vorbeiziehender Flirts und eines bedauerlich konservativen/heterosexuellen Interesses. Seinen bestechenden Reiz und seine Ironie gewinnt der Film eher mit der Attraktivität seiner Darsteller, die ein Klassentreffen von "Jugendikonen" der achtziger Jahre (Eric Stoltz als kiffender Tutor) und TV-Serien wie "Dawson's Creek" (Van Der Beek), "Wunderbare Jahre" (Fred Savage mit einem kultverdächtigen Kurzauftritt als weggetretener Junkie) oder "Eine himmlische Familie" (Jessica Biel) feiern. Alle Gäste dieser Party sehen in erster Linie beeindruckend gut und gelangweilt aus und befolgen damit sicher die wichtigste Regel in Ellis' attraktivem Universum, das eine darüber hinausgehende Personalisierung verbietet. Vielleicht lässt der Film letzten Endes aber gerade deshalb den Zuschauer trotz Tempo, Raffinesse und einem fabelhaften Soundtrack so kalt, wie alles andere als das eigene Ego die unberührbaren Brüder Bateman.cm.
| Darsteller: | James van der Beek | als Sean Bateman | |
|---|---|---|---|
| Ian Somerhalder | als Paul Denton | ||
| Shannyn Sossamon | als Lauren Hynde | ||
| Jessica Biel | als Lara | ||
| Kip Pardue | als Victor | ||
| Thomas Ian Nicholas | als Mitchell | ||
| Kate Bosworth | als Kelly | ||
| Fred Savage | als Marc | ||
| Eric Stoltz | als Mr. Lance Lawson | ||
| Clifton Collins Jr. | als Rupert | ||
| Faye Dunaway | als Mrs. Denton | ||
| Swoosie Kurtz | als Mrs. Jared | ||
| Regie: | Roger Avary | ||
| Buch: | Roger Avary | ||
| Musik: | tomandandy | ||
| Kamera: | Robert Brinkmann | ||
| Produzent: | Greg Shapiro | ||
Die Regeln des Spiels in der Fotoshow
Features
Der Titel enthält folgende Features
Sprachen: Deutsch, Engl. nur OmU
Tonformat: Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 1:1,77/16:9
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