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Die Träumer

Freizügige Roman-Verfilmung, in der drei junge Menschen im revolutionären Frühjahr 1968 in Paris ihre Sexualität ausleben.


Die Träumer

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Erhältlich seit:
21.11.2007

Originaltitel: The Dreamers

Drama

Großbritannien/Frankreich/Italien 2003
Laufzeit: 110 Min.
FSK: ab 16

Michael Pitt
Eva Green
Louis Garrel

Regie: Bernardo Bertolucci
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Freizügige Roman-Verfilmung, in der drei junge Menschen im revolutionären Frühjahr 1968 in Paris ihre Sexualität ausleben.

Kino bedeutet Isabelle fast alles (Foto: Concorde) Großansicht

Kino bedeutet Isabelle fast alles (Foto: Concorde)

Der junge Amerikaner Matthew und das französisches Geschwisterpaar Theo und Isabelle treffen sich im Frühjahr 1968 bei einer Protestaktion gegen die Entlassung des Leiters der Cinemathèque, Henri Langlois.

Die Filmfreaks stehen gehen auf die Straße. Da die Eltern der Zwillinge in Urlaub fahren, zieht Matthew in die großbürgerliche Wohnung am Saint Germain - der Auftakt zur Verstrickung in ein Geflecht aus Macht und Emotionen.

Immer mehr schließt sich das Trio von der Außenwelt ab, lotet eigene Grenzen aus, lebt bedingungslos den eigenen Traum aus. Sie spielen Filmszenen nach und denken sich ein Ratequiz aus, falschen Antworten folgt die Strafe.

Die drei verschließen sich in ihrer eigenen Welt (Foto: Concorde) Großansicht

Die drei verschließen sich in ihrer eigenen Welt (Foto: Concorde)

Fleischeslust

Der bodenständige, aber naive Matthew gerät zunehmend in den dunklen Sog des inzestuösen Paares. Während draußen Studenten und Arbeiter auf die Straße gehen, tauchen sie immer mehr in ihre eigene Welt ein.

Italiens Regie-Ikone Bernardo Bertolucci kehrt zu einem ur-europäischen Thema zurück. "Die Träumer" erinnert an das revolutionäre Jahr 1968 in Paris und den Beginn der Studentenrevolte, die Schließung der Cinemathèque Francaise und die Wendung zur Gewalt - allesamt Folie für ein Kammerspiel, in dem drei junge Menschen in einer Welt aus Filmzitaten Sinnlichkeit und Sexualität entdecken.

Die Träumer

Italiens Regie-Ikone Bernardo Bertolucci kehrt zu einem ur-europäischen Thema zurück. "Die Träumer" erinnert an das Jahr 1968 in Paris und den Beginn der Studentenrevolte, die Schließung der Cinemathèque Francaise und die Wendung zur Gewalt - allesamt Folie für ein Kammerspiel, in dem drei junge Menschen in einer Welt aus Filmzitaten Sinnlichkeit und Sexualität entdecken.

Schon mit "Der letzte Tango in Paris" drehte Bernardo Bertolucci in seiner Lieblingsstadt und schockierte 1972 mit dem Bekenntnis zur reinen Körperlichkeit ohne große Gefühle. Auch in "Die Träumer" geht es um Nacktheit von Seele und Körper, aber in einem ganz anderen Kontext. Der junge Amerikaner Matthew und das französisches Geschwisterpaar Theo und Isabelle treffen sich im Frühjahr 1968 bei einer Protestaktion gegen die Entlassung des Leiters der Cinemathèque, Henri Langlois. Die Filmfreaks, wie man sie heute nennen würde, stehen im wahrsten Sinne auf der Straße. Da die Eltern der Zwillinge in Urlaub fahren, zieht Matthew in die großbürgerliche Wohnung am Saint Germain, Auftakt zur Verstrickung in ein Geflecht aus Macht und Emotionen. Immer mehr schließt sich das Trio von der Außenwelt ab, lotet eigene Grenzen aus, lebt bedingungslos den eigenen Traum aus. Sie spielen Filmszenen nach und denken sich ein Ratequiz aus, falschen Antworten folgt die Strafe. So muss Theo einmal vor den Augen der beiden anderen onanieren, Matthew und Isabelle vor ihm zusammen schlafen. Der bodenständige, aber naive Matthew gerät sukzessive in den dunklen Sog des inzestuösen Paares, seine Zuneigung zur verführerischen Isabelle stört das fragile Gleichgewicht. Während draußen Studenten und Arbeiter auf die Straße gehen, demütigen sie einander, kosten sexuelle Freiheiten aus. Erst ein von Demonstranten durchs Fenster geworfene Stein holt sie abrupt in die Wirklichkeit zurück. Im Straßenkampf finden sie einen neuen Spielplatz.

Frei nach Gilbert Adairs Roman "Träumer" vermittelt Bertolucci den Geist von '68, liefert aber keine verklärende Rekonstruktion. Bei dem sehr ästhetisierend dargestellten sexuellen Aufbruch verzichtet er auf die Radikalität dieser Umbruchszeit. Das Private ist hier nur begrenzt politisch, auch wenn sich das harmlose Spiel um Lust und Begierde zum gefährlichen Austesten von Tabus und Moral wandelt.

"Die Träumer" ist eine Reminiszens an eine Epoche, in der das Unmögliche möglich schien und entbehrt nicht autobiografischer Bezüge. So wendet sich Theo aggressiv gegen seinen Vater, wohl nicht zufällig Schriftsteller wie Bertoluccis Erzeuger. Fast nostalgisch fokussiert sich der Blick auf das Kino und die ernsthaft geführten Diskussionen über die Komik Chaplins und Keatons oder die Interpretation von Godards Ansichten über Nicholas Ray. Flucht in die Scheinwelt des Kinos als Surrogat der Realität. Melancholie schwingt mit in diesem Rückblick, wo Charles Trenet immer wieder von Liebe und Jugend singt und die Frage stellt, was davon bleibt. Das leise Adieu, der Abgesang auf nicht gelebte Utopien wird zur delikaten Liebeserklärung an das Kino und die Jugend. Für Cineasten ein Sahneschnittchen ist die Menge seltener Filmausschnitte und der Spurt des Trios durch den Louvre, das dabei den Filmrekord von "Die Außenseiterbande" bricht oder Isabelles Selbstmordversuch à la Bressons "Mouchette" sollten allein durch den Erkennungswert Vergnügen bereiten. Wenn sich das Trio am Ende in den militante Parolen skandierenden Zug der Protestierenden einreiht, Infantilität und Unschuld abstreift wie eine alte, rissige Haut, den Sprung zum Erwachsenwerden wagt und Edith Piafs "Non, je ne regrette rien" Bilder brennender Barrikaden begleitet, dann trifft Bertolucci nicht nur Revolutionsromantiker mitten ins Herz. mk.

Darsteller:  Michael Pitt   als Matthew
  Eva Green   als Isabelle
  Louis Garrel   als Theo
  Robin Renucci   als Vater
  Anna Chancellor   als Mutter
  Florian Cadiou   als Patrick
 
Regie:  Bernardo Bertolucci  
Buch:  Gilbert Adair  
Kamera:  Fabio Cianchetti  
Produzent:  Jeremy Thomas  

Bernardo Bertolucci zeigt alles

Gewagte und provokante Sujets gehören zum Repertoire des Oscar-gekrönten Filmemachers.

Bernardo Bertolucci geht keine Kompromisse ein (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Bernardo Bertolucci geht keine Kompromisse ein (Foto: Kurt Krieger)

So löste Bernardo Bertoluccis "Der letzte Tango in Paris" mit Marlon Brando und Maria Schneider in den Hauptrollen bereits 1973 aufgrund der freizügigen Darstellung von Sexualität einen Skandal aus. Sein neuestes Meisterwerk "Die Träumer" dürfte der MPAA (Motion Picture Association of America) bei der Einstufung ähnliche Kopfschmerzen bereitet haben.

In der äußerst offenherzigen Roman-Verfilmung entdecken drei junge Erwachsene, gespielt von Michael Pitt, Eva Green und Louis Garrel, im Pariser Mai 1968 nicht nur ihre gemeinsame Leidenschaft für das Kino, sondern erleben gleichermaßen ein politisches und sexuelles Erwachen. Genügend Zündstoff also für die amerikanische Filmvereinigung.

Sex and Violence

Die MPAA verfügt über ein ausgeklügeltes Bewertungssystem, durch das Alterbeschränkung und Zensur bestimmt werden. Angesichts der Prüderie erscheint die Entscheidung der 20th Century Fox, den Film unzensiert, jedoch als "NC-17" (No children under 17 admitted) in die Kinos zu bringen, mehr als überraschend. NC-17 Ratings gehören mittlerweile zur absoluten Ausnahme - insbesondere weil damit oftmals ein kommerzieller Misserfolg verbunden ist: Werbung ist nur bedingt möglich, und lediglich wenige amerikanische Kinos zeigen die NC-17-Filme. Zuletzt wurde das Rating vor mehreren Jahren vergeben, so zum Beispiel an "Showgirls", "Henry & June" und "Crash".

"Little Buddha"-Regisseur Bertolucci ist glücklich, dass sein neues Meisterwerk unzensiert auf die Leinwand kommt, wenn auch nur für ein ausgewähltes Publikum. "Schließlich ist ein Orgasmus immer noch besser als eine Bombe." Recht hat er!

In Deutschland läuft "Die Träumer" übrigens am 22. Januar an - FSK 16!

 

Die Träumer in der Fotoshow

 

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