Cruise in Katastrophenstimmung
Tom Cruise mit Remake des H.G. Wells Klassikers "Krieg der Welten" für Paramount.
Hey, ich hab' da ne Top Filmidee, wirklich!
New York, 30. Oktober 1938: Im Radiosender CBS erklingt die atemlose Stimme eines Reporters, um ihn herum panische Schreie: "Mein Gott, es kommt immer näher, ein riesiges rundes Ding, es ist nur noch ein paar Meilen weg, es speit in alle Richtungen Feuer..."
Dann unterbricht der Nachrichtensprecher: "Ladies und Gentlemen, wegen unvorhersehbarer Umstände, die sich leider unserer Kontrolle entziehen, sehen wir uns außerstande, diesen Live-Bericht fortzusetzen."
Die Folge: Massenhysterie, tausende Menschen riefen bei Polizei und Feuerwehr an, Kinos brachen ihre Vorstellungen ab - und das will wirklich etwas heißen!
Dabei war der Grund nur - ein Hörspiel. Und zwar das des damals 23-jährigen Orson Welles nach dem Roman "The War of the Worlds" von H. G. Wells.
Die Geschichte muss heute jeder Publizistik-, Kommunikationswissenschafts- und Germanistikstudent auswendig lernen - und das Hörspiel ist seither der Stoff, aus dem die Hollywood-Katastrophenträume sind:
Von Byron Haskin 1953 mit seiner 1:1 Umsetzung über Emmerichs "Independence Day" bis zu Tim Burtons geistreicher Satire auf das postmoderne Untergangsgenre ("Mars Attacks!"): Widerliche Außerirdische, die mit übermächtiger Technik die Welt in Schutt und Asche legen haben für so manchen Blockbbuster Pate gestanden. Selbst "Herr der Ringe"-Starregisseur Peter Jackson hat sich einst als neuseeländischer Splatter-König für "Bad Taste" kräftig bei H.G. Wells bedient.
Und da Genrekönig Emmerich die Kinosäle mit einer neuen Katastrophenvision zu überschwemmen droht (kino.de: "Treibhaus Day"), beschloss Filmbeau Tom Cruise kurzerhand, ebenfalls auf den Popcorn-Schreckenszug aufzuspringen.
Cruise hält es allerdings mit dem Original und produziert ein getreues Remake von "Kampf der Welten" - ähnlich wie Simon Wells, Ur-Enkel von H.G. Wells, der kürzlich sein Remake der "Time Machine" von 1960 verfilmte.
Die Story: Grauenvoll hässliche dreibeinige Marsianer zerstören mit überlegener Technik und gewissenloser Konsequenz die Erde und alles, was auf ihr wandelt - bis sie von einer einfachen Bakterieninfektion dahingerafft werden. Ihre Nahrung: Infusionen mit frischem Menschenblut (vgl: der Menschenfleisch-Schnellimbiss in "Bad Taste").
Der vanillefarbene Himmel des Tom Cruise wird sich demnächst also bedrohlich vedunkeln. Die Aussichten fürs Boxoffice sind allerdings bestens.