
Leidenschaftstragödie im dekadenten Milieu der Großbourgeoisie um eine zwischen erfahrenem Libertin und eifersüchtigen Lover hin und her gerissenen jungen Frau.
Wenn bei Claude Chabrol zwei Konkurrenten um eine Schönheit buhlen, blühen die Blumen des Bösen. Der Mensch ist bei ihm nicht gut, und schon mal gar nicht, wenn es um Liebe und Triebe geht. Begriffe, die zwischen den Geschlechtern missgedeutet und verwechselt werden. Die 25jährige Gabrielle steht am Beginn eines leidvollen Abenteuers, als sie erstmals den berühmten Schriftsteller Charles in dessen romantische Pariser Wohnung begleitet. Dabei scheint ihr das Klingelschild mit dem Namen "Paradies" dasselbige zu versprechen. Sie wirft sich in einen Strudel düsterer Obsessionen, erfüllt die Wünsche des glücklich Verheirateten, dem es einfach Spaß macht zu sehen, wie die blonde TV-Wetterfee ihm immer mehr verfällt. Nicht im Traum denkt er daran, seine Ehe aufzugeben. Parallel dazu versucht auch der labile Paul, reicher Erbe unter mütterlicher Fuchtel, die Mademoiselle für sich zu gewinnen. Erst als das grauhaarige Objekt der Begierde sie über die erträgliche Grenze hinaus demütigt, entscheidet sie sich für eine Reise mit dem in sie verknallten Rivalen und später zur Heirat, zur Abfederung in einer Versorgungsehe, die Liebe und Sicherheit, Schutz und Wohlstand verspricht. Trotz weiblicher Beute wächst beim ungeliebten Ehemann der Hass auf den anderen, der ihm jederzeit den Besitz streitig machen kann. Natürlich endet diese "ménage à trois" böse, in einem Verbrechen aus Leidenschaft. Ein exquisites Triangel aus Erotik, Lügen und dunklen Geheimnissen bilden Ludivine Sagnier, Benoît Magimel und François Berléand. Der süffisante Gesellschaftsanalyst Chabrol lässt es sich mal wieder nicht nehmen, die Großbourgeoisie als Südenpfuhl zu zeigen, in dem unschuldige und die perfiden Rituale nicht beherrschende Außenseiter gnadenlos untergehen. Die Welt des trügerischen Scheins, symbolisiert vom Fernsehen, verweist schon auf die Entwicklung der Figuren, die ihr Sein nicht in den Griff kriegen, die Wirklichkeit nur verzerrt wahrnehmen. So ist Gabrielle "zweigeteilt", nicht nur zwischen zwei Egomanen, sondern auch zwischen zwei sozialen Klassen - ein Lieblingsthema des 77jährigen Bonvivants, dem hier manchmal allerdings die Altherrenfantasien durchgehen. Was die verführerische Beauty am nicht gerade knackigen Lüstling oder am jungen aufgeregten Schnösel findet, gehört zu den Rätseln der weiblichen Psyche dieses Films. Am Schluss steht die bittere Erkenntnis: Die Realität ist ohne jede Romantik. mk.