
Effektiver Teenthriller, der Hitchcocks Klassiker "Das Fenster zum Hof" ins digitale Zeitalter der MTV-Generation verpflanzt.
Seit James Stewart anno 1954 neugierig aus seinem Hinterhoffenster äugte, ist (Medien-)Voyeurismus um ein Vielfaches extremer geworden. Dank Kamerahandys, Camcorder und Computer ist inzwischen jeder ebenso potentieller Spitzel sowie mögliches Opfer verletzter Privatsphäre. Diese aktuelle Prämisse greift Regisseur D.J. Caruso ("Taking Lives") nach einem Drehbuch von Carl Ellsworth ("Red Eye") und Christopher Landon mit atmosphärischem Flair und visueller Stilsicherheit auf.
Nachdem der Vater des jungen Kale (Shia LeBoeuf aus "Transformers") bei einem Autounfall tragisch ums Leben kommt, benimmt sich der Junge mehrfach daneben. Ein unbeherrschter Faustschlag bringt Kale dreimonatigen Hausarrest auf Bewährung ein. Statt eines Gipsbeins wie bei Hitchcock ist es ein elektronisches Fußband, das ihn an seine Bleibe fesselt. Zunächst versucht er seine Langeweile in typischer Teeniemanier mit Junkfood, Kabelfernsehen und Videospielen zu überwinden, doch dann findet er notgedrungen eine neue Ablenkung: Mit Fernglas beobachtet er die vermeintlich spießigen Vorstadtnachbarn. Neben einem untreuen Ehemann, heimlich Pornos glotzenden Rotznasen und dem undurchsichtigen Einzelgänger Turner (David Morse) nimmt er bevorzugt seine sexy neue Nachbarin Ashley (apart: Sarah Roemer aus "Der Fluch 2") ins voyeuristische Visier. Sie freunden sich schnell an und gemeinsam mit dem witzigen Ronnie (Aaron Yoo sorgt lässig für den nötigen Humor) versuchen sie herauszufinden, ob Turner womöglich ein gefährlicher Serienkiller sein könnte. Alsbald überschlagen sich die Ereignisse.
Caruso hält ein straffes Tempo aufrecht und versteht es, die Spannungsschraube stetig anzuziehen, wenngleich die Story an sich recht konventionell ist. Zum Unterhaltungswert trägt beträchtlich die talentierte Schauspielerriege bei, allen voran LeBoeuf als Protagonist mit sympathischen menschlichen Macken und Marotten sowie Morse als kaltblütiger Killer. Richtig getroffen wird zudem der richtige Ton. Mit den lockeren Dialogen, lässigem Humor sowie der leichtherzigen Lovestory werden sich Teenager ohne Weiteres identifizieren können. Als kleiner Wermutstropfen erweist sich lediglich, dass hinsichtlich der Identität des Täters kaum Anstalten gemacht werden, ihn als zu Unrecht Verdächtigten erscheinen zu lassen. Das jugendliche Zielpublikum wird sich daran sicherlich nicht stören. ara.