
In stilisierten Bildern und mit attraktiver Besetzung erzählt John Maybury ein stimmungsvolles Liebes- bzw. Eifersuchtsdrama vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs. Gleichzeitig zeichnet er wie in "Love is the Devil" das Porträt eines Künstlers.
Nach dem Maler Francis Bacon widmet sich Maybury hier dem britischen Poeten Dylan Thomas, gespielt von Matthew Rhys, einem Waliser wie Thomas. Dem charmanten und trinkfesten Hungerleider liegt zwar die Damenwelt zu Füßen und seine Gedichte nehmen im Off- und On-Text breiten Raum ein, doch der Fokus liegt auf seinen Frauen. Die Schönheiten Keira Knightley und Sienna Miller werden ausgeleuchtet wie frühere Filmdiven, erscheinen fast überirdisch. Ihre Augen und Münder nehmen bisweilen die gesamte Bildbreite ein und ihre grellrot geschminkten Lippen und bunten Kleider sind zu Anfang die einzigen Farbtupfer in den ansonsten in düsteren Grau- und Brauntönen gehaltenen vom Krieg gezeichneten Stadtszenerien.
"Fluch der Karibik"-Piratin Knightley spielt Vera, die wegen der Fliegerangriffe in den U-Bahn-Schächten für die Londoner Boheme singt. Nach einem Auftritt trifft sie in einer Bar ihre Jugendliebe Dylan. Es knistert zwischen den beiden. Als sie ihn wiedersieht, präsentiert er ihr seine Frau Caitlin (Miller), mit der er eine stürmische, offene Beziehung pflegt. Das Paar sucht eine Bleibe und Vera lässt es mit in ihrem Dachzimmer wohnen, freundet sich mit Caitlin an. Obwohl Vera in Dylan verliebt ist, gibt sie schließlich dem heftigen Werben des patenten Soldaten William Killick (Cillian Murphy) nach und heiratet ihn. Als der an die Front muss, sind die drei wieder unter sich, richten sich mit dem Nachwuchs auf dem Land ein. Vera lässt sich von Dylan verführen.
Manchmal mutet der Film wie ein Musical an, wenn die von Vera vor bewusst künstlicher Kulisse gesungenen schön-kitschigen Songs oder Thomas' Gedichtzeilen die Stimmung spiegeln. Exquisit sind Ausstattung, etwa ein Tanzcafe mit Kronleuchter und die Kostüme. Insbesondere die Schilderung der feierwütigen Boheme, die auch Bombenangriffe nicht schreckt, ist sehr reizvoll, zu echten Emotionen wird der Zuschauer in diesem Liebesreigen allerdings selten hingerissen. Trotzdem ist der in Edinburgh erstmals präsentierte "Edge of Love" ein schönes Filmerlebnis. hai.