DVD Leihvideo

Egoshooter

Experimentelle Mischung aus Videotagebuch und Spielfilm, aus dem sich das Porträt eines Heranwachsenden ergibt.


Egoshooter

Leihvideo

Erhältlich seit:
25.09.2006

Drama

Deutschland 2004
Laufzeit: 76 Min.
FSK: ab 12

Tom Schilling
Max Timm
Camilla Renschke

Regie: Christian Becker, ...
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Experimentelle Mischung aus Videotagebuch und Spielfilm, aus dem sich das Porträt eines Heranwachsenden ergibt.

Jakob hat die Kamera immer dabei (Foto: Reverse Angle) Großansicht

Jakob hat die Kamera immer dabei (Foto: Reverse Angle)

Der 19-jährige Jakob (Tom Schilling) lebt mit seinem Bruder und dessen schwangerer Freundin in einer Kölner Wohnung und zeigt ansonsten wenig Interesse an Arbeit oder anderen sinnvollen Beschäftigungen. Einem Hobby frönt er aber, und das ist seine Videokamera.

Sie ist sein ständiger Begleiter, mit ihr beobachtet er sich selbst - beim Masturbieren, beim Zerstören von Mobiliar, beim Geldschnorren am Bahnhof - und auch andere, wie seinen Bruder mit Freundin beim Kopulieren, einen rappenden Kumpel, die betrunkene Mutter eines Freundes. Vor allem aber dokumentieren seine Aufnahmen sein beständiges Bedürfnis nach Nähe.

Jakobs Leben zerfällt in Fragmente (Foto: Reverse Angle) Großansicht

Jakobs Leben zerfällt in Fragmente (Foto: Reverse Angle)

Mosaik der heutigen Jugend

"Egoshooter" besitzt keine Dramaturgie im herkömmlichen Sinne, stattdessen werden verschiedene Fragmente aus dem Leben eines Jugendlichen aneinander montiert, die - einem Mosaik gleich - am Schluss ein großes Ganzes ergeben sollen.

Das Porträt einer Generation, die nichts mit sich anzufangen weiß, die keine Ideale mehr besitzt und in depressiver Passivität versinkt. Statt konventioneller und linearer Erzählweise setzen die Regisseure Christian Becker und Oliver Schwabe bei ihrem Kinodebüt auf die atmosphärischen Momentaufnahmen der Kamera.

Egoshooter

Auf den Hofer Filmtagen fand aus deutscher Sicht vor allem das experimentelle Videotagebuch des Regie-Duos Christian Becker und Oliver Schwalbe viel Beachtung. "Egoshooter" ist das Selbst-Porträt eines orientierungslosen jungen Menschen und somit auch aktuelles Spiegelbild einer heranwachsenden Generation, die herzlich wenig mit sich anzufangen weiß. Titel(-Anti-)Held Tom Schilling, der zuletzt in "Napola" brillierte, könnte mit dieser Light-Version eines Larry-Clark-Films Programmkinos zu respektablen Besucherzahlen verhelfen.

Wim Wenders macht nicht nur Filme, er kümmert sich auch um den Nachwuchs. So konnten unter seiner Schirmherrschaft bereits drei junge Regisseure, darunter Marc Ottiker ("1/2 Miete"), ihr Talent beweisen. "radikal digital" nennt sich sein Projekt, und an dieses Motto haben sich Christian Becker und Oliver Schwabe - beide Absolventen der Kölner Kunsthochschule für Medien - auch strikt gehalten. "Egoshooter" ist ein Tagebuch in Bildern, das zum Teil von einer "objektiven" (Video-)Kamera, zum anderen aus der Sicht des Protagonisten, in diesem Fall Jakob alias Tom Schilling, festgehalten wurde. Dieser Jakob ist 19 Jahre alt, lebt mit seinem Bruder und dessen schwangerer Freundin in einer Kölner Wohnung und zeigt ansonsten wenig Interesse an Arbeit oder anderen sinnvollen Beschäftigungen. Einem Hobby frönt er aber, und das ist seine Videokamera. Sie ist sein ständiger Begleiter, mit ihr beobachtet er sich selbst - beim Masturbieren, beim Zerstören von Mobiliar, beim Geldschnorren am Bahnhof - und auch andere, wie seinen Bruder mit Freundin beim Kopulieren, einen rappenden Kumpel, die betrunkene Mutter eines Freundes.

"Egoshooter" besitzt keine Dramaturgie im herkömmlichen Sinne, stattdessen werden verschiedene Momentaufnahmen, Fragmente aus dem Leben eines Jugendlichen, aneinander montiert, die - einem Mosaik gleich - am Schluss ein großes Ganzes ergeben sollen. Das Porträt einer Generation, die nichts mit sich anzufangen weiß, die keine Ideale mehr besitzt und in depressiver Passivität versinkt. Authentisch wirkt dabei nicht nur die technische Umsetzung - fahrige, unscharfe, verwackelte Bilder unterstreichen den amateurhaften Umgang des "Videotagebuchführers" mit dem Medium -, auch die Darsteller, die mit wenigen Ausnahmen mit Laien, die sich teils selbst spielen, besetzt wurden, kommen glaubwürdig rüber. Das unkonventionelle Regie-Projekt, das phasenweise an Larry Clarks "Kids" erinnert, ohne dessen Radikalität zu erreichen, steht und fällt mit der Performance von Tom Schilling, der sich dem filmischen Experiment mit viel Mut gestellt hat. Zum einen, weil er hier sein Innerstes nach außen gekehrt und viel Privates von sich freigegeben hat, zum anderen, weil er sich ohne Vorkenntnisse an die Führung einer Kamera gewagt hat. Fazit: "Egoshooter" ist ungewöhnlich und unbequem, aktuell und andersartig - und schon allein deshalb eine Belebung im deutschen Kino-Kinderfilm-Komödien-Einerlei. lasso.

Darsteller:  Tom Schilling   als Jakob
  Max Timm   als Phillip
  Camilla Renschke   als Mani
  Lilia Lehner   als Karo
  Lennie Burmeister   als Kris
  Nomena Struß   als Louise Trecker
  Simon Sean Hoffmann   als Piet
  Ben Nijmeijer   als Moritz
  Nikki Sudden   als Nikki Sudden
 
Regie:  Christian Becker  
  Oliver Schwabe  
Buch:  Christian Becker  
  Oliver Schwabe  
Musik:  Aurelio Valle  
  Nikki Sudden  
Kamera:  Oliver Schwabe  
  Tom Schilling  
Produzent:  Ute Schneider  
  Wim Wenders  
 

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Tom Schilling

Deutscher Schauspieler. Mit zwölf Jahren auf dem Schulhof entdeckt und fürs Theater engagiert, gehörte Tom Schilling zu den Jungschauspielern...