
Als besonnene Antwort auf jüngste Selbstjustizfilme erforscht das starbesetzte Fahrerfluchtdrama von Terry George ("Hotel Ruanda") die seelischen Abgründe um Schuld, Verlust, Trauer und Vergeltung.
Nach seinem erschütternden Völkermorddrama, das dreifach für den Oscar nominiert war, beweist der Nordire Terry George erneut seine Klasse als packender Chronist emotionaler Ausnahmezustände und gravierender Folgen menschlicher Taten. Dafür kann er auf die Qualitäten einer Riege Oscar-prämierter Hollywoodstars zählen, die ihr Bestes geben, um die Qualen zweier Familien zutage zu fördern, die ein tödlicher Unfall an der Reservation Road - so der Originaltitel - mit anschließender Fahrerflucht auslöst.
Collegeprofessor Ethan (Joaquim Phoenix), Vater zweier Kinder, erlebt nach einem Konzertabend seines Sohnes Josh, wie ein Unbekannter im dunklen SUV den Zehnjährigen frontal erfasst und tötet. Der Wagen gehört Dwight (Mark Ruffalo), der nach einem Spiel der Boston Red Sox mit seinem Sohn Lucas verspätet zu Ex-Frau Ruth (Mira Sorvino) unterwegs ist, um Ärger beim Besuchsrecht zu vermeiden. Aus Angst, den geliebten Sohn endgültig zu verlieren, stellt er sich nicht und wird von tonnenschwerer Gewissenslast förmlich erdrückt. Als Ethan nach dem Schock feststellen muss, dass die Polizei kaum Anhaltspunkte hat und den Fall bald aufgeben wird, wird er selbst aktiv und entwickelt in seiner Wut obsessive Rachepläne, die seine Ehe mit Grace (Jennifer Conelly) zerstört. In seiner Verzweiflung wendet er sich ausgerechnet an Anwalt Dwight, der den Ermittlern Druck machen soll. Diese und weitere unheilbringende Verflechtungen zwischen den beiden Familien - in der Kleinstadt nahezu unvermeidlich - bedingen eine geradezu unerträglich spannende Situation, die wie eine griechische Tragödie ausufert.
Im Mittelpunkt des Interesses steht die Psychologie von Täter und Opfer: Statt zu verurteilen, untersucht George die negativen Folgen eines einzigen Augenblicks, der zwei Leben ruiniert. Er treibt seinem Film allen potenziellen Hollywood-Glamour aus, verortet die Geschichte im schmucklosen Vorstadtmilieu und verwandelt seine Stars in Normalbürger. Das schafft Glaubwürdigkeit und Fallhöhe, woraus das Drama seine Kraft schöpft. Gerät das Drehbuch an manchen Stellen zu konventionell, gleicht das die sensible Regie mühelos aus. Zwar wäre mancher Gefühlsausbruch weniger mehr gewesen, doch das bedrückende Krisenstück reiht sich mühelos in die Tradition von "L.A. Crash" und "Mystic River" ein. tk.