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Ein fliehendes Pferd

Hervorragend gespielte Leinwandadaption nach Martin Walser. Beziehungsdrama mit Topbesetzung.


Ein fliehendes Pferd

Leihvideo

Erhältlich seit:
20.03.2008

Originaltitel: Ein fliehendes Pferd

Drama

Deutschland 2007
Laufzeit: 92 Min.
FSK: ab 12

Ulrich Noethen
Katja Riemann
Ulrich Tukur

Regie: Rainer Kaufmann
EuroVideo Bildprogramm

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In Rainer Kaufmanns hitziger Sommer-Komödie geraten Katja Riemann und Ulrich Noethen in einen gefährlichen Strudel der Gefühle.

Gemeinsam erkunden die Urlauber die Gegend (Foto: Concorde) Großansicht

Gemeinsam erkunden die Urlauber die Gegend (Foto: Concorde)

Scheint eigentlich völlig in Ordnung, diese Ehe: Lehrer Helmut Halm (Ulrich Noethen) und seine Frau Sabine (Katja Riemann) verbringen ihre Sommerferien wie immer seit zwölf Jahren am Bodensee, kleine gegenseitige Spitzen sind sie gewöhnt. Nur ist diesmal die Ruhe schnell dahin, als ein früherer Schulfreund im Strandbad auftaucht samt blonder junger Freundin im Schlepptau.

Das Duo weicht den beiden nicht von der Seite, auch wenn Halm stöhnt. Sabine dagegen findet die Abwechslung nett, und bald heizen sich die Gefühle auf, bringen die Frauen und die Liebe alte Gewohnheiten durcheinander.

Die Halms sind nur selten unter sich (Foto: Concorde) Großansicht

Die Halms sind nur selten unter sich (Foto: Concorde)

Emotional und erotisch

In der rasanten Verfilmung von Martin Walsers Bestseller spielen Katja Riemann, Ulrich Tukur, Ulrich Noethen und Shooting-Star Petra Schmidt-Schaller mit dem Feuer. Eine emotionale Gratwanderung, die zeitweise in einen erotischen Liebesreigen mit neuen Teilnehmern abzudriften scheint, wird sommerlich leicht, aber auch spannend und humorvoll erzählt.

Ein fliehendes Pferd

Hervorragend gespielte Leinwandadaption von Martin Walsers gleichnamigem Bestseller, in dem Rainer Kaufmann, der schon Ingrid Nolls "Apothekerin" zum Hit ausfeilte, das Beziehungsgeflecht zweier Paare tiefenpsychologisch bis zum blanken Nerv freilegt.

Bereits vor über 20 Jahren verlieh Vladim Glowna dem schmalbrüstigen Helmut Halm Gestalt in einer TV-Verfilmung des WDR. Die 1978 erschienene Novelle zementierte Walsers Ruf als einer der wichtigsten zeitgenössischen bundesdeutschen Literaten, wo er seitdem in einer Liga mit Grass spielt. Luzide Analysen von Stillstand und Kontinuität sowie über Identitätsverlust sind das Markenzeichen des Wasserburger Schriftstellers, hier ganz exemplarisch an privaten Konflikten mit unheimlicher Präzision durchgeführt. Die in Walsers Heimat am Bodensee angesiedelte Geschichte mit äußerlich wenig Handlung beginnt beim nicht mehr ganz jungen Ehepaar Helmut (Ulrich Noethen) und Sabine (Kaufmann-Regular Katja Riemann), die schon seit Jahren ihren ereignislosen Urlaub in einem Ferienhaus verbringen.

Mit gewisser Schadenfreude lässt Kaufmann den aufgedrehten Macho-Blender Klaus Buch (Ulrich Tukur), ein längst verdrängter Freund aus Helmuts Studientagen, in die Idylle einfallen und ihnen gnadenlos auf die Pelle rücken. Im Gepäck hat er den süßen Männertraum Helene (tolle Entdeckung: Petra Schmidt-Schaller), der die erkaltete Ehe mit starkem Sexappeal akut gefährdet. Das halbseidene Windei Klaus provoziert Helmut mit kompromittierenden Rücksichtslosigkeiten und unterschwelligen Beleidigungen, konfrontiert ihn aber auch unumwunden mit verlorenen Lebensträumen von Geltung und sexueller Erfüllung. Von diesem aggressiven Gute-Laune-Aktionismus wird der reserviert-zerknirschte Helmut in die Defensive gedrängt und verkriecht sich in der Moser-Ecke.

Ein nicht ungefährliches Kräftemessen zwischen den Männern beginnt, dessen anregender Schlagabtausch beim Paar die Lust auf anderes fördert: Weil Helmut das sexuelle Interesse an seiner Frau verloren hat, gerinnt das zwanghaft zwanglose Miteinander bald zum symbolischen Ehebruch beider Parteien. Immer amüsant und mit Schwung spult Kaufmann das Vier-Personen-Stück ab, wobei das schon fast überpsychologisierte Drehbuch viel Profil schafft, das vor allem Noethen und Tukur hervorragend ausspielen. Zwar lassen die permanenten sexuellen Anspielungen bisweilen Subtilität vermissen, und Erotik ist etwas, das dem französischen Kino vorbehalten bleibt. Aber ob sich die Partnerschaft von Helmut und Sabine retten lässt, die im parabelhaften Schlussakt auf sich selbst zurückgeworfen werden, ist eine reizvolle Frage, deren facettenreiche Beantwortung dieses starke Charakterstück mit Bravour betreibt.

tk.

Darsteller:  Ulrich Noethen   als Helmut Halm
  Katja Riemann   als Sabine Halm
  Ulrich Tukur   als Klaus Buch
  Petra Schmidt-Schaller   als Helene
 
Regie:  Rainer Kaufmann  
Buch:  Ralf Hertwig  
  Kathrin Richter  
Musik:  Annette Focks  
Kamera:  Klaus Eichhammer  
Produzent:  Rikolt von Gagern  
 

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