
Mit internationalen Stars hat Paul Schrader den Roman "Adam Hundesohn" des Israelis Yoram Kaniuk besetzt: Ein erschütterndes Drama vom Versuch, nach dem Holocaust wieder Mensch zu werden.
Viele Filme künden vom Grauen der KZs; nur wenige widmen sich dem Weiterleben nach dem Holocaust, sofern man ihm entrinnen konnte. Manche Erlebnisse sind so schlimm, dass man sie nur mit Humor ertragen kann. Oder dass man den Verstand verliert. Manchmal beides - wie die Insassen eines israelischen Sanatoriums Anfang der 60er Jahre mitten in der Wüste. Die Ärzte haben die Behandlung längst aufgegeben. Auch Adam Stein (Jeff Goldblum) fristet hier als wandelnder Grabstein die Zeit bis zu seiner Wiederauferstehung. Derweil führt er sich auf wie ein Zampano und begeistert die Patienten mit verblüffenden Zaubertricks. Denn Adam war ein umjubelter Varieté-Clown, der seit den 20er Jahren Berlin mit übersinnlichen Shows verzückte. Sein sechster Sinn bewahrte ihn und seine Familie jedoch nicht vor der Deportation, wo er den einst suizidalen SA-Mann Klein (furchteinflößend: Willem Dafoe) wieder trifft. Der ist nun Lagerkommandant und hält Adam wie einen Hund, der ihn unterhalten soll und täglich um das Leben seiner Familie betteln muss - vergeblich. Dieses erschütternde Schicksal wird in Rückblenden Stück für Stück offenbar und konterkariert Adams sexuelle Frivolität und übersensible Märchenwelt. Die komischen Manieren dieses "Jakob der Lügner" übertünchen sein bitteres Schicksal nur ungenügend. Was zum Vorschein kommt, sind zerstörte Seelen wie Wolfowitz (nur einer von vielen starken deutschen Akteuren: Joachim Król), die Gott verfluchen.
Darum geht's: Um Hund und Gott, was im Original ein augenfälliges Anagramm bildet (dog & god). Schrader inszeniert den 1969 erschienenen, internationale gefeierten Roman als großes absurdes Theater, das rasant zwischen groteskem Satyrspiel, hysterischer Komik, frappierender Tragik und übernatürlicher Passionsgeschichte pendelt. Das ist gewollt bizarr und dennoch eine atemberaubende Kombination, zumal sich alles in ein großes Gemälde fügt und obendrein von einer hervorragenden Schauspielergarde eindringlich interpretiert wird. Anleihen bei "Einer flog übers Kuckucknest" finden sich ebenso wie ein Gestus permanenter Provokation - etwa wenn sich Parallelen von Heilanstalt und Nazi-Lager auftun. Die schwarzweiß gehaltenen KZ-Szenen haben nicht so sehr authentischen, denn symbolischen Charakter, doch Dafoes grausame Figur prägt sich so schauerlich ein wie Ralph Fiennes in "Schindlers Liste". Noah Stollmans Drehbuch handelt indes nicht nur vom (Seelen)Tod, sondern exemplarisch von der Verarbeitung des Vernichtungstraumas. Als Adam einen Jungen entdeckt, der sich für einen Hund hält, öffnet sich ihm die Chance zur Heilung. Aber es wird ein steiniger Weg.
tk.