
In seinem ersten abendfüllenden Spielfilm erzählt Christoph Röhl auf einfühlsame Weise von den Schwierigkeiten eines Teenagers mit einer unverhofften Vaterschaft.
Ein hochaktuelles wie schwieriges Thema packt dffb-Absolvent Christoph Röhl als Regisseur und Co-Autor in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm an. "Ein Teil von mir" handelt von Jugendlichen, die förmlich über Nacht mit Problemen konfrontiert werden, mit denen zuweilen selbst Erwachsene ihre liebe Not haben: Jonas (Ludwig Trepte) ist 16, ein fleißiger Schüler, bei seinen Klassenkameraden beliebt und auch sonst ein recht umgänglicher Typ. Doch da taucht eines Tages wie aus heiterem Himmel Vicky (Karoline Teska) auf dem Pausenhof auf. Mit der hübschen, selbstbewussten 17-Jährigen lief mal was auf einer Party vor ein paar Wochen. Jetzt eröffnet Vicky ihm, dass sie schwanger sei, und nur er komme als Vater in Frage. Damit kann Jonas überhaupt nicht umgehen, will von Vicky nichts wissen, erzählt niemandem davon, nicht mal seiner Mutter, der ständig abwesenden Nachtschwester Susanne (Lena Stolze), und lebt sein Leben wie gehabt weiter. Aber dann, als das Baby da ist, wird der junge Papa doch neugierig. Er ist von dem kleinen Wesen fasziniert, und auch für die junge Mama, die aus ihrer Situation das beste macht, hegt er so etwas wie Bewunderung. Doch in dem Moment, wo eine Annäherung der Drei möglich erscheint, schließt Jonas' Mutter, die inzwischen hinter dessen "kleines" Geheimnis gekommen ist, mit Vickys Mama einen Pakt: Sie zahlt Unterhalt, dafür wird ihr Sohn aus allem rausgehalten und kann sich voll und ganz auf die Schule konzentrieren.
Röhls Blick auf eine Generation, die ohne Väter aufwächst - die Mütter der zwei Protagonisten sind beide alleinerziehend - zeichnet sich durch viele atmosphärisch starke Situationen, die ganz ohne Worte auskommen, aus. Untermalt von Hermann Skibbes melancholischem Score wird so auf feinfühlige Weise das Innenleben der beiden jugendlichen Hauptdarsteller nach außen gekehrt. Dabei zeigen Grimme-Preisträger Ludwig Trepte und Karoline Treska (gehörte schon zum erweiterten "Welle"-Ensemble) viel Talent, allerdings stolpern sie zuweilen über die arg konstruierten Dialoge des Autorenteams Röhl und Philippe Longchamp. Etwas irritiert auch, dass die Monate der Schwangerschaft ohne ersichtlichen Zeitsprung komplett ausgespart werden und dass Vickys von Julia Richter gespielte Mutter nur unwesentlich älter wirkt als ihre eigene Tochter. Dafür entschädigen einige sehr schöne Momente in der Kinderdisco zu den Klängen von Farin Urlaubs "Das schöne Mädchen" und ein Moped-Ausflug von Jonas, der in diesem Augenblick zum ersten Mal so etwas wie Freiheit verspürt. Hier macht auch die Kamera endlich einmal auf, verlässt die engen Gassen und Wohnungen von Halle, das als pittoresker Schauplatz überzeugt. Kinotaugliche Bilder sind jedoch Mangelware in einem ambitionierten Werk, das in der ZDF-Reihe "Das kleine Fernsehspiel", die als Koproduzentin fungierte, gut aufgehoben ist. lasso.