
Gute Kindermädchen sind rar. Hat man eines gefunden, will es jeder sehen. Den Beweis liefern die britischen Kinocharts. Dort entwickelte sich Emma Thompsons Supernanny zum Überraschungshit mit langem Atem.
Nur einem Zauberlehrling, Löwenkönig, gekneteten Werkaninchen und digitalen Riesenaffen musste sich diese Adaption der Anfang der Sixties veröffentlichten Kinderbuchreihe "Nurse Matilda" geschlagen geben. Hauptdarstellerin Thompson adaptierte Christianna Brands Bücher selbst - ihr zweites Filmskript nach ihrer Oscar-prämierten Ouvertüre mit "Sinn und Sinnlichkeit". Der Ton der von P.L. Travers' "Mary-Poppins"-Bänden inspirierten Vorlage ist liebenswert altmodisch, verbindet sanfte Pädagogik mit Slapstickszenen, die gerade bei Kindern immer gut ankommen. Kirk Jones, Regisseur des Brithits "Lang lebe Ned Devine", bewahrt wie Thompson den spätviktorianischen Charme der Erzählungen, setzt Effekte nur sparsam ein und zeigt eine familientaugliche Welt mit lösbaren Konflikten und harmlosen Gegenspielerinnen. Der Tod ist der einzige bad guy des Films, verbannt in die Vorgeschichte und in den - für ein Kinderbuch - ungewöhnlichen Beruf von Cedric Brown (Colin Firth). Der Leichenbestatter hat vor einem Jahr seine Frau und damit auch die Kontrolle über seine sieben Kinder verloren. Aus Furcht, in einem Kindermädchen vielleicht eine zukünftige böse Stiefmutter zu erben, schlagen die kleinen Strolche, die schon mal die Köchin an den Küchentisch fesseln oder vermeintlich den Säugling auf den Speiseplan setzen, jede Betreuerin in die Flucht. Dass die hübsche und heimlich verliebte Küchenmagd Evangeline (Kelly Macdonald) eigentlich die Ideallösung aller pädagogischen und romantischen Probleme wäre, nimmt Brown nicht wahr. Um diese Option für ihn sicht- und realisierbar zu machen und das Chaos im Haushalt zu beseitigen, fliegt Nanny McPhee vom Himmel ein. Mit Knollennase, Warzen und einem vorstehenden Frontzahn, auf dem die Zehn Gebote Platz fänden, sieht sie zwar aus wie die Strafe Gottes, hat aber in der Kinderbetreuung magische Fähigkeiten. Fünf Lektionen wird sie sanft, aber konsequent vermitteln - und mit jedem erreichten Teilziel dabei wundersam verschönert werden. Den Weg zum Ziel erschwert das Ultimatum von Browns unangenehmer Erbtante, die finanzielle Unterstützung nur dann weiter in Aussicht stellt, wenn der Witwer innerhalb eines Monats eine neue Frau vorzeigen kann. Die einzige, gruselige Option ist die aufdringliche, in Bonbonrosa drapierte Mrs. Quickly, die natürlich von den Kids in diversen Slapstickeinlagen abgestraft wird. Kröten werden ausgesetzt, Kuchen fliegen durch die Gegend und über dem ganzen, harmlosen Familienspaß thront Emma Thompson. Sie beweist mit Mimik und Timing, dass sich ein Wiedersehen mit ihr nicht nur in Howards End lohnt. kob.