
Bereits mit seiner bitterbösen Abtreibungssatire "Citizen Ruth" verstand es Regisseur Alexander Payne, amüsant ein empfindliches Thema zu sezieren, indem er überspitzt verschiedene politische, moralische und religiöse Blickwinkel durchleuchtete. Seine aktuelle Demontage erzamerikanischer Werte basiert auf Tom Perrottas gleichnamigen Roman, der von der Präsidentschaftswahlkampagne im Jahr 1992 inspiriert wurde. Die Politarena wird dabei mit der Penne vertauscht, und als treffliche Allegorie dient eine Schulsprecherwahl.
Erneut verlegt Payne das Geschehen in seine Heimatstadt Omaha, Nebraska - eine der Bastionen der erzkonservativen Moral Majority des Mittleren Westen. Wieder zeigt er die Zerbrechlichkeit moralischer Werte auf, die in diesem Fall bei der Aussicht auf Macht, Prestige und Sex eilends unter den Teppich aufgesetzter Tugendhaftigkeit gekehrt werden. Die zentrale Figur dieser cleveren Politparabel ist die propere Tracy Flick ("Cruel Intentions"-Jungfer Reese Witherspoon), die sich das Amt der Schulsprecherin in ihren perfekt frisierten Kopf gesetzt hat. Mit ihrem übereifrigen Ehrgeiz erregt die Egoistin die Unbill des allseits beliebten Lehrers Mr. McAllister (Matthew Broderick - in "Ferris macht blau" einst renitenter Schulrebell, jetzt am anderen Ende der Fahnenstange angekommen), der daraufhin den gutmütigen Football-Jock Paul (Chris Klein erinnert an Keanu Reeves in besten "Bill und Ted"-Tagen) manipuliert, sich als Gegenkandidat aufstellen zu lassen. Aus Rachegründen tritt nun auch Pauls lesbische Schwester Tammy (Jessica Campbell) in die Runde, die mit ihrer Null-Bock-Attitüde johlenden Anklang bei der Schülerschaft findet. Damit wird eine schmutzige Wahlkampagne eingeläutet, in deren Folge letztlich der bigotte Biederbürger McAllister in tiefste Fettnäpfchen tritt.
Die als Erwachsenenkomödie beworbene Satire scheut sich nicht, Tabuthemen wie Sex zwischen Schülern und Lehrern, Lesbenbeziehungen in katholischen Mädchenschulen und Korruption in der Schulverwaltung aufzugreifen. Die beiden Hauptfiguren - an die Grenzen ihrer eigenen Integrität gestoßen - werden in grau-schwarzem Licht gezeichnet, wobei ihre jeweiligen subjektiven Voiceover sie dennoch sehr menschlich erscheinen lassen. Ihre Peinlichkeit wird zudem mit visuellen Mitteln unterstrichen: äußerst unvorteilhafte freeze frames lassen Tracy grotesk erscheinen, und McAllister sieht nach einem Bienenstich am Auge grotesk verunstaltet wie der Glöckner von Notre-Dame aus. In der Flut formularischer Fast-Film-Teenkomödien sticht "Election" wie die vergnügliche Außenseiter-Studie "Rushmore" als cineastische Gourmetkost hervor: Diese cleveren Erben von "Clueless" sind das perfekte Gegenmittel zu konventionellem Teensploitation-Einerlei wie "Eine wie keine" oder "Ich kann's kaum erwarten". ara.