
Jürgen Vogel landet als Krebskranker nach einem Autounfall ausgerechnet auf dem Bauernhof einer bodenständigen Jung-Bäuerin. Beginn eines Liebesmärchens, das einfach glücklich macht.
Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie heimsen Preise ein, so auch Sven Taddicken, der zu den großen Nachwuchstalenten zählt. Seine Kurzfilme erhielten aus- und inländische Meriten, sein erster Langfilm "Mein Bruder der Vampir" wurde in Hof, beim Filmfestival Rotterdam sowie in Valenciennes ausgezeichnet. Ähnlicher Erfolg ist von seiner Leinwandadaption des hochgelobten Romans von Claudia Schreiber zu erwarten. In "Emmas Glück" geht es um nicht weniger als das ganze Leben und das irdische Glück, darum, dem Sensemann ein Schnippchen zu schlagen, einen Film über den nahen Tod zu machen, ohne in düstere Larmoyanz zu verfallen. Erst einmal ist der Autoverkäufer Max schockiert, als ihm der Arzt mitteilt, dass mit dem Bauchspeicheldrüsenkrebs seine Zeit abläuft. Kurz entschlossen bucht er einen Fernflug, klaut seinem einzigen Freund und Chef die schwarze Kasse und jagt mit dessen Jaguar nächtens davon. Nach einer verpassten Kurve fliegt er mit Karacho auf den Bauernhof der jungen Emma, die den Mann mit dem Waschbrettbauch verarztet und die im Auto versteckte Plastikdose voller Banknoten an sich nimmt. Eigentlich will Max so schnell wie möglich weg von dieser mit Viechern bevölkerten Einöde, so ganz geheuer ist ihm dieses weibliche Wesen nicht, das liebevoll mit den Schweinen redet und sie dabei ganz zärtlich abschlachtet. Aber dann taucht die Polizei auf und der Flüchtige im Hof unter. Und es beginnt eine Liebesgeschichte zwischen zwei völlig unterschiedlichen Menschen, auch wenn die Erfüllung nur wenige Tage dauert - bis dass der Tod sie scheidet. Die Handlung stellt sich dar als eine Mischung von Komödie und Drama. Die unordentliche Emma kriegt einen Wutanfall, wenn der pedantische Max ihre Küche aufräumt, erfreut sich aber an seiner deliziösen "cuisine" und stürzt sich mit Lust ins unbekannte sexuelle Abenteuer. Jürgen Vogel und die unglaublich präsente Theaterschauspielerin Jördis Triebel überspielen souverän jede noch so kritisch-komische Situation. Taddicken findet immer die Balance bei diesem Genre-Potpourri, streift sogar das Thema Sterbehilfe mit Optimismus. Trotz ländlicher Folklore wirkt das Liebesmärchen wahrhaftig, selbst tiefgründige Sprüche ("Schlimm ist die Angst vor dem Tod, nicht der Tod selbst") können die gelassene Atmosphäre nicht stören. Um das Glück zu finden, muss man eben nicht nach Mexiko fahren, um in der Hängematte den Pelikanen zuzuschauen, sondern in der Heimat die Augen offen halten. mk.