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Entfesselte Helden

Als die Mutter des zwölfjährigen Steven an Krebs erkrankt, zeigt sich sein sonst so einfallsreicher Vater Sid absolut überfordert. Zum Glück gibt es da noch Sids exzentrische Brüder, die Steven unter ihre Fittiche nehmen. Tragikomisches Regiedebüt von Schauspielerin Diane Keaton.


Entfesselte Helden

Leihvideo

Erhältlich seit:
29.08.1996

Originaltitel: Unstrung Heroes

Komödie/ Drama

USA 1995
Laufzeit: 89 Min.
FSK: ab 6

Andie MacDowell
John Turturro
Michael Richards

Regie: Diane Keaton
Walt Disney Studios Home Entertainment

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Entfesselte Helden

Steven Lidz ist gerade einmal zwölf Jahre alt, als seine Kindheit abrupt endet. Seine Mutter erkrankt an Krebs, und sein Vater Sid, der ansonsten die aberwitzigsten Erfindungen macht, ist mit dieser neuen Situation total überfordert. Da findet Steven überraschend Zuflucht bei Danny und Arthur, Sids exzentrischen Brüdern aus Los Angeles. In der merkwürdigen, wenn auch ganz und gar nicht heilen Wunderwelt seiner beiden Onkel findet Steven die Zeit, die er braucht, um sich auf den Übertritt ins Erwachsenenleben vorzubereiten.

Diane Keaton, ehemalige Hausactrice von Woody Allen, hat für "Entfesselte Helden" die Seiten gewechselt und sich erstmals als Kinoregisseurin versucht - mit Erfolg. Ihre Geschichte legt sie als bittersüße Tragikomödie voller surrealer Vignetten an und orientiert sich dabei stilistisch an Filmen ihres Ex-Gatten, ohne etwa eine platte Kopie abzuliefern. Großes Geschick beweist Keaton auch bei der Besetzung der Schlüsselrollen durch John Turturro, Andie MacDowell, Maury Chaykin sowie den "Seinfield"-Star Michael Richards.

Entfesselte Helden

Wenn Ausnahmeschauspielerin Diane Keaton hinter die Kamera wechselt, kann man eigentlich auf ein außergewöhnliches Resultat gespannt sein. Im Falle von "Unstrung Heroes" trifft diese Vorhersage jedenfalls zu. Was im Grunde eine Geschichte über das schmerzvolle Erwachsenwerden eines Jungen ist, der von zu Hause flieht, um bei seinen schrulligen Onkels in Los Angeles zu leben, wächst in den Händen der ehemaligen Hausaktrice Woody Allens zu einer bittersüßen Tragikomödie voller surrealer Vignetten. Dabei fühlt man sich ebenso an Allens eigene skurrile Kindheitsrückblicke in dessen Filmen (z. B. in "Der Stadtneurotiker" oder "Radio Days") wie die absurden Film-Welten eines Peter Chelsom ("Funny Bones") oder von Jeunet/Caros Erstling "Delicatessen" erinnert, wobei Diane Keatons exzentrischem Spielfilmerstling deren ursprüngliche Wildheit fehlt. Dafür kann sie mit einer bemerkenswerten Fragilität und ungeheurem Einfühlungsvermögen aufwarten, die die Reise des Jungen Steven Lidz in die verrückte Welt seiner paranoiden Onkel selbst dann sehenswert macht, wenn dem Film die dramaturgische Puste ausgeht. Dabei beginnt "Unstrung Heroes" - rückblickend aus der Sicht Stevens erzählt - in einer perfekten Familienharmonie, in der Vater Sid (John Turturro) als Erfinder seinen nicht immer nachvollziehbaren Gedanken nachhängen darf, während Mutter Selma (Andie MacDowell) den Haushalt mit den zwei Kindern Steven und dessen jüngerer Schwester Sandy zusammenhält. Das Gleichgewicht gerät außer Balance, als Selma urplötzlich erkrankt. Krebs lautet die Diagnose. Eine Realität, die weder der Vater noch sein Sohn anerkennen wollen. Letzterer sucht Zuflucht bei Sids Brüdern Danny und Arthur ("Seinfeld"-Star Michael Richards und Charakterkopf Maury Chaykin in hyperaktiver Hochform), die in einem über und über mit Zeitungen und anderem Tand gefüllten Appartment in der Großstadt wohnen und an allen Ecken und Enden antisemitische Verschwörungen vermuten. Diane Keaton gibt diesen Szenen bewußt eine traumartige Atmosphäre und läßt den Zuschauer damit im Unklaren darüber, ob sich die unglaublichen Vorfälle dort wirklich abspielen oder ob Sid sie nur als emotionales Fantasieschutzschild aufbaut, um den bevorstehenden Tod der Mutter verarbeiten zu können. Gerade hier liegt die Stärke dieser blendend besetzten Coming-of-Age- Story, in der Komik und Tragik eine selten gesehene, beinahe zärtliche Allianz eingehen. Die leisen Zwischentöne, die Diane Keaton in vollen Zügen auskostet und die für das nicht immer hohe Tempo verantwortlich sind, machen "Unstrung Heroes", der seine Welturaufführung in Cannes erlebte, aber auch zum nicht unbedingt hochkommerziellen Stoff. Auf positivem Presseecho läßt sich allerdings auf jeden Fall aufbauen. ts.

Darsteller:  Andie MacDowell   als Selma Lidz
  John Turturro   als Sid Lidz
  Michael Richards   als Danny Lidz
  Maury Chaykin   als Arthur Lidz
  Nathan Watt   als Steven/Franz Lidz
  Kendra Krull   als Sandy Lidz
  Anne De Salvo   als May
  Celia Weston   als Amelia
  Jack McGee   als Lindquist
  Candice Azzara   als Joanie
  Giuseppe Andrews   als Ash
  Lillian Adams   als Tante Estelle
  Lou Cutell   als Onkel Melvin
  Sumer Stamper   als Nancy Oppenheim
  Sean Donahue   als Ralph Crispi
  Rabbi Harold M. Schulweis   als Rabbi Blaustein
  Zoaunne LeRoy   als Mrs. Kantruitz
  Vince Melocchi   als Inspector Marshall
  Chris Warfield   als Mr. Clements
  Wayne Duvall   als Mr. Crispi
  Becky Ann Baker   als Mrs. Harris
 
Regie:  Diane Keaton  
Buch:  Richard LaGravenese  
Musik:  Thomas Newman  
Kamera:  Phedon Papamichael  
Produzent:  Susan Arnold  
  Donna Arkoff Roth  
  Bill Badalato  
 

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