
Unprätentiös, aber präzise inszeniert Billy Ray den Fall "Hanssen", einen der größten Agentenskandale der Geschichte des FBI, der die Sicherheit der USA aufs höchste gefährdete.
Keine Mata Hari in verführerischen Dessous, die einem Agenten in der Horizontalen Geheimnisse entlockt, sondern ein akkurater Doppelagent, der jahrzehntelang für die USA und die Sowjetunion tätig war, steht im Mittelpunkt dieses 1000 Volt Spionagethrillers. Um die fast unerträgliche Spannung zu halten, muss kein James Bond mit technischen Sperenzchen den Gegner schrecken, hier geht es nicht um Eskapismus oder Kampf im Reich des Bösen. Statt sich spektakuläre Wettrennen zu liefern, stecken die Kontrahenten ganz konventionell im Stau. Es reichen zwei Super-Schauspieler, um atemlos das Geschehen bei dieser "Mission impossible" zu verfolgen. Wie der talentierte Anfänger den ausgebufften Verräter zur Strecke bringt, entwickelt sich zum intelligenten und psychologisch austarierten Katz- und Mausspiel der besonderen Art. Oscar-Preisträger Chris Cooper als Alt-Spion Robert Hanssen und Jungstar Ryan Philippe als erfolgshungriger Spion-Azubi Eric O'Neill liefern sich ein gefährliches und intrigantes Spiel, das jeden Moment umkippen kann.
Der Film beruht auf dem wahren Fall "Hanssen" und beweist mal wieder, nichts ist erschreckender als die Wirklichkeit. Der FBI-Agent verkaufte sein Wissen an die Sowjetunion und war Schuld am Tod amerikanischen Undercover-Agenten, bis er 2001 zur Rechenschaft gezogen und zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Die Behörden observierten ihn schon lange, konnten ihm aber nichts nachweisen. Gezielt setzen sie den ehrgeizigen Newcomer auf den Top-Agenten an. Als Assistent soll er in dessen Büro arbeiten und trifft auf einen mit allen Wassern gewaschenen Knochen, der überall Unrat wittert und den jungen Spund mit Argusaugen betrachtet. Der eiskalte Perfektionist ist Mitglied des Opus-Dei, lädt sich Pornos runter und mimt den Frommen, versucht nicht nur mit seiner bigotten Gattin Eric und seine Frau "zu bekehren", sondern mischt sich auch heftig in das Privatleben des Paares ein, in dessen Beziehung es bald kriselt. Maulwurf gegen Maulwurf. Wer behält die Nerven? Beide belauern und belügen sich, ziehen ein Täuschungsmanöver nach dem anderen ab, bis der Ältere nach dem finalen Zug des smarten Boys"enttarnt" und schachmatt ist. Die dunklen Seiten der Figuren, ihre innere Zerrissenheit und ihre Abgründe machen den Reiz des Dramas aus. Die Akteure sind keine coolen Draufgänger, sondern Bürokraten, die in den langen Fluren der "Firma" wie verloren herumirren, sich um Banalitäten wie funktionierende Computer oder fehlendes Papier kümmern müssen. Unspektakulärer Agentenalltag ohne Action, persönliche Katastrophen mit Folgen. Ohne traditionelle Versatzstücke, Effekte oder Exotik erweist sich Regisseur Billy Ray als Meister des Genres. mk.