
Im Fahrwasser bitter-süßer Romanzen wie "Der englische Patient" oder "Shadowlands" bewegt sich Schauspielerin Joan Chens erste amerikanische Regiearbeit, in der sich mit Winona Ryders schüchternem Twen und Richard Geres ergrautem Playboy zwei Herzkranke begegnen - sie körperlich, er emotional. Vergleiche mit dem Siebzigerjahre-Klassiker "Love Story" sind nahe liegend: vor allem im Ton, vielleicht auch an der Kasse, wo der Casanovacharme Geres gerade beim weiblichen Publikum längst kein Auslaufmodell ist.
Im Unterschied zu "Die Braut, die sich nicht traut" ist der knapp 51-Jährige hier der Bindungsverweigerer und amouröse Surfer, spielt einen durch seine Kochkünste zu Vermögen gekommenen Playboy, der gleich zu Beginn, vor der glamourösen Kulisse eines herbstlich leuchtenden Central Park, seine aktuelle Freundin ohne Vorwarnungen wieder ins Singleelend zurückschickt. Zeugin dieser bitteren Szene ist Winona Ryders Hutdesignerin Charlotte, der Gere noch ein weiteres Mal begegnen wird, bevor der Jagdinstinkt aufs Neue geweckt und ein Rendezvous verabredet wird. Dass Charlottes verstorbene Mutter vor Jahren selbst mit Gere ausging, bleibt dramaturgisch weitgehend ungenutzt, zieht aber wenigstens Broadway-Veteranin Elaine Stritch als Ryders Großmutter stärker in den Film, die als lakonische Partylöwin mit einigen verbalen Spitzen im Lauren-Bacall-Revier wildern darf. Etwa eine halbe Stunde vermittelt Joan Chens Film das Bild einer harmlos-sympathischen Romanze mit prächtigen Postkartenansichten von New York. Dann erfahren wir mit Gere von Ryders wohl innerhalb eines Jahres tödlich verlaufender Herzkrankheit, die nur mit einer riskanten Operation geheilt werden kann. Territorium, das man aus Seifenopern kennt, und hier durch Nebenplots wie Geres plötzlich auftauchende erwachsene Tochter, die ihren Vater noch nie gesehen hat, oder mit den sexuellen Rückfällen des Frauensüchtigen nur bedingt um Neuland bereichert wird. Die Ansprüche an die Hauptdarsteller hält Regisseurin Joan Chen, die 1998 ihr Debüt "Xiu Xiu" auf der Berlinale vorstellte, in Grenzen. Ryder leuchtet mit der Perfektion ihres Gesichtes, muss gerade in den Anfangssequenzen wie ein Schulmädchen auftreten, damit der Altersunterschied auch als wirklich gravierendes Problem erkannt wird. Gere ist zu Beginn die perfekte Entsprechung seiner oberflächlichen Figur, kann sich aber dann nur schwer aus steifen Posen befreien, wenn wir seinen Schmerz als den unseren erleben sollen. Wie gut eine sentimentale Lovestory funktionieren kann, wenn die Figuren mehr als Äußerlichkeiten verbinden und die Darsteller Gefühle nachempfinden lassen, hat vor Jahren Richard Attenboroughs "Shadowlands" gezeigt. Dessen Qualitäten erreicht "Es begann im September" nicht, sieht man einmal von Kameramann Changwei Gus malerischen Bildern ab. Trotzdem ist ein kommerziell besseres Abschneiden ("Shadowlands" hatte knapp 236.000 Zuschauer) dank der beiden Stars allemal wahrscheinlich, zumal der Erfolg im Kino im wesentlichen weniger von Reife als von Geschmack bestimmt wird. kob.