
Knapp 20 Jahre nach "Barfly" wagt sich erneut ein europäischer Regisseur an eine Adaption einer Vorlage des Trinkerpoeten Charles Bukowski. Dabei kann Bent Hamer nicht nur auf seinen trockenen skandinavischen Humor vertrauen, sondern auch auf einen Matt Dillon, der nie weiter entfernt von seinem Posterboy-Image war - und nie besser.
"Faktotum", 1975 als zweiter Roman des 1920 in Andernach geborenen und am 9. März 1994 an Blutkrebs verstorbenen Charles Bukowski veröffentlicht, ist nicht minder autobiographisch wie dessen Vorlaufer "Der Mann mit der Ledertasche" oder das von Bukowski verfasste Drehbuch zu Barbet Schroeders "Barfly" von 1987 mit Mickey Rourke in der denkwürdigen Titelrolle. Stets ist es sein unverkennbares Alter ego Henry Chinaski, das durch eine schier endlose, episodische Abfolge von Eskapaden geschickt wird, die sich um Alkohol, Frauen, billige Absteigen und menschenunwürdige Billigjobs in beliebigen Kombinationen drehen. Motive von "Faktotum" und diversen Kurzgeschichten Bukowskis fasst nun ausgerechnet der norwegische Regisseur Bent Hamer zusammen zu einer Ansammlung von Vignetten, die teils komisch, teils bizarr und beunruhigend sind, aber in ihrer distanzierten Art doch wie auch sein Vorgänger "Kitchen Stories" immer jene Menschlichkeit erkennen lassen, die auch des Autoren Werke selbst in ihren düstersten Momenten auszeichnet. So entsteht das letztlich liebevolle Porträt eines vermeintlichen Verlierers, der sich ziellos durchs Leben treiben lässt und von Matt Dillon jenseits jeglicher Eitelkeit einfach nur hinreißend gespielt wird als ein Typ, der säuft wie ein Loch, bei Frauen landet, die noch mehr trinken als er, und an ihnen genauso scheitert wie selbst an den schäbigsten Jobs. Eigentlich wäre er als Figur ebenso unerträglich wie seine Situation, wären da nicht die kurzen Momente des Glücks, die er beim Niederschreiben seiner Erlebnisse empfindet - knochentrocken von Dillon aus dem Off vorgelesen - auch wenn seine Ergüsse regelmäßig von Verlagen abgelehnt werden, bis der Regisseur seinem ungerührt durch die Untiefen seiner Existenz tapernden Antihelden doch noch einen kurzen Moment des Triumphs gönnt. Ebenso fein und spitzfindig wie der lakonische Humor des Films und die zerknitterte Performance seines Stars sind die Darstellungen von Lili Taylor als nicht minder dem Alkohol zugetane Jan und eine beinahe unkenntliche Marisa Tomei als Laura, die sich von einem exzentrischen Millionär aushalten und Chinaski mit seinen wenigen Besitztümern zwischenzeitlich bei sich unterkommen lässt. Zu Recht einer der Hits in Cannes - eine Zier aller Arthouse-Kinos, die perfekte Fusion aus amerikanischem und europäischem Kino. deg.