
Dem Mainstream verpflichtetes Biopic über den österreichischen Pop-Exzentriker, dessen Hits ebenso thematisiert werden wie seine Drogen-Exzesse und sein spektakulärer Tod.
"Er war Superstar, er war populär, er war so exaltiert, because er hatte Flair..." - diese Zeilen aus "Rock me Amadeus", dem einzigen deutschsprachigen Song, der es zur Nummer Eins der amerikanischen Billboard Charts gebracht hat, treffen auch perfekt auf dessen Interpreten Falco zu. Diesem einzigartigen österreichischen Pop-Star, der 1998 41-jährig bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik ums Leben kam, hat sein Landsmann Thomas Roth nun einen Film gewidmet. Keine Biografie im klassischen Sinne, eher eine Art Dokudrama, in dem sich die Fakten zu Gunsten der publikumswirksameren Dramaturgie unterzuordnen haben.
So beginnt "Falco - Verdammt, wir leben noch" auch recht ungewöhnlich - nämlich mit Grace Jones, Sängerin, Ex-Bond-Girl und gebürtige Jamaikanerin. Sie mimt eine Augenzeugin, die den Unfall miterlebt hat und diesen vor laufenden Kameras noch einmal schildert. Doch kurz darauf springt Roth mitten hinein in Falcos Kindheit, die Ende der fünfziger Jahre in Wien begann. Vaterlos und mit einer dominanten Mutter wächst er als Johann Hölzel auf, begeistert schon als Sechsjähriger die Besucher von Weihnachtsfeiern mit seinem Klavierspiel und arbeitet sich später als Mitglied von Wiener Szenebands nach oben, bis er die Kunstfigur Falco kreiert und mit "Der Kommissar" den Durchbruch schafft.
Roth - im Kino bislang durch seine eher mittelmäßige Krimikomödie "Kaliber Deluxe" bekannt - lässt hier nichts aus, verfolgt die musikalische Karriere ebenso wie die Drogen- und Alkoholexzesse, die Auseinandersetzungen mit seinem Engels-geduldigen Manager (Comedian Christian Tramitz überrascht mit einem überzeugenden Auftritt als seriöser Schauspieler) ebenso wie die handfesten Ehekrisen mit seiner streitbaren Frau Jacqueline (bildhübsche Entdeckung: Patricia Aulitzky), die zur unvermeidlichen Scheidung führen.
Der Regisseur findet auch Zeit, Anekdoten wie die Namensfindung (Falco ließ sich von DDR-Skispringer Falko Weißpflog inspirieren) oder das legendäre Konzert, das vor 100.000 Besuchern bei strömendem Regen auf dem Donauinselfest stattfand, unterzubringen. Auch die zwei Gesichter des "ersten weißen Rappers" arbeitet Roth heraus, zeigt ihn mal als sensiblen, medienscheuen, fürsorglichen Vater, dann als arrogantes, überhebliches, aufbrausendes und (selbst-)zerstörerisches Genie.
Gespielt wird Falco nicht von Robert Stadlober wie ursprünglich vorgesehen, sondern von Manuel Rubey, dem Sänger der österreichischen Formation Mondscheiner. Er tut dies perfekt, in Gestus, Haltung, Mimik und Stimme - selbst die Songs, die er alle selbst intoniert hat, sind von den Originalen kaum zu unterscheiden, was dem Film allerdings zuweilen etwas Steriles, Konstruiertes, ja Lebloses verleiht. Dennoch hat Thomas Roth sein Ziel erreicht - er hat ein Mainstream-Produkt im Stile US-amerikanischer Vorbilder hergestellt, das vom skandalösen Lebenslauf seines Protagonisten lebt und somit zwangsläufig Neugier und Interesse beim Publikum auslöst. In Österreich hat dies funktioniert. Dort war "Falco" mit rund 150.000 Besuchern fast so erfolgreich wie der Doku-Renner "We Feed the World", der es auf astronomische 200.000 Zuschauer brachte. lasso.