
Wer kennt es nicht? Das stressige Feiertagssyndrom, das sich einstellt, wenn man mit der lieben und oftmals nervenaufreibenden Familie konfrontiert wird. Genau das ist die Prämisse der mit Spannung erwarteten zweiten Regiearbeit von Ausnahmeschauspielerin Jodie Foster nach ihrem vielgelobten Debüt "Das Wunderkind Tate" von 1991. Bei der heiter-tiefsinnigen Problemkomödie "Home For the Holidays" beschränkt sich die zweifache Oscar-Preisträgerin auf einen Einsatz hinter der Kamera (in Zusammenarbeit mit Peggy Rajski übernahm sie auch auch die Produktion) und überläßt Holly Hunter (Oscar für "Das Piano") die Rolle der in einer Identitätskrise steckenden Protagonistin Claudia. Mit einer gut zusammengestellten Besetzung tauscht Hunter wohltemperierte Weisheiten und unterhaltsame Banalitäten aus, die dem kammerspielartigen Flair der Egg-Film-Produktion die rechte Portion Humor verleihen. Für das schlüssige Drehbuch adaptierte W.D. Richter eine Kurzgeschichte von Chris Radant, die wunderbar das aufschlußreiche Chaos einer typischen Familienzusammenkunft am amerikanischen Erntedankfest skizziert. Claudia Larson (Hunter) verliert innerhalb eines Tages ihren Job als Gemälderestauratorin, ihre Beherrschung und ihre Jacke. Zudem kämpft sie mit einer fürchterlichen Erkältung und erfährt von ihrer 15jährigen Tochter, daß diese plant, am Wochenende ihre Unschuld zu verlieren. In dieser zerrütteten Verfassung fliegt sie nach Hause zu ihren schrullig-liebevollen Eltern (Anne Bancroft und Charles Durning), die sie wie eine Zehnjährige behandeln. Am Festtagsstisch versammeln sich zudem ihre leicht senile, brachial ehrliche Tante (Geraldine Chaplin), ihre spießbürgerliche Schwester (Cynthia Stevenson) samt fadem Ehemann und altklugen Gören und ihr überdrehter, homosexueller Bruder Tommy (Robert Downey Jr.) und dessen gutaussehender Freund Leo Fish (Dylan McDermott). Ein Aufeinanderprallen verschiedener Auffassungen ist vorprogrammiert, wobei sämtlichen Beteiligten aber auch ein Seelenspiegel vor Augen gehalten wird. Im Kern eine Ode an Familienwerte und die Liebe, vollzieht Jodie Foster eine Gratwanderung mit der gnadenlos bloßstellenden, überzogenen Porträtierung einiger Charaktere, die in manchem Zuschauer mehr entnervte Abneigung als Erheiterung erzeugen könnte. Doch mit Holly Hunter hat Foster eine hervorragende Symphatieträgerin und Identifikationsfigur, die ihrer Rolle überzeugend Substanz verleiht. Das Thema ist dermaßen zeitlos und universell ansprechend, daß, gepaart mit Fosters renommiertem Namen als Gütesiegel und Erfolgsgarant, überdurchschnittliches Besucherinteresse erzielt werden sollte. ara.