
Road Movie über vier fanatische "Star Wars"-Jünger, die auf- und einbrechen, um "Episode 1" als Erste sehen zu können.
Filme über Geeks, die dem Kino und ihrer Religion "Star Wars" huldigen, stehen unter keinem guten Stern. Patrick Read Johnsons "77" wartet seit zwei Jahren auf die Veröffentlichung, ebenso lang lag "Fanboys" im Archiv Harvey Weinsteins. Die Prämisse von Kyle Newmans Regiedebüt hat Kultpotenzial, doch mehr als eine liebenswerte Komödie steht letzlich nicht auf der Habenseite, weil es an Budget, erzählerischer Geschlossenheit und Mut zu größerer Verrücktheit fehlt.
2000 Meilen östlich von San Francisco entscheidet sich Eric, der den Autohandel seines Vaters übernehmen soll, für ein Abenteuer. Weil seinem krebskranken Freund Linus nur noch wenige Monate bleiben, ignoriert Eric den eigenen Reifeprozess, fällt auf das Stadium eines obsessiven "Star Wars"-Fans zurück, das seine Buddies Linus, Hutch und Windows nie verlassen haben. Gemeinsam will man 1998 in ferne Galaxien, zur Skywalker Ranch, vordringen, wo George Lucas am Feinschliff seines Comebacks "Episode 1" arbeitet. Sechs Monate vor der Weltpremiere startet das Quartett seine Expedition, an deren Ende Einbruch und Erleuchtung stehen sollen. Bei einem witzigen Abstecher in feindliches Territorium treffen sie auf eine Gruppe verachteter, von Seth Rogen angeführter und von Captain Kirk inspirierter Trekkies. Weitere Stationen sind eine Kneipe mit schwulen Bikern, eine rätselhafte Konfrontation mit einem jungen Klon von Web-Guru Harry Knowles, eine "Star Trek"-Convention in Vegas, auf der sie in die Hände von Liebesdienerinnen fallen und schließlich die Skywalker Ranch, auf der das Wachpersonal Outfits von Lucas' Debüt "THX 1138" trägt.
Die Abschiedsmelancholie von Klassikern wie "Dazed and Confused" vermittelt "Fanboys" nur ansatzweise, konzentriert sich auf Situationskomik, platziert einige gute "Star Wars"-Gags, zu denen sich überflüssige Exkursionen ins Zucker-Abrahams-Universum (Richter Judge Reinhold!) und Gastauftritte von "Star Wars"- und "Star Trek"-Prominenz gesellen. Was fehlt, ist Geld für visuellen Witz, der sich mehrfach anbietet, erzählerische Kompaktheit jenseits komischer Episoden und eine größere Dosis Craziness, die dieser Stoff eigentlich verlangt. Für "Fanboys", die Küsse zwischen Luke und Leia diskutieren und Boba Fett für den coolsten Typen der Galaxis halten, ist diese Komödie aber Pflichtprogramm. Zumal man in ihr vielleicht nicht die Macht, sehr wohl aber die Leidenschaft fürs Kino spüren kann. kob.