
Mit seinem Spielfilmerstling gelingt Simon Groß ein cleverer Mix aus Abenteuerfilm und Selbstfindungsparabel, der vor allem auf visueller Ebene besticht.
"Fata Morgana". Der Titel evoziert bei Kinofreaks (wohlige) Erinnerungen, ob Werner Herzogs poetischem Sci-fi-Film um einen dem Untergang geweihten Planeten. Aus dem Jahre 1971 stammt dessen visionäre "Landbeschau", diese einzige große Sinnestäuschung, der der Spielfilmdebütant Simon Groß nun seine gleichnamige Variante folgen lässt. Auf dem Filmfest München 2007 mit dem mit 30.000 Euro dotierten "Förderpreis Deutscher Film" ausgezeichnet, lässt auch Groß' Werk keine simplen Deutungsmöglichkeiten, keine einfachen Erklärungsmodelle zu. Auf seine Arbeit muss man sich einlassen, wie auf einen (Drogen-)Trip, dabei aufs Beste hoffen und sich am (möglichen) bösen Erwachen nicht stören.
Ein solches haben Daniel und Laura, ein junges Pärchen aus Deutschland. Er, überzeugend gespielt von Matthias Schweighöfer ("Soloalbum"), hat gerade das Staatsexamen bestanden, und belohnt nun sich und seine Freundin - passend blass und ungelenk: Marie Zielke ("Agnes und seine Brüder") - mit einem Marokko-Urlaub. Einer Laune folgend mieten sie einen Jeep und unternehmen einen Ausflug in die Sahara. Verlassen die Pisten, lieben sich in den Dünen - da springt der Wagen nicht mehr an. So beginnen klassische Abenteuer- und Überlebensdramen und als solches lässt sich dieses cineastische Rätsel auch lesen. Zumal aus dem Nichts ein namenloser Fremder - Jean-Hugues Anglade ("Killing Zoe") wandelt auf den Spuren von Clint Eastwood - auftaucht, das Fahrzeug repariert und verspricht, die beiden in die Zivilisation zurückzuführen. Obwohl sein Weg immer tiefer in Wüste führt.
Schroff ragen Felsen ins Blau des Himmels, sanft rollen die Dünen, rötlich glänzt der Sand und bis zum Horizont erstreckt sich die Einöde. Die wunderschönen Bilder von Peter Steuger ("101 Reykjavik") sind es, die sich einem zuerst ins Gedächtnis einbrennen und vom (Minimal-)Plot ablenken. Zu sphärischen Klängen (Musik: Mariana Bernoski) passiert - sieht man von einem tosenden Sandsturm ab - nicht viel: Die (gestörte) Kommunikation des Paares beschränkt sich aufs Nötigste, der mysteriöse Helfer weckt bei Laura Begehrlichkeiten und bei Daniel die Eifersucht. Er zersticht die Motorradreifen ihres Retters, setzt sich mit der Partnerin heimlich ab - nur um den Mann ohne Namen in einer verlassenen Wüstenstadt wieder zu treffen. Der Teufel möglicherweise? Eine Fata Morgana, ein Albtraum, eine Reminiszenz an Joseph Conrads "Herz der Finsternis"... Möglich. Auf alle Fälle eine fiebrige Reise ins Ich und der Beweis, dass man mit minimalsten Mitteln maximalen Effekt erzielen kann. geh.