- Service:
- Newsletter
- RSS
- kino.de mobil
- Sitemap
- Kontakt
Kaufvideo
Erhältlich seit:
15.10.2007
Deutschland 1997
Laufzeit: 86 Min.
FSK: ab 12
Jürgen Vogel
Julia Filimonow
Stefan Dietrich
Regie: Jan Schütte
Senator Home Entertainment

Statt Sozialkritik lakonische Situationsbeschreibungen mit realistischem Witz und ebensolchen Gefühlen: Jan Schüttes neuer Film "Fette Welt" ist sehr gutes, unterhaltsames Erzählkino mit einem großartigen Jürgen Vogel in der Hauptrolle und einem fast ausnahmslos überzeugenden Darstellerensemble. Eine melancholische Liebesgeschichte auf der Straße in der lebendigen, trunkenen Welt der Obdachlosen für ein Kinopublikum, das sich von den lauten Action- und Spezialeffekt-Produktionen ein bißchen erholen will.
"Acapulco - das ist da, wo Ivo Robic immer mit Bert Kaempfert aufgetreten ist. In den 50er Jahren. Da ist es immer warm." Die verträumte Romantik des jungen, hoffnungslos in eine Drogenabhängige verknallten Penners Edgar (manchmal ein bißchen zu sehr gestört: Lars Rudolph) ist wie ein nostalgisches Leitmotiv für das Leben in den kühlen Oktobernächten unter den Isarbrücken. "Morgen, morgen lacht uns wieder das Glück" scheppert Robic von der wie zum beweis einer Utopie aufgelegten Schallplatte.
Eigentlich sind es zwei Liebesgeschichten, die Schütte nach dem gleichnamigen Roman von Helmut Krausser erzählt. In einer Katastrophe endet eine tragisch, die andere auch nicht in heiler Glücksharmonie. "Liebe gibt's nur im Kino", sagt Hagen (Jürgen Vogel), der seinem Nachnamen Trinker alle Ehre macht, wenn er den Tag mit einem Schluck aus dem Flachmann beginnt. Er ist der wortkarge Eigenbrötler des bunt zusammengewürfelten Stadtstreicher-Häufchens und hat eine klar ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, wenn es um vital Wesentliches geht. So geht er bei der Beerdigung eines Obdachlosenkumpels auf dem Friedhof auf einen anderen Stadtstericher los und wird handgreiflich, weil er durch ihn mal im Knast gelandet ist. Und er vertreibt schlagkräftig einen zudringlichen Freier, der sich auf dem Bahnhof an die kleine Ausreißerin Judith (für diesen Film entdeckt und bemerkenswert gut: Julia Filimonow) ranmacht. Die 15-jährige, die aus ihrem behüteten Berliner Elternhaus abgehauen ist, wird von Hagen mit bockiger Ablehnung behandelt. Sicher, weil er auch instinktiv spürt, daß sie Gefühle in ihm trifft, die er längst verschüttet glaubte. Ihrer direkten Aufforderung "Schlaf mit mir, ich bin kein Kind mehr" begegnet er mit scheinbarer zynischer Abwehr, bis er mit Hilfe der verbalen Verlegenheit "Du willst es also wirklich, obwohl ich es nicht will" doch zur Tat schreitet. Danach ist nichts mehr so, wie es war zwischen ihm und dem Mädchen und weil sie sich ganz romantisch in ein Schlafwagenabteil schmuggeln und vom Schaffner erwischt und der Polizei übergeben werden, wendet sich ihr Schicksal erneut. Denn in der Wirklichkeit heute gibt es keine Zeit für Märchen und im Kino des Jan Schütte keinen Platz für Seifenopern-Sentimentalitäten. Auch nicht für Klischees - die Gratwanderung gelingt, Penner von Schauspielern darstellen zu lassen, das Milieu authentisch aufzumischen, ohne auch nur einen Moment in didaktische Sozialpolemik zu verfallen. Trotzdem ist das Bewußtsein wach für die Realität der aktuellen Situation in unseren Großstädten. Das ist nicht zuletzt auch dem sensibel genauem Kamerablick von Thomas Plenert zu danken, der endlich ganz veristische München-Bilder zeigt, ohne bajuwarische Schnörkel. Mittendrin die Wiederbegegnung mit der Faßbinder-Heroine der ersten Stunde, Ursula Strätz, als illusions- aber nicht herzlose alte Stadtstreicherin mit pragmatischem Mutterwitz. Einsamkeit und Existenzangst gibt es nicht nur bei Obdachlosen, aber sie haben der Trostlosigkeit zum Trotz oft genug ihre Hoffnung nicht verloren und ihre Utopien verraten. Auch davon erzählt Jan Schüttes Film. fh.
Sie küssen und sie schlagen sich, sie lieben und sie töten sich.
Hagen Trinker und die anderen, Penner und Junkies, Männer und Frauen leben in München auf der Straße, unter der Brücke oder
im Rohbau. Manchmal ist ein Sessel ihr Zuhause, manchmal eine Parkbank ihre Matratze und eine Zeitung ihre Zudecke. Hagen
Trinker ist ein Obdachloser, für den jeder Tag ein neuer Kampf ums Überleben ist. Trotzdem denkt Hagen nicht daran, in ein
normales Leben zurückzukehren. Der Alkohol betäubt seine Sorgen, und lässt ihn auch seine verborgenen Sehnsüchte und
Träume vergessen. Da erscheint ein Wesen aus einer längst vergessenen Welt: Judith, 15 Jahre und von zu Hause abgehauen.
Hagen verliebt sich in diese Prinzessin und ein Märchen beginnt. Aber im nächsten Moment ist es auch schon wieder zu Ende.
Doch jetzt ist Hagen bereit, noch einmal zu kämpfen: Er muss Judith einfach wiederfinden...
Quelle: Senator
| Darsteller: | Jürgen Vogel | als Hagen Trinker | |
|---|---|---|---|
| Julia Filimonow | als Judith | ||
| Stefan Dietrich | als Tom | ||
| Sibylle Canonica | als Liane | ||
| Lars Rudolph | als Edgar | ||
| Ursula Straetz | als Edda | ||
| Thomas Thieme | als Gustl | ||
| Jürgen Hentsch | als "Botschafter" | ||
| Ernst Stötzner | als Schandorf | ||
| Regie: | Jan Schütte | ||
| Buch: | Klaus Richter | ||
| Jan Schütte | |||
| Kamera: | Thomas Plenert | ||
| Produzent: | Prof. Dr. Günter Rohrbach | ||
Fette Welt in der Fotoshow
Features
Der Titel enthält folgende Features
Sprachen: Deutsch DD 2.0
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Bildformat: 1:1,85/4:3
Star
Jürgen Vogel
Der Authentische. Jürgen Vogel ist der Wagemutige unter den deutschen Filmstars, einer aus dem richtigen Leben, der sich etwas traut, der die...
Star
Thomas Thieme
Thomas Thieme ist vor allem ein renommierter Bühnendarsteller. Film- und Fernsehrollen in "Der Untergang", "Das Leben der Anderen" und "Der...
Registrieren



