
Oscar-Preisträgerin Hilary Swank inspiriert als positive Paukerin im Stil von Michelle Pfeiffer in "Gefährliche Gedanken - Dangerous Minds" eine Klasse von desillusionierten Ghettokids zu höheren Idealen.
Regisseur und Drehbuchautor Richard LaGravanese greift die wahre Story der idealistischen Lehrerin Erin Gruwell auf, die sich von ihrer Mission, einen Unterschied im Leben ihrer Schüler zu machen, weder von deren anfänglicher Ablehnung noch von einem gleichgültigen Bildungssystem abbringen ließ. Diese Selbstaufopferungs-Prämisse ist seit "Saat der Gewalt" (1955), als sich Glenn Ford als idealistisch-naiver Lehrer in die pädagogischen Nesseln setzte, fester Bestandteil des Hollywood-Kinovokabulars. Dennoch kann LaGravaneses in deprimierender Realität verankertes Schuldrama mit zynismusfreier Aufrichtigkeit bewegen. Daran hat "Million Dollar Baby" Swank erheblichen Anteil, deren Talent für tiefe Emotionalität mit anspruchsvolleren Rollen wie dieser zum Tragen kommt. Man kauft ihr ab, dass Erin Gruwell ebenso enthusiastisch wie ahnungslos in ihre Englischklasse an der unlängst nach den Rodney-King-Unruhen "rassenintegrierten" Woodrow Highschool in Long Beach hineinstürmt. Im properen Kostüm sieht sie zwischen ihren desinteressierten Schülern, die sich aus unterprivilegierten Latinos, Schwarzen, Asiaten und einer Minderheit von Weißen zusammensetzen, wie ein Mondkalb auf dem Weg zur Opferung aus. Nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen, das Interesse ihrer untereinander bitter verfeindeten Schützlinge zu wecken, hofft Erin mit dem Analysieren von Tupac-Shakur-Texten Fortschritte zu machen. Doch erst als sie ihrer Klasse leere Ringhefte gibt und sie auffordert, über ihren Alltag zu schreiben, kommt es zur Annäherung. Erin erfährt über gewalttätiges Gangleben, Armut, selbstauferlegte Rassentrennung, Drogendeals, zerrüttete Familien, Raubüberfälle, Drive-By-Shootings und das tiefe Misstrauen gegenüber allen Außenseitern. Das Lesen von "Das Tagebuch der Anne Frank" hilft den Kids, erstmals auch Mitgefühl untereinander zu empfinden. Zwar muss Erin letztlich für ihr Engagement mehr bezahlen als nur die von ihr mit zwei Nebenjobs finanzierten Lehrmaterialen und Klassenausflüge, doch das ist es ihr wert. Wert ist es sicherlich auch für das werte Familienpublikum, sich diese bewegende Ode über Akzeptanz, Respekt und den Triumph des Willens anzusehen. ara.