
Weil es in der Ehe eines aus der DDR in den Westen geflohenen Ehepaares anno 1968 kriselt, wollen die beiden jungen Töchter die Scheidung provozieren: Eine warmherzige Familien(tragi)komödie.
Der Kalte (Ehe)Krieg unter dem Nierentisch bricht aus, weil sich die innerdeutsche Zerrissenheit in der Familie Striesow spiegelt: Das Ehepaar mit den drei Kindern ist aus der DDR getürmt, Dieter (Oliver Stokowski) im marktwirtschaftlichen Westen voll angekommen, Gattin Irene (Katharina Schubert) ein von Ängsten geplagtes Nervenbündel, das sich in die Heimat zurücksehnt und die eigene Wohnung zwar nicht mit einer Berliner Mauer, so doch immerhin mit einer Türkette verschließt. In dieser ganz privaten Ostzone kann man wenigstens ungehindert die "Internationale" intonieren, doch eigentlich ist Irene derart kriegstraumatisiert, dass Fernsehbilder von russischen Panzern in osteuropäischen Städten konkrete Invasionsangst und ausgeprägte Neurosen bedingen. Dabei ist der Fahrstil der Crashpilotin wesentlich gefährlicher als ein möglicher 3. Weltkrieg. Isolation, Heimweh und verstörende Erfahrungen ergeben die Paranoia, Opfer eines Ehebruchs und somit zur "Zweitfrau" zu werden. Als sich ihre Furcht als wohlbegründete Realität herausstellt, wird der Alltag zum Minenfeld.
Den von eigenen Erfahrungen beeinflussten Kurzroman von Birgit Vanderbeke nimmt die Bremer Regisseurin Neele Vollmar ("Urlaub vom Leben") zum Anlass für eine heiter-tragische Zeitreise in die ausgehenden 60er Jahre, wo mit akkurater Nostalgie und auf den Punkt ausgestattetem Retro-Charme das deutsche Mittelstands-Spießbürgertum sein gestriegeltes Haupt erhebt, aber von einer ganzen Batterie ironischer Brechungen verspottet wird. Weder die BRD, noch die DDR erscheinen in vorteilhaftem Licht, und das charakterlich vollkommen disparate Paar will nicht recht zusammenpassen. Vornehmlich aus der Perspektive der beiden Töchter Ute und Wasa (famoses Duo: Nina Monka und Leonie Brill) erzählt, wird ein Familiendrama aus unschuldigem Kinderblick zur Komödie, da sich die Schwestern und ihr jüngerer Bruder Flori (Tamino Wecker) die komplizierte Welt der Erwachsenen zusammenreimen müssen - mit entwaffnend komischen und oft genug nachdenklichem Ergebnis. Zwischen den Polen Neurosenkomödie, Eifersuchtsdrama und der tragikomischen Last des selbst gewählten Unglücks entsteht ein warmherziger, trotz Feel-Good-Ende aber nicht verklärender Rückblick auf eine Ära, die nicht nur aus Studentenprotesten und Kommune 1 bestand. tk.