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Frost/Nixon

Packendes Drama über das legendäre Interview, das der britische Journalist David Frost 1977 mit Richard Nixon führte.


Frost/Nixon

Leihvideo

Erhältlich seit:
10.09.2009

Drama

USA 2008
Laufzeit: 122 Min.
FSK: ab 6

Michael Sheen
Frank Langella
Kevin Bacon

Regie: Ron Howard
Universal Pictures Germany

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David Frost lockt Ex-Präsident Richard Nixon in einem Interview meisterlich aus der Reserve.

Die Kontrahenten Nixon und Frost sind bereit zum verbalen Duell (Foto: Universal) Großansicht

Die Kontrahenten Nixon und Frost sind bereit zum verbalen Duell (Foto: Universal)

Nach seinem Rücktritt als Präsident der USA schwieg Richard M. Nixon (Frank Langella) drei Jahre lang über die Vorfälle während seiner Amtszeit. Im Sommer 1977 erklärte er sich schließlich bereit, dem britischen Starjournalisten David Frost (Michael Sheen) ein Interview zu geben und Auskunft über die Hintergründe des Watergate-Skandals zu gewähren.

Nixon war sich sicher, dass ihm der als recht oberflächlich und unpolitisch geltende Talkmaster unterlegen sein würde. Doch als die Kameras laufen, überrascht ein blendend aufgelegter und bestens vorbereiteter Frost sein Gegenüber. Eine erbitterte Schlacht folgt, in der die beiden Männer mehr Einblick in ihre Seele gestatten, als zu erwarten war.

Team Frost rüstet sich mit Informationen (Foto: Universal) Großansicht

Team Frost rüstet sich mit Informationen (Foto: Universal)

Ein legendäres Interview

Das 1977 von David Frost geführte Interview mit Richard Nixon gilt bis heute als Meilenstein der Fernsehgeschichte. "Die Queen"-Autor Peter Morgan machte daraus ein packendes Zwei-Personen-Stück fürs Theater, das sein Publikum in New York und London elektrisierte.

Es bildet nun auch die Grundlage für Ron Howards ("A Beautiful Mind") Filmadaption, in der er die Schauspieler besetzte, die bereits in der Bühnenversion überzeugten: Frank Langella als Nixon und Michael Sheen als Frost gelten schon jetzt als heiße Oscar-Anwärter - sie wachsen in ihren Rollen über sich selbst hinaus.

Frost/Nixon

Playboy gegen Gladiator, Talk- gegen Politmaster: Ron Howards Film über das legendäre TV-Duell zwischen David Frost und Richard Nixon ist kluges Entertainment und für fünf Golden Globes nominiert.

Ohne den Broadwayerfolg von Peter Morgans Bühnendrama im Rücken, hätte das Pitching für dieses Projekt wohl einen Yedi gebraucht, um Studiobosse gefügig zu machen. Schließlich geht es um ein TV-Ereignis, das 31 Jahre zurückliegt, um Politik, die populär verkauft werden soll, um sprechende Köpfe, die Aufmerksamkeit fordern, ohne Chicks, Cops oder coole Homies im Vokabular zu haben. Ron Howards Argumente waren ein begrenztes Budget, sein letzter Hit "The Da Vinci Code - Sakrileg" sowie mit Morgan, Frank Langella (Nixon) und Michael Sheen (Frost) drei Veteranen der Bühnenversion. Eingestimmt wird mit "Watergate"-Bildern bis zu Nixons Rücktritt 1974. Es folgt die dreijährige Vorbereitungsphase für das TV-Interview. Zunächst wird die Ungleichheit der Kontrahenten illustriert. Hier der lebenslustige Plauderprofi, der den Sprung von Pop- zu Politstars wagt, dort der verbitterte Ex-Präsident, der es gewohnt ist, in Kriege zu ziehen. Es ist das Honorar, das Nixon lockt, aber auch der PR-Effekt für seine Memoiren und die Chance, sich vermeintlich ungehindert freisprechen zu können. Morgan macht deutlich, dass Frost sich über-, Nixon ihn aber auch unterschätzte, dass es bei allen Unterschieden auch Gemeinsamkeiten gab. Frost wurde nicht ernst genommen, suchte Jahre nach Sponsoren und TV-Abnehmern, ging finanziell ein großes Risiko ein. Nixon war von der Weltpolitik auf Kongressbühnen verdammt worden, wo er als Redner Luftblasen produzieren musste, während in ihm ein Orkan tobte. Als beide Teams die Planungen beendet und das thematische Terrain vertraglich abgesteckt haben, betreten Frost und Nixon an vier Interviewtagen (in Wirklichkeit zwölf) den Ring.

Kein Zuschauer muss auf dem Weg zu Nixons berühmter Beichte ein Bombardement mit historischen Details befürchten. Mit etwas Vorwissen ist man gerüstet, denn hier geht es um ein Duell der Persönlichkeiten, der Worte und der Strategien. "Frost/Nixon" ist kein sprödes Thesenkino, sondern intelligentes Entertainment. Howard, wie Morgan für einen Golden Globe nominiert, inszeniert konventionell, aber kompetent und arbeitet das Menschliche hinter den Masken gut heraus. Langella, kein Nixon-Klon, transzendiert alles Äußerliche, rehabilitiert nicht den Politiker, sondern den smarten, einsamen Mann. Auch Sheen hat eine schwierige Rolle, oszilliert zwischen Unsicherheit, Charme und Selbstverliebtheit. Im Unterschied zu Langella wurde er bei den Golden Globes ignoriert, doch das ist der einzige Schauplatz, auf dem er der Verlierer ist. kob.

Darsteller:  Michael Sheen   als David Frost
  Frank Langella   als Richard Nixon
  Kevin Bacon   als Jack Brennan
  Rebecca Hall   als Caroline
  Toby Jones   als Swifty Lazar
  Matthew Macfadyen   als John Birt
  Oliver Platt   als Bob Zelnick
  Sam Rockwell   als James Reston
 
Regie:  Ron Howard  
Buch:  Peter Morgan  
Musik:  Hans Zimmer  
Kamera:  Salvatore Totino  
Produzent:  Ron Howard  
  Tim Bevan  
  Eric Fellner  
  Brian Grazer  

Oscars für Ledger, Winslet und Penn

Die Nacht der Nächte hat endlich mal wieder gehalten, was man sich von ihr verspricht: ganz große Emotionen!

Die großen Sieger bei den Schauspielern: Heath Ledger, Kate Winslet und Sean Penn (Foto: Warner, © A.M.P.A.S.) Großansicht

Die großen Sieger bei den Schauspielern: Heath Ledger, Kate Winslet und Sean Penn (Foto: Warner, © A.M.P.A.S.)

Was für eine Gala! Moderator Hugh Jackman wirbelte singend, tanzend und feine Pointen abfeuernd durch den Abend, auf der Bühne herrschte ein nie dagewesener Auflauf von Hollywood-Größen und dazu gab's einen der anrührendsten Momente der Oscar-Geschichte überhaupt - die Worte von Heath Ledgers Schwester Kate, nachdem dieser den Preis als bester Nebendarsteller in "The Dark Knight" zugesprochen bekam:

"Wir hatten so viel über das gesprochen, was der Joker bedeuten könnte, wir hatten sogar zusammen davon geträumt, vielleicht hier zu stehen - und ich wünschte so sehr, das würdest Du!" Dafür erntete Kate Ledger feuchte Augen überall im Publikum, von Anne Hathaway bis Robert Downey jr. Vater Kim Ledger bedankte sich beim gesamten Saal für die Standing Ovations: "Dieser Preis bedeutet das, was Heaths größter Wunsch war, nach dem er in aller Bescheidenheit strebte: Von Ihnen allen angenommen und geschätzt zu werden!" Es war erst der zweite postume Oscar nach Peter Finch 1976.

Heimsten die meisten Goldjungs ein: Danny Boyle, Madhur Mittal, Freida Pinto und Dev Patel für "Slumdog Millionär" (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Heimsten die meisten Goldjungs ein: Danny Boyle, Madhur Mittal, Freida Pinto und Dev Patel für "Slumdog Millionär" (Foto: © A.M.P.A.S.)

Ich glaub, mein Daddy pfeift!

Der erfolgreichste Film des Abends war "Slumdog Millionär" über einen armen indischen Quizteilnehmer, der bei zehn Nominierungen acht Oscars gewann, darunter in den Königskategorien Bester Film und Beste Regie. Danny Boyle grüßte seinen beiden kleinen Kids und sprach allen aus der Seele, als er sagte: "Ich weiß nicht, wie's am Fernseher rüberkommt, aber die Show heute Abend ist verdammt wundervoll!"

Kate Winslet konnte wie erwartet im sechsten Anlauf endlich den heiß ersehnten Goldjungen an die Brust drücken: für ihren schauspielerischen Kraftakt als ehemalige KZ-Aufseherin in der Romanverfilmung "Der Vorleser". Während ihrer gesamten Rede kämpfte sie mit zittriger Stimme gegen die Tränen, nachdem sie erst ihren Vater gebeten hatte, er soll gefälligst mal laut pfeifen, damit sie ihn sehe - was dieser prompt lautstark tat. Winslet dankte besonders Peter Jackson, der ihr in "Heavenly Creatures" das Filmdebüt ermöglicht hatte und erklärte: "Wir vier anderen Nominierten können es eh nicht fassen, mit Meryl Streep in der selben Kategorie zu sein. Tja, Meryl, da musst Du jetzt durch..."

Sean Penn fuhr für "Milk" einen Überraschungssieg ein und forderte "Gleichberechtigung für alle Gruppierungen" (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Sean Penn fuhr für "Milk" einen Überraschungssieg ein und forderte "Gleichberechtigung für alle Gruppierungen" (Foto: © A.M.P.A.S.)

Landei vor der Ohnmacht

Etwas überraschend stach bei den Hauptdarstellern Sean Penn als Schwulenrechtler in "Milk" den Favoriten Mickey Rourke ("The Wrestler") aus. Zuvor hatte Penn die schönste Lobrede des Abends von seinem Laudator Robert De Niro zu hören bekommen: "Heute geht es um den besten Schauspieler, aber im Leben geht es darum, der beste Mensch zu sein. Und das ist mein Freund, Sean Penn, der behutsam Regierungen eine bessere Politik vorschlägt und milde und gütig den Paparazzi seine Überzeugungen näher bringt." Darauf meinte Penn: "Ich weiß, ich mache es niemandem leicht, mich zu mögen." Auch er spürte wohl, dass man eher mit Rourke als Sieger gerechnet hatte und verabschiedete sich mit den Worten: "Mickey kommt wieder ganz nach oben und er ist mein Bruder!"

Große Worte fand auch Penélope Cruz, die erwartungsgemäß den Preis als beste Nebendarstellerin für ihre energiegeladene, sexy Künstlerin in Woody Allens Liebesgroteske "Vicky Cristina Barcelona" gewann. "Ich falle hier gleich als erste in Ohnmacht", scherzte sie erst und erklärte: "Ich habe als Kind immer davon geträumt hier zu stehen, was kein besonders realistischer Traum ist, wenn man in einem Kaff wie Alcobendas lebt. Ich bin als Kind immer aufgeblieben um diese Show anzusehen, weil ich fand, dass dieser Abend die Welt vereint. Kunst ist die Sprache, die die ganze Welt versteht, wir müssen alles tun, was wir können, um sie zu schützen."

Jochen Freydank bejubelte seinen Überraschungs-Oscar für "Spielzeugland" (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Jochen Freydank bejubelte seinen Überraschungs-Oscar für "Spielzeugland" (Foto: © A.M.P.A.S.)

Oscar nach Deutschland

Auch für Deutschland gibt es Grund zur Freude: Jochen Alexander Freydank gewann den Oscar für seinen Kurzfilm "Spielzeugland", in dem eine Mutter 1942 ihrem Sohn erzählt, die jüdischen Nachbarn müssten bald verreisen - ins titelgebende "Spielzeugland". Der Produzent der TV-Serie "In aller Freundschaft" erklärte dem US-Publikum: "Ich bin in Ostdeutschland aufgewachsen, also jenseits der Mauer. Da schien Westdeutschland schon unerreichbar - erst Recht, der Ort, an dem ich jetzt hier stehe."

In der Kategorie nicht-englischsprachiger Film zog dagegen das deutsche RAF-Drama "Der Baader Meinhof Komplex" überraschend gegen den japanischen Konkurrenten "Departures" den Kürzeren, in dem ein arbeitsloser Cellist eine Stelle in einem Bestattungsunternehmen annimmt. Hier hatten alle mit einem Sieg des israelischen Beitrags "Waltz with Bashir" gerechnet. Auch Werner Herzogs Antarktis-Doku "Encounters at the End of the World" musste "Man on Wire" über den Drahtseilkünstler Philippe Petit den Vortritt lassen.

Hugh Jackman mit den angesagten Musical-Profis aus "Mamma Mia!", "High School Musical" und "Dreamgirls" zusammen. (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Hugh Jackman mit den angesagten Musical-Profis aus "Mamma Mia!", "High School Musical" und "Dreamgirls" zusammen. (Foto: © A.M.P.A.S.)

13 Chancen, drei Trostpreise

Der größte Verlierer des Abends war aber "Der seltsame Fall des Benjamin Button", der bei 13 Nominierungen nur drei Oscars gewann, und diese nur in den Nebenkategorien Ausstattung, Make-up und Visual Effects. Das Polit-Drama "Frost/Nixon" ging bei fünf Chancen sogar komplett leer aus. Zum besten Animationsfilm wurde erwartungsgemäß "WALL·E - Der Letzte räumt die Erde auf" gekürt.

Gewinner des Abends war aber vor allem auch der Moderator Hugh Jackman, der seine Qualitäten als Musical-Star voll ausspielte - ob in seiner gesungenen Eröffnungspersiflage auf die fünf als bester Film nominierten Werke oder in einem Potpourri aus Musical-Klassikern gemeinsam mit den Jungstars Zac Efron und Vanessa Anne Hudgens aus "High School Musical", Amanda Seyfried und Dominic Cooper aus "Dominic Cooper" sowie Beyoncé Knowles. Der gesamten Show war deutlich die Handschrift des neuen Produzenten Bill Condon anzumerken, dem Regisseur von "Dreamgirls". So spritzig-witzig waren die Oscars seit Jahren nicht mehr.

Was für ein Gruppenbild: Robert De Niro, Michael Douglas, Anthony Hopkins und Ben Kingsley (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Was für ein Gruppenbild: Robert De Niro, Michael Douglas, Anthony Hopkins und Ben Kingsley (Foto: © A.M.P.A.S.)

Geballte Oscar-Power

Auch das große Geheimnis um die Laudatoren, mit dem die Academy das zuletzt erlahmende Interesse an der Verleihungszeremonie neu schüren wollte, wurde mit einem Knalleffekt gelüftet. Statt nur eines einzigen Vorjahresgewinners als Preisüberbringer tummelten sich bei den Darstellern gleich jeweils fünf Oscarpreisträger aus den letzten Jahrzehnten auf der Bühne, die jeweils einen Nominierten vorstellen. Wann sieht man schon mal Robert De Niro, Michael Douglas, Sir Ben Kingsley, Sir Anthony Hopkins und Adrien Brody auf der selben Bühne - oder Sophia Loren mit Shirley MacLaine, Halle Berry, Marion Cotillard und Nicole Kidman.

Daneben glänzten als Überbringer der Goldjungs Natalie Portman, Ben Stiller, Will Smith, Reese Witherspoon, Daniel Craig und Sarah Jessica Parker - sowie Eddie Murphy, der seinem Vorbild, dem Kultkomiker Jerry Lewis, einen Ehrenoscar überreichen durfte.

Den Spruch des Abends brachte aber kein Komiker, sondern der Komponist A. R. Rahman, der für die Musik in "Slumdog Millionär" geehrt wurde. Er begann seine Dankesrede mit den Worten: "So viel Angst hatte ich das letzte Mal vor meiner Hochzeit!"

 

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