DVD Kaufvideo

Funny Games

Kontrovs diskutierte Auseinandersetzung zum Thema Gewalt und fortschreitender Verrohung der Sehgewohnheiten.


Funny Games

Kaufvideo

Erhältlich seit:
16.11.2005

Drama

Österreich 1997
Laufzeit: 104 Min.
FSK: nicht unter 18

Susanne Lothar
Ulrich Mühe
Frank Giering

Regie: Michael Haneke
Concorde Home Entertainment

Bild 1 von 3

Filmbewertung


(0 Bewertungen)
Die Ausstattung

Die Technik

Haben Sie den Film schon gesehen?

Jetzt bewerten!


 
Funny Games

Georg und Anna wollen gemeinsam mit Sohn Georgie ihren Urlaub in einem Ferienhaus am See verbringen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft wird die traute Idylle durch zwei in Weiß gewandete Männer namens Peter und Paul empfindlich gestört. Die beiden halten sich nicht lange mit Nebensächlichkeiten auf und geben der Familie sehr schnell zu verstehen, daß sie es auf das Leben der hilflosen Menschen abgesehen haben. Ihre Opfer sollen zunächst auf äußerst sadistische Weise mit "komischen Spielen" gefoltert werden.

Wie bei "Bennys Video" präsentiert Österreichs Regie-Enfant-Terrible Michael Haneke auch mit diesem verstörenden Horror-Thriller ein kompromißloses, erschreckendes Gewaltszenario. Doch bei Haneke finden Mord und Totschlag nicht vor laufenden Kameras statt, sondern in der Phantasie des Zuschauers. "Funny Games" - mit den Theatergrößen Susanne Lothar und Ulrich Mühe exquisit besetzt - will denn auch nicht unterhalten, sondern vielmehr provozieren, zum Nachdenken zwingen und allzu oft auch belehren. Für Diskussionsstoff wird diese kontroverse Filmlektion auf jeden Fall sorgen.

Funny Games

Für die einen ist es eine emotionale Höllenfahrt, für die anderen ein intellektuelles Ärgernis: Michael Hanekes didaktischer Horrorthriller "Funny Games" provoziert und spaltet sein Publikum, aber er läßt es nicht kalt. Die kompromißlose Logik, mit der Haneke seine Geschichte zum schrecklichen Ende führt, und seine inszenatorische Sorgfalt sorgen dafür, daß "Funny Games" lange Gesprächsthema bleiben wird.

In Cannes lockte der österreichische Wettbewerbsbeitrag die Presse mit dem sorgfältig verteilten Hinweis, der Film sei womöglich zuviel für die Nerven der angereisten Journalisten. Das war er in mancherlei Hinsicht: die einen traf er mitten in den Bauch, die anderen schlug er vor den Kopf. Der Autor erreichte, was er wollte: Sein Film regt zum Nachdenken an und reizt zum Widerspruch.

Gewalt und Medien ist das Thema, das Haneke umtreibt, zumindest seit seinem Kritikererfolg "Bennys Video". Auf diesen leidenschaftslosen Mörder "Benny" (Arno Frisch), inzwischen herangewachsen, trifft mit den Theatergrößen Susanne Lothar und Ulrich Mühe sowie dem kleinen Stefan Clapczynski eine beispielhaft harmonische Kernfamilie, die auf dem Weg ins Sommerdomizil noch arglos und von Ernst Stankowsky beseelt klassische Melodien rät, nur um im Haus am See das Lied vom Tod zu hören. Kaum haben sich die drei in ihrer Kleinbürgeridylle eingerichtet, tauchen zwei mit der Zeit höchst verdächtige Burschen auf, in Unschulds- oder Todesengelweiß gewandet und versehen mit den beziehungsreich austauschbaren Namen Peter und Paul, die erst zynisch amüsant, dann spielerisch quälend und schließlich tödlich brutal ihre Opfer piesacken.

Selten ist eine Familie vor laufender Kamera bzw. in ihrem Off scheinbar so grundlos, sinnlos und beiläufig sadistisch hingerichtet worden. Kein Selbstzweck, läßt der Autor wissen, sondern didaktische Notwendigkeit: Denn Haneke will seinem Publikum eine Lektion erteilen. Gedankenlos wird allenthalben Gewalt in den Medien konsumiert. Gemeint ist weniger der überlebensgroße Schrecken im Kino, in dem sich das Publikum angst- bzw. lustvoll, aber konzentriert vor den gespielten Schmerzen windet, gemeint sind die laufenden TV-Bilder, die Mord und Totschlag mit Zahnpasta- und Monatsbindenwerbung mildern. So dominiert denn auch auch ein riesiges TV-Gerät den living room der unglücklichen Familie, in der statt gelebt, gelitten und gestorben wird.

Seine Hausaufgaben hat Haneke fast alle gemacht: Mit Hitchcock'scher Perfektion weiß er den Suspense zu steigern, läßt die Kamera mitleidlos in der Küche weilen, wenn nebenan hörbar gestorben wird. Bunt treibt er es in seinem oberlehrerhaften Eifer schon, wenn er seinen Mörder viel zu oft die geneigten Zuschauer augenzwinkernd zum Mittöten ermuntern oder wenigstens zu gewaltgeilen Voyeuren degradieren läßt. Daß er sich der gleichen spekulativen Mitteln bedient wie der gemeine Thriller, will sich Haneke nicht nachsagen lassen. Das Morden geschieht im Off sorgfältig kadrierter Bilder, sichtbar machen will er dagegen den Schmerz. Auf ihm ruht die Kamera lang und ausgiebig. In Momenten unerwünschter Identifikation hält Haneke den Zuschauer immer wieder auf Distanz: Nachdenken statt mitfühlen ist seine Devise.

So bleibt ein Unbehagen, daß Haneke sein medienpädagogisches Anliegen mit dem Vorschlaghammer vorträgt und die Funktion der Gewalt im Film verkennt, die nicht bloß gedankenlosen Voyeurismus bedient, sondern tiefliegende Ängste optisch benennt. Kontroverses Kino, dem viel Aufmerksamkeit sicher ist, ist ihm in jedem Fall gelungen.

Funny Games

"Ich versuche Wege zu finden, um Gewalt als das darzustellen, was sie immer ist, als nicht konsumierbar. Ich gebe der Gewalt zurück, was sie ist: Schmerz, eine Verletzung anderer." (Michael Haneke). Für die DVD-Veröffentlichung von Michael Hanekes äußerst kontrovers diskutierter filmischer Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt wurde der Film noch einmal Regisseur überarbeitet. Die DVD enthält darüber hinaus Interviews mit Michael Haneke sowie den beiden Hauptdarstellern und erscheint zudem in einer limitierten Sonderverpackung.


Anna, Georg, ihr Sohn Schorsch und - nicht zu vergessen - der Familienhund verbringen ihren Urlaub in ihrer Ferienvilla am See. Lange schon freut sich die Familie, endlich den grauen Alltag hinter sich lassen zu können und ein paar Tage auszuspannen, am See zu liegen und einfach die Seele baumeln zu lassen.

Kurz nach ihrer Ankunft stellt sich Ihnen ein junger Mann namens Paul vor, anscheinend ein "Urlaubsnachbar". Wenig später - Anna ist gerade dabei auszupacken während ihr Mann gemeinsam mit dem Sohn das Segelboot aufbaut - taucht ein zweiter junger Mann auf, der sich als Peter vorstellt und ganz offensichtlich ein Freund von Paul ist. Der etwas schüchterne Peter bittet Anna um ein paar Eier für die Nachbarin Eva, Anna borgt sie ihm selbstverständlich aus. Als Peter die Eier aus Versehen fallen lässt und nach neuen Eiern fragt, taucht sein Freund Paul plötzlich auf. Die beiden jungen Männer betreten das Haus und sind auch durch Annas freundliche Bitte, das Ferienhaus zu verlassen, nicht zum Umdrehen zu bewegen. Selbst als Georg und Schorsch mit etwas Nachdruck darum bitten, passiert nichts - im Gegenteil, die beiden jungen Männer, die zunächst so harmlos und freundlich wirkten, haben vor, länger zu bleiben.

Die Urlaubsidylle der Familie wird schlagartig und brutal zerstört. Peter und Paul kidnappen die drei und schließen mit ihnen eine Wette ab: Sie wetten, dass die Familie in zwölf Stunden nicht mehr am Leben sein wird. Wenn Anna, Georg und Schorsch sich allerdings gut benähmen, dürften sie noch bis zum nächsten Morgen leben.

Auf die Frage, warum sie die Familie mit Gewalt festhalten und bedrohen, antworten die beiden Männer nur mit einem lapidaren "warum denn nicht?". Augenscheinlich genießen sie es, Anna, Georg und Schorsch mit ihren sadistischen "Spielchen" zu quälen und sie haben auch nicht vor, ihre "komischen Spiele" vorzeitig zu beenden.


Hanekes fast unerträgliche Gewaltdemonstration, die seit ihrer Uraufführung in Cannes immer wieder für Diskussionsstoff sorgt. Ein gnadenloser Alptraum aus dem es kein Entrinnen gibt - und der trotz allem sehenswert ist.

Quelle: Concorde

Interview mit Regisseur Michael Haneke
Interviewclips mit den Hauptdarstellern Ulrich Mühe und Susanne Lothar
Gesammelte Pressezitate
Trailer zu weiteren Kinofilmen auf DVD

Quelle: Concorde

Darsteller:  Susanne Lothar   als Anna
  Ulrich Mühe   als Georg
  Frank Giering   als Peter
  Arno Frisch   als Paul
  Stefan Clapczynski   als Schorsch
  Doris Kunstmann   als Gerda
  Christoph Bantzer   als Fred
  Wolfgang Glück   als Robert
  Susanne Meneghel   als Gerdas Schwester
  Monika von Zallinger   als Eva
 
Regie:  Michael Haneke  
Buch:  Michael Haneke  
Musik:  Richard Wagner  
Kamera:  Jürgen Jürges  
Produzent:  Prof. Dr. Veit Heiduschka  
 

Fassungen

 

facebook

 

Features

 

Star

Susanne Lothar

Das Hauptgewicht ihrer Arbeit liegt auf der Bühne. Susanne Lothar hat im Lauf ihrer Theaterkarriere praktisch alle wichtigen Bühnenpreise...

 

Star

Ulrich Mühe

Der starke Sanfte. Ulrich Mühe nimmt sich stets zurück, zeigt Würde, Ruhe und Beherrschung, ohne zwanghaft, verklemmt oder neurotisch zu wirken....