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Gainsbourg - Popstar, Poet, Provokateur

Aus dem wilden und leidenschaftlichen Leben einer französischen Ikone des 20. Jahrhunderts, vom Popstar, Poet und Provokateur Serge Gainsbourg, erzählt Comic-Autor Joann Sfar in einem fantastischen Filmmärchen.


Gainsbourg - Popstar, Poet, Provokateur

Leihvideo

Erhältlich seit:
31.03.2011

Originaltitel: Gainsbourg, vie héroïque

Drama/ Biographie

Frankreich 2009
Laufzeit: 116 Min.
FSK: ab 12

Eric Elmosnino
Lucy Gordon
Laetitia Casta

Regie: Joann Sfar
Prokino Filmverleih GmbH

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Gainsbourg - Popstar, Poet, Provokateur

Serge Gainsbourg wächst als Sohn russisch-jüdischer Eltern auf und lernt schnell, dass mit seiner Visage kein Staat zu machen ist. Nachdem er sich als junger Mann zunächst erfolglos als Maler versucht, entdeckt er seine Liebe zur Musik. Vom Barpianisten arbeitet sich Serge hoch zur Ikone des Chansons, der die Popkultur Frankreichs verändert und auch als Womanizer Schlagzeilen macht. Brigitte Bardot, Juliette Gréco und Jane Birkin gehören zu seinen Eroberungen, denen er maßgeschneiderte Songs auf den kurvenreichen Leib schreibt.

Comic-Zeichner Joann Sfar bringt das wilde Leben der französischen Ikone nicht als klassisches Biopic, sondern als fantastisches Märchen auf die große Leinwand. Animation und Realfilm verbinden sich darin zu einer erstaunlich stimmigen Filmmelodie. Die fragmentarische Zusammensetzung der Szenen ähnelt einem Puzzle, das in der ersten Hälfte fulminant geglückt ist. Gegen Ende wirken manche Szenen anekdotisch. Ein Glücksgriff ist die Besetzung, allen voran Eric Elmosnino in der Titelrolle, aber auch die Damenriege, die sogar selbst singt.

Gainsbourg - Popstar, Poet, Provokateur

Aus dem wilden und leidenschaftlichen Leben einer französischen Ikone des 20. Jahrhunderts, vom Popstar, Poet und Provokateur Serge Gainsbourg, erzählt Comic-Autor Joann Sfar.

"Je t'aime...moi non plus", ein erotisch gehauchtes Gänsehaut-Chanson, ein offenes Plädoyer für Erotik, Ehebruch und puren Sex, war 1969 ein Skandal und eine Provokation vom Liebespaar Serge Gainsbourg und Jane Birkin. Das Leben des "enfant terrible" und Allroundgenie Gainsbourg bringt Joann Sfar auf sehr ungewöhnliche Weise auf die Leinwand. Nicht als das übliche Biopic mit Rekonstruktion eines Lebens, sondern als fantastisches Märchen über einen Mann, der als Kind russisch-jüdischer Eltern sich den gelben Judenstern stolz an die Jacke heftet, auf einem antisemitischen Plakat eine Karikatur entdeckt, die Ähnlichkeit mit ihm hat und zum Leben erwacht, und als sein Alter Ego "Die Fresse" nie mehr von seiner Seite weicht. Sfar, ein angesehener und ungemein produktiver Comic-Zeichner, begleitet Gainsbourg vom Jungen, der unter deutscher Besatzung und Angst vor Deportation aufwächst, zuhause unter den Argusaugen seines Vaters lustlos auf dem Klavier herumhämmert, Maler werden will und dann seine Werke verbrennt, zum Mann, der es vom kleinen Barpianisten zur Ikone des Chansons und genialen Künstler brachte, der in den Fünfzigerjahren das Bohème-Viertel Saint-Germain des Près unsicher machte, und zum Womanizer, der die Swinging Sixties in vollen Zügen genoss und die schönsten Frauen von Juliette Gréco über Brigitte Bardot bis hin zu Jane Birkin verzauberte und verführte, ihnen die wunderbarsten Songs auf den perfekten Body schrieb.

Die fragmentarische Zusammensetzung der Szenen ähnelt einem Puzzle, dessen Einzelteile sich sukzessive zu einem komplexen Ganzen zusammensetzen, ein abenteuerlicher Trip in seelische Grauzonen, in ein künstlerisches Nirwana und die Psyche eines Mannes, der sich zu Tode lebte. Animation und Realfilm verbinden sich zu einer erstaunlich stimmigen Filmmelodie. In der ersten Hälfte ist die Kombination fulminant geglückt, gegen Ende wirken manche Szenen anekdotisch, so der unheimlich starke Auftritt Gainsbourgs vor Veteranen bei der Reggae-Version der Marseilleise. Die Selbstzerstörung, die Alkoholsucht und die Ausfälle der letzten Jahre werden zurückhaltend, fast schamhaft inszeniert, vielleicht, um den Mythos nicht anzukratzen. Ein Glücksgriff ist die Besetzung: Eric Elmosnino mit Dreitagebart, den unvermeidlichen Gitanes und einem melancholischen Blick, der Frauen jeden Alters dahin schmelzen lässt. Die Damenriege (singt übrigens selbst) mit Laetitia Casta, die Brigitte Bardot zum Verwechseln ähnlich sieht, Anna Mouglalis als vor dunkler Sinnlichkeit sprühende Juliette Gréco und einer fragilen Lucy Gordon, deren Suizid 2009 schockierte, als liebende Jane Birkin. "Gainsbourg" ist Bauch- und Überlebenskino über eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Nach dem Kino möchte man eine Gitane anzünden, einen Vin Rouge genießen und bei "La Javanaise" auf Zeitreise gehen - ohne Nostalgie, aber mit wehmütiger Lust. mk.

Darsteller:  Eric Elmosnino   als Serge Gainsbourg
  Lucy Gordon   als Jane Birkin
  Laetitia Casta   als Brigitte Bardot
  Doug Jones   als Gainsbourgs Alter Ego "Die Fresse"
  Anna Mouglalis   als Juliette Greco
  Mylène Jampanoi   als Bambou
  Sara Forestier   als France Gall
  Kacey Mottet Klein   als Lucien Ginsburg
  Razvan Vasilescu   als Joseph Ginsburg
  Dinara Drukarowa   als Olga Ginsburg
  Philippe Katerine   als Boris Vian
  Yolande Moreau   als Elisabeth
  Orphelia Kolb   als Model
  Claude Chabrol   als Musikproduzent
  François Morel   als Internatsleiter
  Philippe Duquesne   als Lucky Sarcelles
  Angelo Debarre   als Zigeuner mit der Gitarre
  Grégory Gadebois   als Phyphy
  Alice Carel   als Judith
  Roger Mollien   als Vater von France Gall
 
Regie:  Joann Sfar  
Buch:  Joann Sfar  
Kamera:  Guillaume Schiffman  
Produzent:  Marc du Pontavice  
  Didier Lupfer  

"Eine Persönlichkeit wie Lady Gaga "

Mit "Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte" bringt Joann Sfar, Star der französischen Comic-Szene, fantasievoll das wilde Leben des legendären Musikers auf die Leinwand.

Expressiv wie Lady Gaga: Joann Sfar setzt dem Genie Serge Gainsbourg ein filmisches Denkmal (Foto: Prokino) Großansicht

Expressiv wie Lady Gaga: Joann Sfar setzt dem Genie Serge Gainsbourg ein filmisches Denkmal (Foto: Prokino)

Was brachte Sie vom Zeichentisch zum Filmset?
JOANN SFAR: Meine Zeichenkollegen haben mich dazu gedrängt. Und der Film mit seinen Tönen hat mich fasziniert. Zu hören, wie ein Schauspieler einen Dialog sagt, das war total neu für mich. Ich möchte in Europa Filme in der fantastischen Tradition von Guillermo del Toro oder Tim Burton realisieren. Kopfzerbrechen macht mir das Schreiben. Um mich in Gainsbourgs Zustand zu versetzen, habe ich einiges getrunken, eine ziemlich gefährliche Gratwanderung. Als Hauptdarsteller Éric Elmosnino dazustieß, regelten sich die Probleme. Er war das Herz des Ganzen. Die Dreharbeiten zu "Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte" waren einfach toll, meine Zukunft sehe ich deshalb als Comic-Zeichner und als Filmregisseur.

Ist das nicht etwas viel?
Das Leben ist zu kurz, um sich auszuruhen. Im Geschichtenerzählen bin ich viel besser als im wirklichen Leben. Meines ist nicht sehr interessant, deshalb stecke ich meine Energien voll in imaginäre Welten - dort fühle ich mich glücklich. Als Comic-Zeichner bin ich auf mich gestellt und genieße viel Freiheit, beim Film gibt es viel mehr Zwänge. Ich liebe es, wenn man mir sagt, dieses oder jenes ist unmöglich, wir haben zu wenig Geld. Da fühle ich mich herausgefordert, neue Ideen zu entwickeln und Widerstände zu überwinden. Risiken spornen mich an.

Gibt es heute überhaupt noch Typen wie Serge Gainsbourg?
Wer mich am meisten an Serge Gainsbourg erinnert, ist Lady Gaga, eine Persönlichkeit, die ihre Komplexe im Leben auf der Bühne überwindet und eine Fantasiewelt schafft. In Frankreich fehlt uns so eine Figur, ist ein Provokateur wie Gainsbourg heute fast undenkbar. Mein Land ist heute dafür bekannt, Roma wegzuschaffen. Wir entwickeln uns zu einem armen und sterilen Land, das beunruhigt mich. Man muss die Situation analysieren, auch was das Kino angeht: Nur europäische Koproduktionen erlauben noch große Budgets. Trotz vielfältigem Talent in Europa sind wir aber nicht in der Lage, eine europäische Kulturpolitik auf die Beine zu stellen. Jede Nation verteidigt ihre Interessen. Die Zeit der Kleinstaaterei ist vorbei, wir müssen jetzt europäisch denken und handeln.

Noch gilt Frankreich als Filmnation.
Noch! Wenn Universal Pictures mir nicht unter die Arme gegriffen hätte, gäbe es meinen Film nicht. Das ist symptomatisch. Es werden viele Filme in Frankreich produziert, die meisten mit TV-Beteiligung. Gefragt sind da Familienkomödien. Wer da ausschert, hat es schwer.

Warum verschob sich der Start Ihrer Comic-Verfilmung "Die Katze des Rabbiners" immer wieder?
Den Film habe ich ein Jahr vor "Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte" begonnen. Es ist ein Riesenprojekt, an dem fast 300 Mitarbeiter über drei Jahre hinweg arbeiten, auch weil alle Zeichnungen per Hand gemacht werden. Natürlich hofften wir auf eine Präsentation in Cannes, die wäre allerdings in 2D gewesen und der Film im Juni gestartet. Jetzt sind wir nicht mehr unter Zeitdruck und nutzen sechs zusätzliche Monate für die Umsetzung der alten Zeichnungen in 3D, nicht wie bei Pixar, sondern als Trip in ganz neue Bilderwelten. Die Berlinale wäre eine tolle Plattform.

Ihre eigene Produktionsfirma Autoche-nille produziert nicht nur "Die Katze des Rabbiners", sondern auch die Comic-Verfilmung "Aya" sowie zwei weitere Animationsprojekte. Warum wollen Sie auch Produzent sein?
Um meine Ideen zu verteidigen. Außerdem bin ich Kontrollfreak und in der Arbeit nicht sehr demokratisch. Filmemachen ist das letzte Refugium der Tyrannei, und unglücklicherweise gehe ich sehr tyrannisch mit den Leuten um, aber sie wollen alle wieder mit mir arbeiten, weil wir uns auch amüsieren und ich ihnen zuhöre.

 

Gainsbourg - Popstar, Poet, Provokateur in der Fotoshow

 

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