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Gefahr und Begierde

Erotisch aufgeladener Spionagethriller und existenzielles Drama über eine zerstörerische Obsession im Shanghai der Vierziger.


Gefahr und Begierde

Leihvideo

Erhältlich seit:
16.04.2008

Originaltitel: Se, jie

Drama

USA/China/Taiwan 2007
Laufzeit: 153 Min.
FSK: ab 16

Tony Leung Chiu-wai
Wei Tang
Joan Chen

Regie: Ang Lee
Universum Film

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Der diesjährige Gewinner des "Goldenen Löwen" von Venedig: Ang Lees berauschend-sinnlicher Thriller um gefährliche Lust und verbotene Liebe.

Wahre Liebe war nicht eingeplant (Foto: Tobis) Großansicht

Wahre Liebe war nicht eingeplant (Foto: Tobis)

Ins pulsierende Shanghai der 40er Jahre treibt es diesmal Meisterregisseur Ang Lee (Oscar für "Brokeback Mountain"), in die Zeit der japanischen Besatzung und des chinesischen Widerstands. Eine Gruppe junger idealistischer Studenten hat es sich zum Ziel gesetzt, einen hohen Beamten und Kollaborateur der Besatzer in eine tödliche Falle zu locken.

Der genau ausgetüftelte Plan scheint aufzugehen. Das ahnungslose Opfer kann der Verführungskraft des weiblichen Lockvogels (sinnlich: Newcomerin Wei Tang) nicht widerstehen. Dass die beiden sich ineinander verlieben, durchkreuzt jedoch das riskante Vorhaben...

Wang ist innerlich zerrissen (Foto: Tobis) Großansicht

Wang ist innerlich zerrissen (Foto: Tobis)

Im Netz gefangen

Tony Leung, Star aus Wong Kar Wai-Filmen wie "In the Mood for Love", spielt hier einen skrupellosen Mann voller Melancholie in den Augen, der sich genau wie die verführerische Studentin immer mehr im Netz aus Obsessionen, Gefahr und Begierde verliert.

Ein vor Erotik vibrierender Spionagethriller, der zudem mit gewagten Sex-Szenen überrascht. Ein Meisterwerk, ausgezeichnet mit dem "Goldenen Löwen" in Venedig!

Gefahr und Begierde

Der sexuell gewagte Spionage-Thriller aus dem China des Zweiten Weltkrieges brachte Ang Lee überraschend den Goldenen Löwen in Venedig ein.

Der gebürtige Taiwanese und Wahl-Amerikaner kehrt nach dem fulminanten, vor zwei Jahren mit dem Goldenen Löwen ausgezeichneten schwulen Cowboydrama "Brokeback Mountain" zu seinen Wurzeln zurück. Von den Bergen in Wyoming treibt es ihn ins pittoreske Shanghai der 40er Jahre, die Zeit der japanischen Besatzung und des chinesischen Widerstands. Eine Gruppe junger Idealisten hat es sich zum Ziel gesetzt, einen den Japanern ergebenen Kollaborateur zu ermorden. Nur dass sich der verführerische Lockvogel und der skrupellose Verhör-Experte ineinander verlieben, durchkreuzt den genau ausgetüftelten Plan. Einen "erotischen Spionagethriller" nennt Ang Lee seinen Film und präsentiert harte Sex-Szenen und in sich verschlungene Leiber, mit der Folge eines NC17-Rating in USA. Am Set ließ er nur vier Leute zu, um die intime Atmosphäre zu wahren. Ein von Melancholie umwehter Tony Leung ist so gut wie in Wong Kar-Wai-Filmen, seine Partnerin Tang Wei wird mit Maria Schneider in Bertoluccis "Der letzte Tango in Paris" verglichen. Als junge Schauspielerin Wong Chia Chi wird sie durch einen anderen Studenten politisiert und Mitglied einer militanten Gruppe. Nachdem das potenzielle Opfer die Falle vermeidet und überraschend von Hongkong nach Shanghai zieht, versucht Wong drei Jahre später durch dessen Frau und ihren Mahjong-Zirkel Kontakt aufzunehmen und wird bald als Mrs. Mak seine Geliebte, immer tiefer gerät sie in einen Strudel unkontrollierter Gefühle, in die Kollision von politischem Bewusstsein und Bauch. In letzter Minute vor dem finalen Coup warnt sie ihn und zahlt dafür einen hohen Preis.

Aus einer Kurzgeschichte von Eileen Chang, die auf Tatsachen beruhen soll, entwickelt sich ein existenzielles Drama über eine zerstörerische Obsession, die beide Protagonisten in einem Netz aus dunkler Lust gefangen hält. Die Ingredienzien: Liebe, Leidenschaft, Verrat. Sukzessive entsteht das Porträt eines in Pflicht gefangenen Bürokraten des Todes, der sich selbst kaum Freiheit konzediert, erst durch Vergewaltigung und Demütigung der Frau Lust gewinnt. Tony Leung wandelt sich glaubhaft vom rüden Lover zum sensiblen Mann, der sich mehr und mehr der Fremden offenbart, sogar in seiner Arbeit als eiskalten Inquisitor. Die Kamera (Osella für Rodrigo Prieto) gibt der nicht gerade leichten Geschichte eine visuelle Opulenz, es dauert allerdings etwas, bis bei dieser kühlen, wenn auch sorgfältigen Inszenierung mit einer überlangen Metzelszene zu Beginn der Funke überspringt.

"Gefahr und Begierde" ist vielleicht nicht Ang Lees bester Film, aber unterstreicht seine Position als außergewöhnlicher Regisseur, der sein Handwerk bis aufs I-Tüpfelchen beherrscht. mk.

Darsteller:  Tony Leung Chiu-wai   als Herr Yi
  Wei Tang   als Wang Jiazhi
  Joan Chen   als Frau Yi
  Lee-Hom Wang   als Kuang Yu-Min
  Anupam Kher   als Indischer Juwelier
  Chih-ying Chu  
  Johnson Yuen  
 
Regie:  Ang Lee  
Buch:  James Schamus  
  Wang Hui Ling  
Musik:  Alexandre Desplat  
Kamera:  Rick Prieto  
Produzent:  Bill Kong  
  Ang Lee  
  James Schamus  

Heulkrampf bei Sex-Szene

Davon träumt jeder Schauspieler: einmal so gut sein, dass der Regisseur völlig außer Fassung gerät!

Nah am Wasser gebaut: Ang Lee (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Nah am Wasser gebaut: Ang Lee (Foto: Kurt Krieger)

Gelungen ist das einem Darsteller-Duo beim Dreh zum Drama "Gefahr und Begierde". Die beiden spielten ihre Sex-Szene so inbrünstig, dass Ang Lee beim Zusehen einen Weinkrampf bekam. "Das ist mir noch nie passiert", schniefte der Oscar-Preisträger später. Dabei sollte er nach sensiblen Kinojuwelen wie "Brokeback Mountain" und "Der Eissturm" eigentlich an aufwühlende Filmsequenzen gewöhnt sein.

Allerdings handelt es sich bei dem Liebesakt auch um die absolute Schlüsselszene eines Films, der bereits für jede Menge Wirbel in den USA, China und jetzt auch bei den Filmfestspielen von Venedig gesorgt hat. In "Gefahr und Begierde" soll eine chinesische Studentin (Wei Tang) in ihrem von Japanern besetzten Heimatland ein Attentat auf einen feindlichen Agenten (Tony Leung) vorbereiten - eben, indem sie ihn nach allen Regeln der Kunst verführt.

Zensur!

Doch während die fragliche Filmsequenz beim Regisseur für Tränen der Rührung sorgte, reagierten die Sittenwächter in den USA deutlich weniger sensibel: Sie verpassten dem Film eine Freigabe ab 18 - kein Wunder in einem Land, in dem sich Lee schon wegen "Brokeback Mountain" völlig unverhältnismäßigen Anfeindungen ausgesetzt sah. In China gingen die Zensoren gleich noch einen Schritt weiter und schnitten zahlreiche Szenen einfach heraus - ansonsten dürfte der Film dort gar nicht laufen.

Glück für's deutsche Publikum: Bei uns gibt's "Gefahr und Begierde" ab 18. Oktober zu sehen - und das, so wie es aussieht, weitgehend ungeschnitten!

 

Gefahr und Begierde in der Fotoshow

 

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