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Gefühle, die man sieht...

Hochkarätig besetztes Ensemble-Drama im Stil von "Short Cuts", das verschiedene Schicksale aus dem San Fernando Valley geschickt und bewegend miteinander verknüpft.


Gefühle, die man sieht...

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Erhältlich seit:
20.08.2003

Originaltitel: Things You Can Tell Just by Looking at Her

Drama

USA 2000
Laufzeit: 105 Min.
FSK: ab 12

Glenn Close
Cameron Diaz
Calista Flockhart

Regie: Rodrigo García
Planet Media Home Entertainment

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Gefühle, die man sieht...

Während die erfolgreiche Ärztin Dr. Keener ihre sterbende Mutter pflegt, stellt sie fest, dass ihr Lover nicht mehr anruft. Erschüttert lässt sie sich von Christine die Tarotkarten legen, die ebenfalls eine Todeskandidatin beherbergt. Die smarte Singlefrau Rebecca wird darauf mit ihrem Gefühlsleben konfrontiert und begreift erst nach einer Abtreibung die Konsequenzen ihrer Handlung. Und schließlich muss Polizistin Kathy einen Selbstmord untersuchen, während die alleinerziehende Rose sich in den kleinwüchsigen Nachbarn verliebt.

Fünf Frauen entdecken die Vergänglichkeit in Rodrigo Garcías ernstem, nie weinerlichen Episodendrama. Dabei erweist sich der Regiedebütant als sensibler Filmemacher mit einem besonderen Gespür für die Nöte seiner Heldinnen. Die hochkarätigen Darstellerinnen, zu denen neben Glenn Close, Calista Flockhart, Holly Hunter und Kathy Baker auch Cameron Diaz zählt, treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Emmanuel Lubezkis ("Sleepy Hollow") herausragende Kameraarbeit rundet das entdeckenswerte Arthaus-Juwel ab.

Gefühle, die man sieht...

Die Dinge, die man über diesen Film sagen kann, sind vor allem positiv: Zuschauerinnen, die sich von den fünf Frauengeschichten angesprochen fühlen, mögen Erstaunen äußern, wie feinfühlig sich da ein Regisseur dem weiblichen Empfinden genähert hat. Zuschauer mögen sich an den wunderbaren Hauptdarstellerinnen - darunter Cameron Diaz, Calista Flockhart, Glenn Close und Holly Hunter - erfreuen. Und Robert-Altman-Fans mögen nachsichtig lächeln, dass der Stil von "Short Cuts" noch immer einen großen Einfluss auf die jüngeren Filmemacher hat.

Rodrigo Marquez, Sohn von Nobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez und nach Kinofilmen wie "Mi Vida Loca" und "Four Rooms" mittlerweile erfahrener Kameramann, hat sein Regiedebüt zumindest formal an Altmans streunenden Erzählstil angepasst. Dabei ist es nicht wirklich die Geschichte jener fünf Frauen in Los Angeles, die Marquez erzählt. Vielmehr reiht er fünf zeitlich überlappende Ausrisse aus deren Leben aneinander, verknüpft durch kleine Zufälle und Begegnungen. Am Anfang steht der Tod: Die Leiche einer zunächst unbekannt bleibenden Frau wird gefunden, offenbar ein Selbstmord. Um dieses Bild der allein auf ihrem Bett liegenden Toten herum assoziiert Marquez sein übergeordnetes Thema: die Einsamkeit, bzw. die mit dem Alter wachsende Angst davor. Im Ton ernsthaft, doch nie bedrückend und immer mit zärtlicher Wachsamkeit gegenüber kleinsten Gesten und Details folgt der Film seinen Figuren, alles Frauen zwischen 30 und 40, in ihrem Alltag. Mit kurzen Zwischentiteln werden die Kapitel angekündigt. Da ist zunächst Dr. Keener (Glenn Close), die alleine in einem luxuriösen Haus ihre altersschwache Mutter pflegt und irritiert feststellt, dass die Anrufe eines Kollegen, mit dem sie sich eine Liaison erträumt, ausbleiben. Aus einer Laune heraus lässt sie sich von Christine (Calista Flockhart) die Tarotkarten legen. Die dabei vorgetragenen Wahrheiten über ihr Wesen und ihr Leben erträgt sie mit äußerer Gelassenheit. Unvermittelt springt der Film weiter zur nächsten Geschichte, der von Rebecca (Holly Hunter), die als Leiterin einer Bankfiliale das relativ verantwortungsfreie Single-Leben einer Karrieristin führt. Auch sie lässt sich von einer Unbekannten, einer Obdachlosen, deren Bettelei sich zu einer Art delphischen Orakel wandelt, den Spiegel vorhalten. Als Rebecca von ihrem Teilzeitgeliebten schwanger wird, entschließt sie sich reflexartig zu einer ambulanten Abtreibung (durchgeführt von Dr. Keener). Erst danach brechen ihre sorgsam gedeckelten Gefühle mitten auf der Straße aus ihr heraus. Bereits während dieser ersten beiden Episoden werden die Nebenfiguren - vor allem die Männer - eingeführt, die im Folgenden dann eine Rolle spielen. Die alleinerziehende Rose (Kathy Baker) verguckt sich in ihren kleinwüchsigen neuen Nachbarn; Christine (Flockhart) kehrt in ihre Wohnung zurück zu ihrer sterbenden Freundin (Valeria Golino) und kann sich nicht dagegen wehren, wie die Erinnerungen an das vergangene gemeinsame Glück sie bestürmen. Der Kreis schließt sich bei der Polizistin Kathy (Amy Brenneman), die den Selbstmord der Eingangssequenz untersucht und erschrocken feststellt, dass ihr eigenes Leben mit ihrer blinden Schwester (Cameron Diaz) ebenfalls im Tiefsten von Einsamkeit geprägt ist.

Ähnlich wie "Magnolia" spielt "Things You Can Tell" in einem Mikrokosmos der amerikanischen Gesellschaft, im San Fernando Valley, und auch hier ist es meist die zufällige Begegnung mit dem Tod, die die Menschen zur Besinnung kommen lässt. Doch obschon Marquez fast gänzlich auf visuelle Extravaganzen verzichtet - "Sleepy Hollow"-Kameramann Emmanuel Lubezki gibt dem Film ein auffallend sauberes, glasklares Aussehen -, liegt in seinem sehr entspannt auf den Geschehnissen ruhenden Blick bereits sein ganzes Vertrauen auf den unausweichlichen Wandel von der Tragödie zum Glück. Dass das Drama da gar nicht mehr gezeigt werden muss, versteht sich - und darin liegt die Leistung des Films - von selbst. Es sind Schlaglichter, die auf diese verschiedenen Schicksale fallen. Die eigentlichen Geschichten passieren in den Gesichtern der allesamt phantastisch besetzten Schauspieler und im Kopf des Zuschauers. Man könnte sagen, dass "Things You Can Tell" seine Saat auf dem Boden ausbringt, den Filme wie "American Beauty" und "Magnolia" bereitet haben: Der Zuschauer gewinnt Trost und Befriedigung auch dadurch, dass er sich ernstgenommen fühlt, weil er Momente des eigenen Alltags in dem Gesehenen wiederfindet und gleichzeitig in einen größeren Kontext gerückt bekommt. evo.

Darsteller:  Glenn Close   als Dr. Elaine Keener
  Cameron Diaz   als Carol
  Calista Flockhart   als Christine
  Kathy Baker   als Rose
  Amy Brenneman   als Kathy
  Holly Hunter   als Rebecca
  Matt Craven   als Walter
  Gregory Hines   als Robert
  Miguel Sandoval   als Sam
  Noah Fleiss   als Jay
  Danny Woodburn   als Albert
  Valeria Golino   als Lilly
  Penny Allen   als Nancy
  Roma Maffia   als Debbie
  Elpidia Carrillo   als Carmen
 
Regie:  Rodrigo García  
Buch:  Rodrigo García  
Musik:  Edward Shearmur  
Kamera:  Emmanuel Lubezki  
Produzent:  Jon Avnet  
  Lisa Lindstrom  
  Marsha Oglesby  
 

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