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Gegen die Zeit

Johnny Depp versucht in dem John-Badham-Actionthriller mit offensichtlichen Anleihen an Hitchcocks Cinema of Suspense, in Realzeit ein Mordkomplott zu entwirren.


Gegen die Zeit

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Erhältlich seit:
04.04.2002

Originaltitel: Nick of Time

Thriller

USA 1995
Laufzeit: 85 Min.
FSK: ab 16

Johnny Depp
Christopher Walken
Charles S. Dutton

Regie: John Badham
Paramount Home Entertainment

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Gegen die Zeit

Im Bahnhof von L.A. stolpert der junge Buchhalter Gene Watson unvermutet in ein weitreichendes politisches Komplott, als falsche Polizisten seine kleine Tochter entführen und ihn zwingen, für das Leben des Mädchen ein Attentat auf die Gouverneurin von Kalifornien zu verüben. Gene läßt nichts unversucht, um den Auftrag abzuwenden, doch erst als er das Vertrauen eines scheinbar ebenso hilflosen Schuhputzers gewinnt, wendet sich das Blatt.

Spannender, wenngleich nicht immer sehr logischer Actionthriller von Genrespezialist John Badham ("Stakeout"). Johnny Depp, normalerweise eher in gehaltvollen Stoffen zuhause, macht bei seinem Actiondebüt eine gute Figur, und auch Christopher Walken weiß in seiner Paraderolle als zynischer Nadelstreifengangster wieder voll zu überzeugen. Trotz der inhaltlichen Ungereimtheiten ein packend inszenierter, gut gespielter Thriller in bester Hitchcock-Tradition. Action- und Thrillerfans kommen auf ihre Kosten.

Gegen die Zeit

In Off-Beat-Filmen wie "Edward mit den Scherenhänden", "Gilbert Grape", "Ed Wood" oder "Don Juan DeMarco" mimte Ausnahmetalent Johnny Depp bizarre Charaktere in konventionellem Umfeld. In dem auf das Mainstream-Publikum zugeschnittenen Actionthriller "Nick of Time" sind die Vorzeichen vertauscht: Zur Abwechslung verkörpert Depp eine klassische Cary-Grant/James-Stewart-Rolle als stinknormaler Sterblicher, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Auch ansonsten sind Parallelen zu Hitchcocks Suspense-Klassikern "Der unsichtbare Dritte" oder "Der Mann, der zuviel wußte" nicht zu verleugnen. Als speziellen Gimmick läßt Action-Routinier John Badham ("Drop Zone", "Codename: Nina") die Handlung in Realzeit ihren fatalen Lauf nehmen. Verhängnisvoll wirkende Einstellungen omnipräsenter, bedrohlich tickender Zeitmesser, die von der gewöhnlichen Armbanduhr bis hin zur digitalen Hoteluhr reichen, rufen dies stets in Erinnerung. In dem spannungsreichen Wettlauf mit der Zeit wird sein Protagonist Gene Watson - ein verwitweter Buchhalter - (Depp sichtlich rundgesichtiger als gewohnt, angetan mit mausgrauem Anzug und respektabler Designerbrille) in ein politisches Mordkomplott hineingezogen, bei dem das Leben seiner kleinen Tochter (Courtney Chase) auf dem Spiel steht. In diese prekäre Sitution verwickeln ihn die zwei undurchsichtigen, falschen Polizisten Mr. Smith (Christopher Walken spielt die Rolle des psychopathischen Ekels hervorragend mit schlafwandlerischer Sicherheit) und Ms. Jones (Roma Maffia), als sie seine Tochter kidnappen, um ihn somit zur Ermordung der kalifornischen Governeurin (perfekt mit Marsha Mason besetzt) zu zwingen. Nach einer kurzen Sequenz im Bahnhof von L.A. und - bewußt - stark überbelichteten Straßenaufnahmen wird der weitere Verlauf der chronologischen Handlung ins Bonaventure Hotel verlegt, das bereits bei Petersens Politthriller "In the Line of Fire" als effektvolle Kulisse diente. Dort ist Mr. Smith dem Helden der Geschichte unablässig auf den Fersen und erinnert ihn mit mechanischer Penetranz an die verrinnende Lebenszeit seines Töchterchens. Verzerrt-hallender Sound und einschüchternde Zeitlupenaufnahmen suggerieren das Gefühl alptraumhafter Ausweglosigkeit bei Watsons mehrfachen vergeblichen Versuchen, Hilfe zu erlangen. Glücklicherweise kann er schließlich den finessenreichen Schuhputzer des Hotels (Charles S. Dutton) auf seine Seite ziehen, denn die Verschwörung zieht weiteste Kreise und wäre eines Oliver Stone würdig. Der ansonsten makellose Thrillergenuß wird einzig beeinträchtigt vom logisch nicht funktionierenden Aufhänger des Films: Wie läßt sich erklären, daß die Drahtzieher einen unbedarften Amateur in ihre Verschwörung einbeziehen, wo ihnen doch eine regelrechte Armee von versierten Handlangern zur Verfügung steht? Selbst die hübschen stilistischen Spielereien können diesen Stolperstein des Skripts nur bedingt vergessen machen. Ob Johnny Depp mit dieser skurril-professionellen Fingerübung ein Erfolg à la "Speed" beschieden sein wird, bleibt abzuwarten. Sein kommerzieller Durchburch dürfte sich spätestens mit "Speedracer" einstellen. ara.

Darsteller:  Johnny Depp  
  Christopher Walken  
  Charles S. Dutton  
  Peter Strauss  
  Roma Maffia  
  Gloria Reuben  
  Marsha Mason  
  Courtney Chase  
  Bill Smitrovich  
  G. D. Spradlin  
 
Regie:  John Badham  
Buch:  Patrick Sheane Duncan  
Musik:  Arthur B. Rubinstein  
Kamera:  Roy H. Wagner  
Produzent:  John Badham  
 

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