
Das harte Drama über verbale und physische Gewalt in der Ehe, die hier von einer Frau ausgeht, erhielt in der Quinzaine eine Lobenden Erwähnung.
Zwei im Kino nicht sehr bekannte Schauspieler legen eine außergewöhnliche Performance hin, Victoria Trauttmansdorff und Matthias Brandt. Auf den ersten Blick sind sie ein nettes Paar, der ordentliche Polizist und die hübsche Grundschullehrerin, sie sind stolz auf ihre erwachsenen Kinder, haben sich in der Unauffälligkeit eines Lebens eingerichtet, das für beide zur Hölle wird. Was niemand weiß - immer wieder rastet die Frau komplett aus, demütigt ihren Mann mit Worten, traktiert ihn brutal mit Händen und Füßen. Und er wehrt sich nicht, flüchtet sich in stoische Ruhe und versucht die Aufgeregte zu beruhigen. Vergebens. Als dann für den besonnenen Cop eine Beförderung ansteht, eskaliert die Situation, bis der Gepeinigte irgendwann psychisch nicht mehr kann und zurückschlägt.
Der erst 28-jährige Jan Bonny zeichnet subtil das Halbdunkel zwiespältiger Gefühle, das Gefangensein zweier Menschen in einer abgründigen Verflechtung aus Liebe und Gewalt, die krampfhaft die Fassade der Normalität nach außen aufrecht erhalten, hinter der es heftig kracht. Er folgt akribisch der inneren Logik der Konfliktbeziehung, für ihn eine Fortschreibung normaler Verhältnisse unter unglücklichen Vorzeichen. Täter- und Opferverhalten bedingen sich, und gerade bei der weiblichen Protagonistin sind die Ausfälle als Hilfeschrei zu deuten, der ohne Resonanz verhallt. Sie will einen adäquaten Gegenpart, keinen, der sich ihr unterwirft. In ihrer Wut über das ständige Aus- und Zurückweichen des Partners, betrügt sie ihn mit einem Kollegen vor seinen Augen, macht ihn vor anderen fertig, immer in der Erwartung einer Reaktion.
"Szenen einer Ehe", in denen es keine Aussprache über verlorene Sehnsüchte gibt, sondern nur Sprachlosigkeit, Abhängigkeit, Erschöpfung. In diesem Labyrinth des Schmerzes bleibt kaum Hoffnung, auch wenn das letzte Bild eines in sich verschlungenen Paares Versöhnung signalisiert. Aber vielleicht auch nur eine Atempause vor der finalen Emotions-Schlacht. mk.