
Die berühmte Pianistin und Komponistin Clara Schumann im Konflikt zwischen Karriere und Kindern, zwischen Gatte Robert Schumann und jungem Nachwuchs-Talent Johannes Brahms.
Kein trockenes Biopic, sondern Musik, Liebe, Eifersucht und Dramatik liefert Helga Sanders-Brahms Porträt der Clara Schumann, einer schon im 19. Jahrhundert modernen Frau. Die erfolgreiche Komponistin und Pianistin, die auf Konzertbühnen gleichrangig mit Franz Liszt gefeiert wurde, versuchte das, was Frauen im 21. Jahrhundert noch immer nicht gelingt: einen Weg finden zwischen der Aufgabe als Mutter (von sechs Kindern) und Ehefrau, dem Wunsch nach beruflicher Erfüllung und persönlicher Selbstverwirklichung.
Da der manisch-depressive, berühmte Komponist Robert Schumann als Ernährer größtenteils ausfiel, musste sie die Verantwortung für die Familie übernehmen und obendrein internationale Konzerte souverän bestreiten - während ihr Mann alles daran setzte, sie an Heim und Herd zu fesseln, was ihm auch eine Zeitlang gelang. Die Begegnung mit dem stürmischen Johannes Brahms (jugendlich-sympathisch Malik Zidi) wirft beide aus der Bahn. Schumann stürzt sich als Mentor auf den jungen Mann, dessen Ausnahmetalent ihn begeistert, der in sie verliebte Johannes weckt bei Clara trotz treuer Liebe zu Robert eine brennende und unstillbare Sehnsucht. Die auch nach dem Tod von Robert Schumann im Irrenhaus unerfüllt bleibt. Der Film konzentriert sich auf die Jahre 1850 bis 1956, in denen Schumann als Musikdirektor in Düsseldorf erstmals eine feste Stelle annimmt, was sich aber aufgrund von Reibereien mit dem Orchester als schwierig erweist, so muss Clara einspringen und sich anfänglich mit Vorurteilen gegen Frauen als Dirigentin auseinandersetzen, die sich aber schnell durch ihre zupackende Art und unbestreitbare Kompetenz erledigen. Selbstlos steht sie Schumann als Kodirigentin zur Seite.
Die Regisseurin umkreist die Sollbruchstellen des Lebens, Emotionen sind zu spüren, aber sie explodieren nicht auf der Leinwand. Martina Gedeck gibt die geniale, aber rationale, die liebende, aber nicht leidenschaftliche Clara und kann neben der schauspielerischen Stärke des wechselweise von Lust und Melancholie umwehten Pascal Greggory in seiner inneren Versehrtheit durchaus bestehen, auch wenn dessen Figur am Ende in den Mittelpunkt rückt. Der Verzicht auf kitschige Sentimentalität ist berechtigt, etwas mehr Sentiment hätte dieser außergewöhnlichen Frauenfigur jedoch nicht geschadet. mk.