
Charmantes Kostümdrama über eine mögliche romantische Prägung von Jane Austen, der Königin des britischen Liebes- und Gesellschaftsromans.
Das englische Klassensystem des 18. Jahrhunderts, der Zwang, sich standesgemäß und lukrativ statt gefühlsgetrieben zu verheiraten, das zarte Aufkeimen von Widerstand gegen traditionelle Rollen durch selbstbewusste Frauen sowie geschliffene Verbalduelle zwischen den Geschlechtern - das alles markiert klassisches Austen-Territorium. Seit der cineastischen Renaissance der Schriftstellerin durch "Sinn und Sinnlichkeit" tauchen regelmäßig Verfilmungen ihrer Romane auf, seit 2003 allein deren drei von "Stolz und Vorurteil". Wie sich die märchenhaften Finalversöhnungen ihrer Bücher von der Realität der Autorin unterscheiden könnten, darüber spekuliert diese Fakten und Fiktion harmonisierende biografische Romanze von Julian Jarrold. Inspiration für das verbal gepflegte, traditionell strukturierte Drehbuch von Sarah Williams und Kevin Hood ist Jon Spences Biografie "Becoming Jane Austen". Deren These, Austen sei nicht die oft beschriebene amouröse Theoretikerin gewesen, sondern hätte die Liebe inklusiver bitterer Nebenwirkungen selbst erfahren, entwickelt das Skript zu einem Porträt einer Frau, deren Leben als Single als Akt der Verweigerung gedeutet werden muss. Nur ein einziges Mal deckten sich Janes Erwartungen, die aus Liebe heiraten und sich als Schriftstellerin tatsächlich selbst ernähren will, an einen Mann und an die Liebe mit dem Angebot der englischen Provinz. Als der impulsive, vom finanziellen Wohlwollen seines Onkels lebende, angehende Anwalt Tom Lefroy (James McAvoy) seine Landverwandtschaft besucht, ist es für die 20-jährige Jane (Anne Hathaway) Verachtung auf den ersten Blick. Doch natürlich verbergen sich hinter dem arroganten Pfau und der angriffslustigen Rebellin zwei Seelen, die eigentlich zueinander gehören. Doch der gesellschaftliche Druck unterhöhlt dieses starke Fundament. Tom muss seine verarmte Familie unterstützen, Jane sich einen verstaubten Aristokraten vom Leib halten, dessen reiche Tante ihr Gift versprüht. Von intriganten Briefen, überraschenden Verlusten, Statik-gefährdenden Küssen, sprühenden Dialogen bis hin zu romantischen Fluchtversuchen ist alles geboten, was auch die Romane Austens auszeichnete. Das erreicht zwar visuell nicht die Qualität von Joe Wrights "Stolz und Vorurteil", spielt aber nicht zuletzt dank Hathaways sanfter wie auch kämpferischer Darstellung und McAvoys verschmitztem Charme in Austens A-Klasse. kob.