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Germanikus

Teutonisch-römische Parodie über einen im 9. Jh. n. Chr. nach Rom verschleppten Urbayern mit Gerhard Polt.


Germanikus

Leihvideo

Erhältlich seit:
12.10.2004

Komödie

Deutschland 2003
Laufzeit: 80 Min.
FSK: ab 12

Gerhard Polt
Gisela Schneeberger
Sylviane Aissatou Thiam

Regie: Hanns Christian Müller
Universum Film

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Parade-Satiriker Gerhard Polt stellt als germanischer Sklave in Rom das altehrwürdige Imperium auf den Kopf.

All Stars im bajuwarischen Sandalenfilm mit Lachgarantie (Foto: Constantin) Großansicht

All Stars im bajuwarischen Sandalenfilm mit Lachgarantie (Foto: Constantin)

Der gemeine bayerische Komiker schafft es ja nur selten, auch nördlich des Weißwurstäquators (für Laien: die Donau) Berühmtheit zu erlangen. Es gibt aber eine Münchner Ur- und Lichtgestalt, die diese Hürde geradezu im Vorübergehen genommen hat. Das mag (unter anderem) daran liegen, dass jener Satiriker in seiner Jugend ein Studium der Skandinavistik absolvierte und somit durchaus ein gewisses Gespür für den nordischen Humor mitbringt.

Jetzt allerdings hat es Gerhard Polt, dessen Faschings-Persiflage "Kehraus" längst Kultstatus besitzt, nach der Urlaubs-Posse "Man spricht deutsh" erneut nach Italien verschlagen, genauer: ins Rom des 4. Jahrhunderts.

Wo drückt die Sandale? Germanikus initiiert als Kaiser wider Willen den Untergang des Römischen Reichs (Foto: Constantin) Großansicht

Wo drückt die Sandale? Germanikus initiiert als Kaiser wider Willen den Untergang des Römischen Reichs (Foto: Constantin)

Der neue Imperator

Als arbeitsscheuer, maulfauler Sklave Germanikus muss Polt unter der Regie seines langjährigen Partners Hanns Christian Müller der neureichen Römerin Tusnelda (weicht Polt seit Jahrzehnten nicht von der Seite: Gisela Schneeberger) zu Diensten sein.

Als seine Herrin jedoch beschließt, ihn zu adoptieren, ergreift er die Flucht. Nach Abenteuern als Vorkoster und als Gladiator wird Germanikus schließlich gegen seinen Willen zum neuen Kaiser des Römischen Reiches ausgerufen. In dieser ungewöhnlichen Rolle trifft der Ex-Leibeigene einige verhängnisvolle Entscheidungen, die letztlich das Ende des Imperiums einläuten.

Mit Turmfrisur: Die schöne Römerin Anke Engelke (Foto: Constantin) Großansicht

Mit Turmfrisur: Die schöne Römerin Anke Engelke (Foto: Constantin)

Stars in der Arena

Ob "Experiment"-Star Moritz Bleibtreu als gestrenger Kaiser Titus Maximus, der beliebte "Harry Potter"-Vorleser Rufus Beck als gerissener Präfekt oder Kurzauftritte von Comedy-Größen wie Tom Gerhardt, Hilmi Sözer, Annette Frier bzw. Anke Engelke - die Besetzungsliste von "Germanikus" liest sich wie das Who's Who der deutschen Film- und Fernseh-Prominenz - und die läuft in ihren historischen, luftigen und beinfreien Gewändern wahrlich zu Höchstform auf.

Gedreht wurde der dritte Kinofilm des Dreigestirns Polt/Schneeberger/Müller in den altehrwürdigen Cinecittà-Studios von Rom. Und obwohl sich Polt eher auf der Bühne als auf der Leinwand zu Hause fühlt, erfüllt er als Germanikus eine Art Vorreiter-Funktion für "Sandalenfilme", die hierzulande eher selten sind.

Präfekt mit Geliebter (Foto: Constantin) Großansicht

Präfekt mit Geliebter (Foto: Constantin)

Bayernlatein

Aber wie hat er da seinen trockenen, zynischen Witz, der ja gerade in der detaillierten Beobachtung des Zeitgenössisch-Alltäglichen seine Wurzeln hat, an den Mann bringen können? "Die Aktualität ist insofern da, als dass immer noch Menschen andere Menschen besitzen. 'Der wahre Mensch ist die Ware Mensch.' Das ist eine immer noch aktuelle Realität."

Fazit: Polt kennt nicht nur bayerische Wesensarten und schwedische Eigenheiten, auch das Altrömische ist dem multilingualen Tausendsassa nicht fremd.

Germanikus

13 Jahre nach "Herr Ober!" versucht Gerhard Polt, der mit der Faschings-Persiflage "Kehraus" und der Urlauber-Satire "Man spricht deutsh" Komödien-Meilensteine setzte, ein Leinwand-Comeback. Dabei betritt der bayerische Ausnahme-Kabarettist mit bewährtem Team - Partnerin Gisela Schneeberger und Autor/Regisseur Hanns Christian Müller - ungewohntes Terrain. Denn im Gegensatz zu den im Hier und Jetzt spielenden Vorgängern ist "Germanikus" ein Kostüm- und Sandalenfilm, angesiedelt irgendwo zwischen "Ben Hur" und "Spartacus" - freilich ganz ohne deren dramatische Elemente. Kurzauftritte beliebter Comedy-Stars wie Anke Engelke, Tom Gerhardt oder Martin Schneider sollten diesem handwerklich wie dramaturgisch nicht immer überzeugenden Römer-Spaß, dessen Dreharbeiten bereits drei Jahre zurückliegen, zu einem anständigen Box-Office-Ergebnis verhelfen.

Um das Publikum nicht gleich mit einem Einstieg in den teutonischen Sumpf zu verschrecken, beginnt "Germanikus" mit einem Prolog, der in der Jetztzeit spielt. Darin variiert Polt eine seiner Lieblingsfiguren, jenen dicken, faulen, gefräßigen und bereits mehrfach insolventen Unternehmer, der einem imaginären Besucher von den Vorzügen des Fast Food - "Ich ess' ja nur noch die Verpackung" - vorschwärmt. Ein seltsamer Traum, den er stets nach dem Genuss von Rehfleisch hat, dient schließlich als Überleitung in das Germanien des 4. Jahrhundert, genauer gesagt, ins oberbayerische Sumpfing. Hier führt Polt als arbeitsunwilliger Weiberheld Hermann ein gemütliches Lotterleben, bis er eines Tages von einem Sklavenhändler (Hilmi Sözer) nach Rom verschleppt wird. Dort arbeitet sich der trotz ruraler Manieren ziemlich listige Moor-Germane vom Lieblingssklaven der neureichen Römerin Tusnelda (Gisela Schneeberger) - von ihm liebevoll Tussi genannt - über den Gladiatoren-Jugendtrainer bis hin zum Vorkoster des Kaisers (Moritz Bleibtreu) hoch, um am Ende selbst den Thron zu besteigen und mit ein paar unkonventionellen Befehlen, wie etwa der Abschaffung der Sklaverei, den Untergang des römischen Imperiums einzuleiten. Doch da hat sich Hermann, der nun Germanikus heißt, längst mit einer im Bordell aufgegabelten schwarzen Schönheit (Sylvaine Aissatou Thiam) aus dem Staub gemacht.

Gerhard Polt hat vor allem deshalb nationale Berühmtheit erlangt, weil er seinen Landsleuten so unvergleichlich genau auf's Maul geschaut und ihnen in seinen Sketchen dann den Spiegel vorgehalten hat. Für die Hauptrolle in einem "Historienfilm" scheint der bärbeißige Satiriker also nicht unbedingt prädestiniert. Und so hat "Germanikus" denn auch seine Stärken im bereits erwähnten Prolog bzw. Epilog sowie in den Sequenzen, in denen zeitgenössische Bezüge hergestellt werden - wie etwa wenn sich Engelke und Schneeberger bei der Parkplatzsuche für ihre Sänften in die Haare kriegen.

Ebenfalls eine Bank das Duo Polt/Schneeberger, das seine langjährige Erfahrung aus unzähligen gemeinsamen Auftritten voll ausspielt. Den einen oder anderen Lacher wert sind auch die Szenen mit Tom Gerhardt als unbedingt sterben wollender Märtyrer Almosius, Rufus Beck als hinterfotziger Präfekt und Martin Schneider als neunmalkluger Friseur. Dass diese einzelnen Figuren kaum Bindung zur eigentlichen Handlung finden, liegt auch daran, dass es eigentlich keine solche gibt und das Werk eher als Sketchparade angelegt ist. Etwas unglücklich gewählt auch die krächzende Synchronstimme von Tusneldas Sohn, gespielt von einem italienischen Jungdarsteller, und technisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit die digital aufgedoppelte Menschenmenge im Kolosseum. Doch so etwas spielt bei einer Komödie dieser Art nur eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist da schon, dass die Gags zünden und die Situationskomik funktioniert - und da kommen eingefleischte Polt-Fans das eine oder andere Mal auf ihre Kosten. lasso.

Darsteller:  Gerhard Polt   als Hermann/Germanikus
  Gisela Schneeberger   als Tusnelda
  Sylviane Aissatou Thiam   als Saba
  Rufus Beck   als Präfekt
  Tom Gerhardt   als Almosius
  Anke Engelke   als Frau in Sänfte
  Moritz Bleibtreu   als Kaiser Titus
  Irm Hermann   als Hermanns Mutter
  Viktor Giacobbo   als Notar
  Manfred Lehmann   als Sejanus
  Andreas Hofmann   als Bodo
  Claudia Wipplinger   als Algunda
  Annette Frier   als Brunhilda
  Hilmi Sözer   als Römischer Sklavenjäger
  Simone Luzi   als Vizio
 
Regie:  Hanns Christian Müller  
Buch:  Gerhard Polt  
  Hans Weth  
  Hanns Christian Müller  
  Franco Ferrini  
Kamera:  Fred Schuler  
Produzent:  Hans Weth  
 

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