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Gespenster

Christian Petzold kreuzt die Lebenswege eines streunenden Teenagers und einer Französin, die ihre vor vielen Jahren entführte Tochter sucht.


Gespenster

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Erhältlich seit:
09.01.2010

Drama

Deutschland/Frankreich 2005
Laufzeit: 82 Min.
FSK: ab 12

Julia Hummer
Sabine Timoteo
Marianne Basler

Regie: Christian Petzold
Süddeutsche Zeitung

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Christian Petzold kreuzt die Lebenswege eines streunenden Teenagers und einer Französin, die ihre vor vielen Jahren entführte Tochter sucht.

Françoise verliert nie die Hoffnung (Foto: Piffl) Großansicht

Françoise verliert nie die Hoffnung (Foto: Piffl)

Die Französin Françoise (Marianne Basler), deren Tochter als Baby in Berlin entführt wurde, fährt jedes Jahr nach Deutschland in der Hoffnung, ihre Tochter wiederzufinden. Nach jahrelanger, schmerzhafter Ungewissheit glaubt sie nun, ihr verlorenes Kind in der Streunerin Nina (Julia Hummer) wiedergefunden zu haben.

Nina lebt in einem betreuten Wohnheim und gilt als sozial auffällig, wie man den Worten der Heimleiterin entnehmen kann. Außerdem schlägt sie sich als Gelegenheitsdiebin und Kleinkriminelle durchs Leben.

Ist Nina die verlorene Tochter? (Foto: Piffl) Großansicht

Ist Nina die verlorene Tochter? (Foto: Piffl)

Abgeschnitten

Erfüllte Wünsche gehören nicht in Christian Petzolds Universum. Der renommierte deutsche Regisseur schildert nach "Wolfsburg" und "Die innere Sicherheit" auch mit seinem neuen Film, einer deutsch-französischen Koproduktion, eine Geschichte von Menschen, die den Anschluss an das Leben verloren haben. Dabei will er "très francais" sein, bleibt jedoch in seiner Bedeutungsschwere bisweilen sehr deutsch.

Gespenster

Schon die von der Kritik hochgelobte "Innere Sicherheit" wollte Christian Petzold "Gespenster" nennen, jetzt ist dieser Titel seines neuen Films Synonym für Menschen, die den Anschluss an das Leben verloren haben. Die rastlosen jungen Mädchen Nina und Toni ebenso wie die Französin Francoise, die immer wieder nach Berlin kommt, um ihre vor vielen Jahren entführte Tochter zu suchen. Ihre Lebenswege kreuzen sich.

Die Unbehaustheit der Seelen, das ist Christian Petzolds bevorzugtes Thema, ob in "Wolfsburg" oder "Toter Mann"- Individuen, die in ihrer Verlorenheit anfällig werden für tiefe Verletzungen, die irgendwann aber auch nicht mehr den Kopf einziehen, sondern handeln und sich wehren.

Wie in "Innere Sicherheit" ist Julia Hummer die Hauptfigur. Nina lebt in einem Betreuten Wohnheim und gilt wohl als sozial auffällig, wie man den Worten der Heimleiterin entnehmen kann. Am Anfang glaubt man sie den Schreien nach Zeugin einer Vergewaltigung, die etwas ältere Toni wird aber "nur" im Park von zwei Typen zusammengeschlagen. Fasziniert und fassungslos schaut Nina zu. Später hilft sie dem Opfer sich zu verstecken, gibt ihm ein T-Shirt und dann ziehen die beiden los. Für die schüchterne Nina eröffnet sich eine neue Welt, im Kaufhaus klauen, Geldbörsen entwenden, zu einem Casting gehen und abends auf einer Party tanzen, ein paar Küsse mit der coolen Diebin, die dann mit dem Regisseur verschwindet.

Parallel dazu entwickelt sich die Geschichte eines französischen Paares, die Frau sucht auch nach Jahren noch ihr entführtes Kind, der Verlust schmerzt jeden Tag neu. Sie spricht Mädchen an, die der fürsorgliche Gatte dann mit ein paar Euro "entschädigt". Francoise kann ihr Töchterchen nicht vergessen und als sie auf Nina trifft, die genau die Narbe am Knöchel hat und ein Muttermal zwischen den Schultern wie das verschwundene Kind, glaubt sie sich am Ziel ihrer Sehnsucht.

Aber erfüllte Wünsche gehören nicht in Petzolds Universum. Was bleibt ist Verstörung, nicht nur bei den Protagonisten, sondern auch beim Betrachter, der erst gutgläubig und neugierig die falschen Fährten aufnimmt, in die Falle tappt und sich dann ärgert, dem Regisseur blind gefolgt zu sein. Die Mädchen wissen nicht, was sie wollen, irrlichtern auf der Suche nach Sinn durch die große Stadt. Für Petzold ist dieses "In-einer-Blase-Leben", kein singuläres Phänomen, sondern Normalität nur eine Chimäre, wir leben alle in Parallelwelten, Gespensterzonen.

Julia Hummer ist wie immer gut, auch ihre Altersgenossin Sabine Timoteo überzeugt. Ausgestochen werden sie von Marianne Basler, deren Seele Schaden zugefügt wurde und in deren Gesicht Traurigkeit, Verzweiflung und Hoffnung sich wiederspiegeln. "Gespenster", eine deutsch-französische Koproduktion, will "très francais" sein, bleibt aber in seiner Bedeutungsschwere sehr deutsch trotz manchmal funkelnder Momente von Nähe und Glück. Ein Vexierspiel, das Feuilletonisten entzückt, sich die Zuschauer aber erobern muss. mk.

Darsteller:  Julia Hummer   als Nina
  Sabine Timoteo   als Toni
  Marianne Basler   als Françoise
  Aurélien Recoing   als Pierre
  Benno Fürmann   als Oliver
  Anna Schudt   als Kai
  Claudia Geisler   als Heimleiterin
  Philipp Hauß   als Mathias
  Victoria Trauttmansdorff   als Mathias' Mutter
  Peter Kurth   als Vorarbeiter
  Annika Blendl   als Agentin
  Rosa Enskat   als Krankenschwester
 
Regie:  Christian Petzold  
Buch:  Christian Petzold  
  Harun Farocki  
Musik:  Stefan Will  
  Marco Dreckkötter  
  Johann Sebastian Bach  
Kamera:  Hans Fromm  
Produzent:  Florian Koerner von Gustorf  
  Michael Weber  
 

Gespenster in der Fotoshow

 

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Features

 

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Julia Hummer

Sie mauserte sich vom Jungstar in Kinderrollen zur Charakterdarstellerin und stellte nach einigen Jahren die Filmarbeit zu Gunsten der Musik...

 

Star

Benno Fürmann

Kraftvoll, vital, zupackend, draufgängerisch, gutaussehend mit durchtrainiertem Körper, zu melancholischen Tönen, manischen Anwandlungen,...