
In einem von Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman angeführten darstellerischen Gipfeltreffen diskutiert John Patrick Shanleys Drama die Kollision von Gerücht, Glauben und Gewissheit an einer katholischen Klosterschule.
13 Jahre nach seiner Michael-Crichton-Adaption "Congo" und 19 nach seiner Erstinszenierung "Joe gegen den Vulkan" gibt Shanley auf diese Enttäuschungen kreativ Antwort. Mit der Verfilmung seines preisgekrönten Theaterstücks, die mit exzellenten Darstellern und intelligenten Dialogen eine Diskussion über die Kluft zwischen Überzeugung und Zweifel entfacht.
1964 ist nach der kurzen, aber prägenden Amtszeit von Papst Johannes XXIII die katholische Kirche im Aufbruch. Das spürt auch Schwester Aloysius (Meryl Streep), die mit Strenge und Distanz eine Klosterschule in der Bronx leitet und auch in der Frage von Hierarchie und Autorität mit einem neuen Priester kollidiert. Pater Flynn (Philip Seymour Hoffman) repräsentiert aufgeklärten Liberalismus, bringt den Kindern Freundlichkeit und Zuneigung entgegen. Schwester Flynn aber setzt auf das Prinzip Furcht, wirkt unerschütterlich im Glauben an sich selbst - ganz im Gegensatz zu Papst Johannes, der einmal denkwürdig sagte: "Ich bin zwar jetzt unfehlbar, gedenke aber nicht, davon Gebrauch zu machen."
Der Film benutzt dieses Zitat nicht, aber die darin implizierten Zweifel, das Hinterfragen eigener Positionen, sind treibende Kräfte in seinem zentralen Disput, der durch Reibung Feuer entzündet, das nicht mehr zu löschen ist. Hat Flynn wirklich nur Zuneigung in den einzigen schwarzen Schüler investiert oder die Grenzen überschritten? Seine Kontrahentin, die schon alles gesehen hat, glaubt fest daran, obwohl ihre Überzeugung auf einer harmlosen Beobachtung einer jungen Schwester (perfekte Unschuld: Amy Adams) gründet, die ohne jede Erfahrung ist.
In diesem Dreieck wird der Konflikt ausgetragen, der auf die Mutter des Schülers übergreift und Darstellerin Viola Davis einen mitreißenden Kurzauftritt ermöglicht. Für Oscarnominierungen empfehlen sich auch Streep, die in Mimik und Sprache nicht nur Bitterkeit und Strenge sichtbar macht, wie auch Hoffman, der als Sympathieträger auch den Zuschauer in eine Glaubenskrise stürzen soll.
In Konfrontationen und Dialogschwerpunkt ist der Bühnenbackground des Films unübersehbar. Shanleys Regie bleibt unauffällig, zeigt in einer verkanteten Einstellung Streeps erschüttertes Weltbild und in einer verträumten die Streuwirkung von Gerüchten. Obwohl Shanley den Prozess des Zweifelns für wichtiger hält als die Klärung, scheint er sie schließlich doch zu liefern. Am Ende gibt Hoffmans Reaktion die Antwort, auch wenn sie vielleicht nur für die Vergangenheit gültig ist. kob.