
Kein anderer verknüpft Dialoggift und Lebensweisheit besser als Oscar Wilde. Das zeigt auch dieser Verfilmung von "Lady Windermeres Fächer", in der trotz der exzellenten Besetzung das Wort und nicht der Star im Mittelpunkt steht.
Wer Qualitätsunterhaltung sucht, in der Charme, Esprit und die Postkartenkulisse der Amalfiküste eine verführerische Verbindung eingehen, findet in der dritten nennenswerten Kinoadaption des Stoffs (nach Ernst Lubitschs Stummfilm- und Otto Premingers Tonfilmversion) das ideale Vehikel. Howard Himelsteins Drehbuch verlegt den Zeitraum vom Ende des 19. in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts und das Jagdrevier von Londons
Salon-Society in eine italienische Entspannungsoase der britischen Oberschicht. Zwischen Liegestuhl und Barhocker vertreibt man hier mit giftig-geistreichem Geläster die tödliche Langweile, die die Säulen des Empire im Wohlstand überall zermürbt. In diesem Milieu hypersensorisch registrierter Fehltritte wird die junge Ehe der Amerikaner (bei Wilde noch Briten) Robert und Meg Windermere (Scarlett Johansson) schwer geprüft. Die Ankunft der notorischen Männerfalle Mrs. Erlynne (etwas spröde, um diesen Ruf zu verdienen: Helen Hunt) scheint den perfekten Ehemann schnell in eine Affäre zu treiben. Ein Umstand wiederum, der Roberts Aristokratenfreund ermutigt, Meg den Hof zu machen. Nach einer Reihe boulevardesker Missverständnisse enthüllen sich schließlich die Wahrheiten hinter dem Ersteindruck, bekommt die Liebe, die Wilde durchaus skeptisch beurteilte ("Die Liebe beginnt damit, dass man sich selbst betrügt und sie endet damit, dass man andere betrügt") eine zweite Chance. Nutznießer ist auch Millionär Tuppy, der loyale Verehrer Erlynnes, der dank einer unwiderstehlichen Knuddelperformance von Tom Wilkinson zum Sympathieträger dieser Gesellschaftskomödie wird. Regisseur Barker ist desinteressiert am buchstabengetreuen Anglistenseminar, nimmt Veränderungen auch im Wort vor und arbeitet dabei die sexuellen Aspekte heraus, die im Geist eines Wilde-Bonmots ("Berechnende Frauen werden lästig, anständige langweilig") unsere Wahrnehmung sowie die Geschichte beeinflussen. kob.