
Die Geschichte der schicksalhaften Beziehung zwischen Nelson Mandela und seinem weißen Gefängniswärter James Gregory, der den Anti-Apartheid-Kämpfer 20 Jahre lang bewachte, ist ein Plädoyer für Versöhnung, Hoffnung und Aufbruch.
"Bafana" heißt in der afrikanischen Sprache Xhosa "Freund", und Freunde werden der rassistische Gefängniswärter James Gregory und der ANC-Aktivist Nelson Mandela. Auch wenn es erst nicht so aussieht. Als der Weiße in den späten Sechzigerjahren auf die Gefängnisinsel Robben Island kommt, ist er ein Schleifer, der Schwarze für Untermenschen hält und Mandela für einen Terroristen. Weil er Xhosa beherrscht, arbeitet Gregory für die staatliche Zensurbehörde, öffnet in der Poststelle Briefe und spioniert die Gespräche der politischen Gefangenen aus, gibt seine Informationen gehorsamst weiter.
Das auf den Memoiren von James Gregory basierende Drama setzt die gewohnten Bilder von Demonstrationen sparsam ein, im Mittelpunkt steht die langsame Wandlung des Wächters, der sich heimlich die ANC-Charta besorgt, Winnie Mandela verbotenerweise Schokolade von ihrem Mann zusteckt und ganz langsam den Kampf für ein freies Südafrika unterstützt und die Unmenschlichkeit der Rassentrennung erkennt. Gleichzeitig zeigt Bille August Nelson Mandela als inspirierende Persönlichkeit, die ihre Ziele verfolgt und sich nicht auf Kompromisse oder "Deals" mit den Herrschenden einlässt. Der Friedensnobelpreisträger, der 27 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte, erst auf dem berüchtigten Robben Island, am Ende in einem komfortablen Haus, wo er auch Freunde und Weggefährten empfangen durfte, wird von Dennis Haysbert verkörpert, der ihn mit Zurückhaltung und großer Überzeugung spielt. Mit Spannung verfolgt man die kleinen Annäherungsschritte durch Gregory, der von seinem Gewissen eingeholt wird, auch wenn er sich erst wehrt. Joseph Fiennes bringt genau diese Ambivalenz auf den Punkt, wenn er seinem Schützling erst rüde Order gibt und dann doch die Kraft zur Umkehr findet. Wie schwer das sein kann, das beweisen die Szenen mit seiner durchsetzungsfähigen Frau (Diane Kruger), die um seine Beförderung bangt und nichts mit Politik zu tun haben will. Das an Originalschauplätzen in Südafrika gedrehte Drama trumpft mit leisen Tönen auf, baut keine überdimensionalen Kinohelden auf, sondern erzählt aus persönlichem Blickwinkel von der Entwicklung Südafrikas zur Demokratie, lässt den schmerzhaften Wandel von der Apartheid zur Demokratie mit erleiden und mit erleben. "Goodbye Bafana" ist keine dröge Geschichtslektion, sondern eine Reise in die Versöhnung. Es sind Menschen, die Geschichte machen. mk.