
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Nicht immer. In dieser schwarzen Komödie über Liebe, Tod und überraschende Bestattungsideen finden sich zwei Herzen nicht beim Tanzball 1964, sondern erst über 30 Jahre danach bei einem Begräbnis. Vor dem romantischen Happy End muss die Lady gar als Leiche im Sarg posieren. Ein rührender Spaß mit Alfred Molina als schmachtender Verehrer und einer zum Bersten witzigen Brenda Blethyn.
Wenn es um Skurrilität geht, sind die Engländer Top. Und wenn die Handlung auch noch in einem kleinen Kaff in Wales namens Wrottin-Powrys spielt, darf man sicher sein, typisch starrsinnige Charaktere in urkomischen Situationen anzutreffen. Der Titel "Grabgeflüster" erinnert bewusst an den Erfolg "Grasgeflüster" mit seinen absurden Momenten und avisiert ein ähnliches Publikum.
Der Prolog lässt die Figurenkonstellation schon vermuten: Auf einem Tanzball beobachtet ein schüchterner Teenager ein Mädchen mit großen Augen. Doch bevor er sich traut, hat ein anderer ihm das Objekt der Begierde weggeschnappt. 30 Jahre später lebt Boris Plotz immer noch als Junggeselle und angesehener Bestattungsunternehmer, Betty ist mit dem Bürgermeister verheiratet, ein eitler Fatzke, der es mit der Treue nicht genau nimmt. Als dessen rabiate Mutter das Zeitliche segnet und Plotz das Begräbnis arrangiert, funkt's endlich bei den beiden verhinderten Königskindern, die flugs einen Plan entwickeln, wie sie doch noch zueinander kommen können.
Aber Pläne gehen meistens schief. Also ist Improvisation angesagt. Nach "Remember Me?" und "Girl's Night - Jetzt oder nie" arbeitet Nick Hurran zum dritten Mal mit Brenda Blethyn zusammen und trifft wieder voll ins Schwarze. Wer bei "Girl's Night" Tränen der Trauer vergoss, wird hier Tränen lachen über das schräge Personal in Aktion. Subversiver Humor ist Trumpf.
Das Paar will ein neues Leben in der Karibik anfangen. Da Scheidung nicht infrage kommt, muss Betty pro forma sterben und Boris sie einsargen, um mit der quicklebendigen Toten dann abzudüsen. Die Inszenierung des eigenen Endes hat ihre Tücken. Der Ehemann besteht darauf, die Gattin offen aufbahren zu lassen und beichtet ihr am Sarg seine Affären, die Geliebte gesteht der Toten gar einen schiefgelaufenen Mordplan, was dieselbige vor Wut fast zittern lässt. Damit nicht genug, steckt die neumodische Konkurrenz (Christopher Walken als Event-Bestatter mit Sturmfrisur) auch noch die neugierige Nase in die Angelegenheit, um herauszufinden, welche Technik die Leiche so schön herrichtet.
Wenn Betty und Co. in einem pyromanischen Schlussakkord genüsslich Rache an den bösen Betrügern üben, Christopher Walken und sein Kompagnon mit knallenden Spezialeffekten aushelfen, dann ist die Welt wieder in Ordnung, dürfen die Liebenden durchstarten. Ein Finale voller Romantik, in dem Alfred Molina und Brenda Blethyn leichtfüßig wie die Broadway-Ikonen Fred Astaire und Ginger Rogers in den sSiebenten Himmel hineinschweben. mk.