
Bewegender Antikriegsfilm ohne Schlachtgetümmel und Familiendrama über Verlust und Trauer mit John Cusack, der den Tod seiner Frau im Irak nicht verkraften kann.
Eine ganz normale amerikanische Familie im Mittleren Westen, nur dass statt des Mannes die Frau im Irak als Soldatin kämpft. Stanley Phillips, früher selbst in der Army und wegen schlechter Augen ausgemustert, arbeitet im Baumarkt und kümmert sich liebevoll um seine beiden Töchter, zwölf und acht Jahre alt. Und dann stehen sie vor seiner Tür, zwei Uniformierte und überbringen ihm routiniert die Nachricht vom Tod seiner Frau, Beileid inklusive. Die Tragik des Krieges hat ihn eingeholt. Statt den Mädchen die Wahrheit zu sagen, schiebt er diesen Moment immer weiter vor sich her, begibt sich mit ihnen von Minnesota aus quer durch das Land auf eine Fahrt in den Freizeitpark "Enchanted Gardens" im fernen Florida. Je länger der Vater mit ihnen unterwegs ist, um so mehr empfinden sie sich als Familie, aber um so schwieriger wird es auch, den Kindern das Schreckliche zu erklären - die Verdrängung nimmt überhand. Die Ältere ahnt, dass da etwas nicht stimmt, die jüngere genießt naiv den Trip.
John Cusack spielt den Trauernden, der nach außen fröhlich scheinen muss und dabei innerlich verzweifelt und selbst Trost sucht, überzeugend in seiner Zerrissenheit und Verlorenheit. Er verweigert sich der schmerzhaften Konfrontation, obgleich sein Leid mit jedem Tag zunimmt, bis zur emotionalen Katharsis. James C. Strouse zeigt das Leben im Mittleren Westen aus der Perspektive derer, die dort leben, lässt nicht eine Sekunde Überheblichkeit spüren. So ist Stanley der Durchschnittsmensch aus der gepflegten Vorstadt, dessen Grundfesten zusammenbrechen. Ein Befürworter des Irakkrieges im Gegensatz zu seinem Bruder, einem erklärten Gegner (wobei der politische Streit zwischen den Brüdern etwas gekünstelt wirkt). "Grace is Gone" bewegt durch seine einfache Erzählweise, die Reduzierung auf das Notwendige. Wenn das Trio auf der Highway an sich immer wiederholenden Fast-Food-Restaurants und Shopping-Malls vorbeifährt, in den üblichen Motels übernachtet, so unterstreicht der Blick auf diese Alltäglichkeiten, die alltägliche Entfremdung. Die männliche Hauptfigur repräsentiert aber auch die Mehrheit seiner Landsleute, die nichts vom Irakkrieg wissen wollen, die das Grauen wegschieben und nur aus dem nationalen Koma erwachen, wenn es sie persönlich betrifft. Da passt es, dass das in geringer Kopienzahl gestartete Drama in USA - wie auch andere Irak-Filme von der Heimatfront wie "Im Tal von Elah" oder "Badland"- auf wenig und ambivalente Resonanz stieß. Was seine Qualität nicht schmälert. mk.