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Gran Torino

Packendes Drama von Clint Eastwood über einen greisen Koreakrieg-Veteranen, der nicht mehr länger mit ansehen will, wie seine Nachbarschaft vor die Hunde geht.


Gran Torino

Leihvideo

Erhältlich seit:
10.07.2009

Drama

USA 2008
Laufzeit: 111 Min.
FSK: ab 12

Clint Eastwood
Ahney Her
Bee Vang

Regie: Clint Eastwood
Warner Home Video Germany

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Das nächste "Million Dollar Baby": Im Comeback als Schauspieler und Regisseur zeigt Clint Eastwood die Vorurteile, aber auch die Läuterung eines Einzelgängers.

Walt zeigt den Jungs, wer das Sagen hat (Foto: Warner) Großansicht

Walt zeigt den Jungs, wer das Sagen hat (Foto: Warner)

Der Lack ist längst nicht ab von Hollywoods Erfolgsregisseur und Oscar-Preisträger, der vier Jahre nach "Million Dollar Baby" wieder eine Charakterrolle nach Maß gefunden hat. Einen verwitterten Granitfelsen namens Walt Kowalski, der standfest die Werte verteidigt, die in seinem von asiatischen Migranten dominierten Viertel scheinbar verloren gegangen sind.

Der Veteran aus dem Koreakrieg verachtet seine neuen Nachbarn vom Volk der Hmong. Sie sind ihm so fremd wie mittlerweile auch die eigenen Kinder, die keinen Zugang zu dem launischen Eigenbrötler finden und ihm tatsächlich das Seniorenheim als vorgezogenes Paradies schmackhaft machen wollen.

Pater Janovich versucht Walt ins Gewissen zu reden (Foto: Warner) Großansicht

Pater Janovich versucht Walt ins Gewissen zu reden (Foto: Warner)

Störenfriede im Territorium

Als letzter Grenzposten vor der Wildnis - so empfindet sich der vereinsamte Witwer, der nie Frieden mit seinen Kriegserinnerungen geschlossen hat und sein gepflegtes Territorium mit dem geladenen Gewehr und einem grimmigen Gesicht verteidigt. Walt wird unfreiwillig in die Geschehnisse in seiner Umgebung hineingezogen, als er eine gefährliche Gang vertreibt, die den Nachbarjungen Thao und seine Familie terrorisiert.

Durch sein beherztes Eingreifen wird der mürrische Einzelgänger für die Einwanderer zum Helden, der dem Jungen von nebenan in der Folgezeit nicht nur eine Lektion in Autorität und Lebensführung erteilt, sondern selbst auch seine Lektion in Sachen Toleranz lernt.

Was in anderen Händen missionarisch werden könnte, wird unter Eastwoods Regie ein dramatisches Stück über die Annäherung von Generationen und Kulturen. Ohne überflüssige Mätzchen inszeniert, wirbt Eastwoods neuer Film glaubwürdig für Verständnis und Menschlichkeit.

Gran Torino

In seiner 29. Arbeit als Regisseur setzt Clint Eastwood sich und seiner archetypischen Figur in einer stillen Ballade ein nachdenklich stimmendes Denkmal.

In der letzten Szene von "Million Dollar Baby" lässt die Kamera Clint Eastwood in einem Gasthaus zurück, den Rücken zum Publikum gekehrt, allein mit sich und seiner Schuld, seinen Dämonen. Einen besseren Abschied, so glaubte man damals, könne der Regisseur Eastwood dem Schauspieler Eastwood nicht schenken: ein Farewell, das auch verdeutlicht, wie der Filmemacher heute zum leichtfertigen Morden eines Harry Callahan steht. Nun hat sich Clint Eastwood im Alter von 78 Jahren doch noch einmal vor die Kamera gewagt, in einer wohl allerletzten Performance als allamerikanischer Bockerer, die ihm einen Abgang beschert, der nicht den Hauch einer bittersüße Note anklingen lässt, sondern endgültig den Deckel auf all die verschiedenen Variationen des Mannes ohne Namen, der Eastwood in den Sechzigern berühmt machte, packt.

"Gran Torino" ist ein kleiner, stiller und wehmütiger Film und doch von höchster Dringlichkeit, eine unverkennbar persönliche Arbeit. Der Film wurde in nur fünf Wochen vor Ort in einer Vorstadt des einst stolzen, mittlerweile aber seit Jahren darbenden Autoindustriezentrums Detroit gedreht, mit einer Spontaneität und gezielt kunstlosen Unmittelbarkeit, dass die anderen Werke des notorisch schnell arbeitenden Eastwood, der beim Dreh Wiederholungen von Szenen bekanntermaßen ohnehin scheut wie der Teufel das Weihwasser, dagegen wirken lässt wie die penibel durchkomponierten Epen eines David Lean. Das Lauteste in dieser Geschichte eines Witwers aus der Arbeiterklasse, der sich durch seine unerwartete Freundschaft zu den zwei jugendlichen Kindern der verhassten asiatischen Nachbarsfamilie gezwungen sieht, sich der eigenen Weltsicht und Dämonen der Vergangenheit zu stellen, ist Eastwoods Schauspiel.

Seinen Walt Kowalski, einst hochdekorierter Kriegsheld und braver Arbeiter im Ford-Werk, nunmehr aber nur noch verbitterter und engstirniger Eigenbrötler, der sein Amerika nicht mehr wieder erkennt, spielt er hart am Rande zur Karikatur, als sprächen durch seine zusammengekniffenen Augen und rau hervorgepressten Sätze gleichzeitig Harry Callahan, der Mann ohne Namen, der Outlaw Josey Wales, William Munny und all die archetypischen Figuren aus "Der Mann, der niemals aufgibt", "Heartbreak Ridge" oder "Weißer Jäger, schwarzes Herz" in einem regelrechten Chor die Summe der Stimmen vermeintlich echter Kerle aus Schrot und Korn. Wenn Walt, verraten von seinen Kindern und verfolgt von dem jungen Pfarrer der Gemeinde, nicht über Gott, Einwanderer und die Welt flucht, sieht er von seiner Veranda bei einem kalten Bier und Beef Jerky zu, wie seine einst heile Welt vor die Hunde geht. Jedes Vorurteil sieht der Korea-Veteran bei seinen Beobachtungen bestätigt. Bis er förmlich gezwungen wird, seine Passivität aufzugeben und zur Aktion zu schreiten, als er miterlebt, wie die Kinder der Hmong-Nachbarn von einer Gang drangsaliert werden. "Get! Off! My! Lawn!", schnarrt der Rentner im besten Vigilantenstil und wird mit seinem Akt des Widerstands unfreiwillig zum Helden der Nachbarschaft und schließlich über manch auch humorige Umwege zum väterlichen Freund der Kids. Als Walt schließlich feststellt, dass er mit seiner Bereitschaft zur Gewalt alles noch schlimmer macht, sucht er nach einem Ausweg aus dem Dilemma.

Was nach einem Drehbuch des Newcomers Nick Schenk ganz geradlinig beginnt wie der feuchte Traum jedes aufrechten Republikaners, entwickelt sich mehr und mehr zu einem komplexen und durchaus widersprüchlichen Spiel mit Eastwoods beliebtesten Themen: Um Rassismus geht es und die Last vergangener Gewalttaten, um die Falschheit von Heldenverehrung und natürlich um die verheerenden, nicht wieder gutzumachenden Auswirkungen von Gewalt. Unmöglich kann man ausblenden, wie Eastwood Bezug nimmt auf seine "Dirty Harry"-Filme, wie er inhaltlich Verbindungen knüpft zu "Erbarmungslos" und dem offenkundigen Schwesterfilm, "Million Dollar Baby". Um dann anzuerkennen, dass diese wie mit der heißen Nadel gestrickte Ballade auch mühelos auf eigenen Beinen steht, gleichzeitig blendend unterhält und zur Auseinandersetzung einlädt. Dass der erste Film der Ära Obama von einem bekennenden Republikaner stammt, mag verblüffen. Dass dieser Republikaner Clint Eastwood heißt, dann wieder nicht: Weiter ist es verblüffend, wie dieser fast 80-jährige Mann bereit ist, mit jedem neuen Film dazuzulernen, nicht auf seiner Position zu verharren, längst Akzeptiertes wieder auf den Prüfstand zu stellen. Da gesteht man ihm dann auch gerne zu, mit seiner dünnen Reibeisenstimme den Abspannsong zu hauchen. Clint darf das. ts.

Gran Torino

Der Korea-Kriegsveteran und pensionierte Automechaniker Walt Kowalski mag es nicht, wie sich sein Leben und seine Nachbarschaft verändert haben. Auch seine Nachbarn, die Hmong-Immigranten aus Südostasien, kann er überhaupt nicht leiden. Aber die Situation erfordert es, dass Walt diese Nachbarn gegen eine örtliche Gang verteidigen muss, die Angst und Schrecken verbreitet. Zum ersten Mal seit Million Dollar Baby arbeitete Eastwood, der für die ergreifende Darstellung des Kowalski vom National Board of Review mit dem Preis "Bester Schauspieler" ausgezeichnet wurde, wieder auf beiden Seiten der Kamera und schuf durch viel Erfahrung, Talent und Überzeugungskraft ein neues "Meisterwerk" (SPIEGEL).

Quelle: Warner Home Video

Darsteller:  Clint Eastwood   als Walt Kowalski
  Ahney Her   als Sue Lor
  Bee Vang   als Thao Lor
  Christopher Carley   als Pater Janovich
  Brian Haley   als Mitch Kowalski
  Geraldine Hughes   als Karen Kowalski
  Dreama Walker   als Ashley Kowalski
  Brian Howe   als Steve Kowalski
  John Carroll Lynch   als Barbier Martin
  William Hill   als Tim Kennedy
  Cory Hardrict   als Duke
  Nana Gbewonyo   als Monk
 
Regie:  Clint Eastwood  
Buch:  Nick Schenk  
Kamera:  Tom Stern  
Produzent:  Robert Lorenz  
  Clint Eastwood  
  Bill Gerber  
  Jenette Kahn  
  Adam Richman  

Eastwood lehnte Bond und Superman ab

"Nicht, dass an Superman etwas falsch gewesen wäre, aber mein Ding war es nicht."

Verzichtete auf 007 und Heldentaten im roten Cape: Clint Eastwood (Foto: Kinowelt) Großansicht

Verzichtete auf 007 und Heldentaten im roten Cape: Clint Eastwood (Foto: Kinowelt)

Clint Eastwood mit Bondgirl im Arm oder rotem Cape um den Hals? Schwer vorstellbar. Dies dachte sich Eastwood wohl auch selbst, als man ihm vor langer Zeit James Bond oder Superman antrug. Beide Rollen lehnte der "Gran Torino"-Meister rundweg ab. "Man bot mir wirklich sehr gutes Geld für James Bond", erklärt der Star jetzt in einem Interview mit dem "Daily Telegraph". "Für mich fühlte sich diese Rolle aber so gar nicht richtig an." Sean Connery verließ die Bond-Reihe in den 70er Jahren. Als Clint Eastwood nicht für ihn übernehmen wollte, bekam Roger Moore den Part.

Doch Clint Eastwood wollte nicht nur kein Bond sein, sondern hatte auch mit Comic-Helden nichts am Hut. Und so erteilte er den Bossen von Warner, die Eastwood auf ihrer Wunschliste ganz oben stehen hatten, ebenfalls eine Abfuhr: "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Frank Wells (ehemaliger Warner-Präsident) zu mir kam und mich fragte, ob ich nicht Superman werden will. Das war zu dem Zeitpunkt, als sie den ersten Film machen wollten. Ich sagte: 'Na ja. Das ist wohl nichts für mich'. Nicht, dass an Superman etwas falsch gewesen wäre, aber mein Ding war es nicht."

Keine Comic-Helden für Clint Eastwood

Welche Richtung Clint Eastwood schließlich einschlug ist bekannt: Der einstige "Dirty Harry" heimste einige Jahre später seinen ersten Oscar für "Erbarmungslos" ein und ist mit Filmen wie "Brücken am Fluß", "Million Dollar Baby" oder "Gran Torino" schon heute eine Legende.

 

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